Zwischenstopps

Kilimanjaro ist ein relativ kurzer Aufenthalt – ein bisschen frische Luft schnappen am hinteren Ausgang. Die Flight Attendants stehen dort wie wenn jemand ausbüxen möchte – fast wie Bodyguards.. Es steigen viele aus mit Bergsteiger Equipment um ihren Midlife Crisis Traum erreichen zu können, den schwierigen Kili zu erklimmen. Anscheinend ist er nicht unbedingt bergsteigerisch schwierig (sicher nicht für Urs, den Chef der Bildung & Entwicklung bei Raiffeisen- für den wäre das ein Spaziergang) aber was die Höhe anbelangt… da werden auch nicht alle Angaben gemacht über die, die im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleiben…

Hinter mir regt sich der notorische Schweizer Motzer auf: ein ewiger Aufenthalt für die paar Leute…. früher flogen sie noch Mombasa direkt an, ich kann gar nicht verstehen, warum das nicht mehr so ist, motz motz motz…. Die werden ihre Freude an ihm haben in Kenia… warum sind hier alle so spät? Warum wird nicht gehalten, was versprochen wurde? Warum ist es so heiss? grins grins grins

Kurz vor dem Aussteigen kremple ich meine Ärmel nach hinten und die Frau vor mir sagt (jetzt schon vollkommen in „Eingeborenen-Kluft“, d.h. mit gebatikter Kleidung: Hosen und Oberteil im selben Druck….sonnengegerbter Haut und allerlei Geklimmper an den Handgelenken): „Das können Sie gleich ausziehen: nach hinten rollen nützt nichts!!!“ Ich denke „danke – ich dich auch…“ und lächle…

Marlene vom Blick ist ganz aufgeregt, weil sie die Zollformalitäten für die ganze Girl-Truppe ausfüllen muss. Ich vergesse es auch immer wieder: 1 Formular aus dem Flugzeug + noch eins fürs Visum braucht es und das Visum kostet 40 Euro oder 70 Schweizer Franken. Vor mir in der Schlange steht einer, der mich kennt, weil er Peter’s Kinder in der Schweiz kennt und Peter mal aus dem Busch geholt hat nachdem er während des Wahlkampfs (heute verstehe ich auch dieses Wort besser) wieder mal einen Platten nach dem anderen hatte…

Die Koffer rollen schon gut sichtbar an, Zoll ist null Problem und hier steht er dann wieder: mein Traummann, mein Peter! Nicht extrem übermüdet mit immer noch demselben grossen Smile auf dem Gesicht und ich spüre seine unbändige Freude, dass ich hier bin. Er lässt sich sogar zu sonst in Kenia in der Öffentlichkeit nicht besonders gerne gesehen Zärtlichkeiten hinreissen!

Dann gibt es grad die erste Fotosession mit den sexy Blick-Girls, die auf die Funzi-Keys fliegen – eine Insel im Süden von Kenia – für die Auswahl der Nummer 1 für 2013!

Peter eröffnet mir dann, dass wir sofort nach Nairobi fahren – mit meinem Auto! Er würde mich jetzt einfach kidnappen, denn er hätte noch viel zu tun und zu organisieren (sprich Geld zu beschaffen… ) und Spesen abzuholen für die geplanten Festivitäten und er wolle mich keinesfalls in einem Hotel in Mombasa oder Kilifi deponieren.. Nett gemeint… Ich hätte es auch ausgehalten…

Also fahren wir mit dem Driver Monday und dem Bodyguard Nelson in“ meinem“ neuen Toyota Landcruiser los. Ein echt geiles Gefährt mit extremer Schubkraft und superkomfortabel. Mit einem kurzen Stopp für einen grauenhaft nach ichsagjetztnichtwas schmeckendem Tee mit Mlch und meinen geliebten Mahamris zum Frühstück verläuft die Reise dank Monday recht unspektakulär was den Verkehr anbelangt, denn die Überholmanöver mit den Tausenden von Lastwagen sind eine Qual. Dafür kompensiert aber wieder die Landschaft und natürlich der lebhafte Update mit Peter…

In Nairobi angekommen gehen wir zuerst in den nahe gelegenen Nakumatt in einem Shoppingcenter grad um die Ecke… Nach all den Bildern, die ich vom Westgate Massaker gesehen habe ist das Gefühl mehr als mulmig… Ich kann mir nur entfernt vorstellen wie es wäre, wenn da plötzlich losgeballert würde – ganz schrecklich. Aber ich bin zum Glück mit Driver und Bodyguard unterwegs und die helfen mir die 7 Sachen zusammenzukaufen, die es für eine Nacht in einem absolut leerstehenden Haus braucht. Was würdest du zuerst kaufen? Bei uns waren es auf jeden Fall Matratze und Vorhänge…. aber eben diese Vorhänge haben den Aufenthalt im Center erheblich verlängert: Es war ein Paket mit einer Beschreibung der Länge und Breite des Materials (Vorhang, Futter, Band) drauf mit einem Preis, der dann einen 15% Discount hatte…und KEINEN Code! Alles wurde versucht, alle wurden mobilisiert, etwa drei gingen nacheinander in die Abteilung mit den Vorhängen und kamen lange nicht mehr retour. Zuletzt standen sie zu viert um die Kasse und: Halleljulah haben es geschafft! Welcome to Kenya!

Nebst der Gepäckwaage – ich wusste doch, dass sie irgendwo war packe ich ein paar Sachen aus.

Mit dem Schweizer Duvet und den Schweizer Kissen und der schweizerisch – kenianischen Powerverbindung wurde die erste Nacht in unserer Wohnung unbeschreiblich perfekt!

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