Bad Hair Day oder „kann es noch schlimmer kommen?“

Mein iPad (jetzt auf Kenia Zeit…) hat mich um 06.00 Uhr mit einem durchdringenden Piepser geweckt. Das war auch nötig, denn obwohl Peter alleine problemlos aufwacht – zusammen mit mir könnte er stundenlang weiterschlafen. Irgendwie schön, aber im Alltag nicht sehr nützlich…

Jetzt aber Schluss mit Romantik und hin zur brutalen Realität: Kein Wasser in der Toilettenspülung verheisst schon Schlechtes: kein Wasser im Spülkasten – kein Wasser aus irgendeinem Wasserhahn…Hilfe: ein Blick in den Spiegel: Bad Hair Day – oder vielleicht war es auch eine Bad Hair Night – aber definitiv!Ich dachte immer, ich hätte fadengerade Schnittlauchlocken! Woher kommen plötzlich diese ungewollten Wellen? Ahhhhrgg…. Zudem klebt es schon überall und mir steht eine Nacht im authentischen Kauma Hüttchen bevor… Der eher schleimige Hoteldirektor läuft uns über den Weg und wir fragen nach, wann es wieder Wasser geben wird…. wir sind „in a hurry“… Oh, was, kein Wasser? Er schaut gleich nach… in 10 Minuten… eine halbe Stunde später kriegt er Recht. Ich beeile mich und renne unter dem dünnen Wasserstrahl herum, mache extrem schnell, denn mit einem eingeschäumten Kopf würde der Tag auch nicht besser… es klappt. Ich nehme wieder meinen geliebten iPad um die Haare zu trocknen mit dem neuen Superspeed, 3 Variety kenianischen Haartrockner, den ich mir geleistet habe. Den iPad benütze ich mit der umgekehrten Kamera als Spiegel, weil auch in diesem Hotel die Stecker nicht dort sind, wo sich die Spiegel befinden… Funktioniert einwandfrei – wenn denn auch die Elektrizität funktionieren würde… aus, dunkel, kein Haaretrocknen und es sieht auch nicht danach aus, als dass sich das noch ändern würde… Na ja, dann werden die Blickreporter halt mein von der Hitze aufgedunsenes Gesicht mit ungeföhnten Haaren in der ganzen Schweiz verbreiten – was soll’s – so sehe ich hier nun mal aus… Die Reporter kommen dann auch pünktlich mit dem Privatjet von den Funzi Keys and und wir treffen uns alle vor dem Supermarkt Tusky’s, wo Marlene, die Reporterin nur noch schnell ein paar Süssigkeiten für die Kinder in den Dörfern kaufen möchte. Allerdings hat sie kein Cash und so fahren wir zuerst zur Bank, danach wieder retour zu Tuskys der aber erst um 09.00 Uhr öffnet… (2. Holiday-Tag). Mittlerweile sind alle zusammengekommen, die mit nach Jaribuni fahren möchten – viel zu viele für 2 Autos. Aber da ja inzwischen das Kenianische Ärzteteam eingetroffen ist, das sich um 2 Tage geirrt hat und jetzt früher hier ist als geplant wird sich die kenianische Journalistin um das Ärzte-Team kümmern… Irgendwie sind wir dann auch mal in Marere angelangt, wo die Journalisten das Gemeindezentrum, das Peter baut filmen und dokumentieren. Danach geht’s zum Check-up für die Homecoming Party in die Secondary School, wo leider immer noch die Zelte fehlen, die aufgestellt werden müssen. Aber Peter konnte irgendwo 20 Stück organisieren, nachdem etwa 3 Zusagen wieder abgesagt haben und diese jetzt in Mombasa geholt werden müssen mit einem Lastwagen. Leider nicht mit unserem Pick-up, den hat ein Schweizer Freund von Peter ziemlich demoliert… Dafür ist alles,was mit Security zu tun hat anwesend und inspiziert für den nächsten Tag. Endlich fahren wir dann zum Kaya Kauma, den Peter wieder herstellen lassen hat und der auch ein Unesco Weltkulturerbe ist. Da ja Peter zum Mijikenda Leader (Anführer der 9 Küstenstämme) gewählt wurde und jetzt für die Kultur mit der Wiederherstellung viel Gutes getan hat wird er hier entsprechend gefeiert. Aus dem Hon. MP Peter Shehe wird der Häuptling der Mijikenda mit Federschmuck, Schild und allerlei Schickschnack… Und auch für mich ist eine Kluft bereit, ich bin in der Hierarchie aufgestiegen und kriege ein rotes Röckchen anstatt ein weisses, was für meine weissen Beinen nur vorteilhaft sein kann. Es gibt dann unendlich lange Rituale und auch die Blick-Crew muss dran glauben udn wird eingekleidet damit sie in die Heilige Stätte rein dürfen. Sieht echt witzig aus, diese Weissen in den traditionelllen Kleidern – etwa wie eine Japanerin oder ein Kenianer im Dirndl und Lederhose! Die Freunde aus Maison Müge Erica und Heiri kommen auch noch und werden eingekleidet. Und dann geht es nach langem Stehen in der Sonne in die heilige Stätte. Es ist erst 15.00 Uhr und ich frage mich jetzt schon, wie das weitergehen soll die ganze Nacht. Das heisst, das Programm ist mir schon bekannt aber ob ich das durchstehen werde. Zudem stört mich meine Wunde am Bein – ich hoffe einfach, dass ich um die Tänze herumkomme. Peter ist total in Beschlag genommen und ist für alle nicht zu erreichen – er tagt mit den „Elders, den Stammesältesten“. So langsam aber sicher kommt bei mir Langeweile auf, Fotografieren ist nämlich in der Heiligen Stätte auch verboten und da kommt plötzlich  ein flutartiger Regen, der sich für mich noch als Segen herausstellen soll. Das „Haus“ (Strohhütte) von Peter ist noch nicht fertiggestellt und dort sind die Ältesten (Männer) drin und so werde ich in eine andere Strohhütte geführt und sitze Backe an Backe mit Einheimischen, die ihren Dialekt sprechen und vor sich hin dampfen. Ein bisschen bekannt ist mir noch eine Nichte von Peter, die sich um mich kümmern muss… Ich sitze also auf meinem geflochtenen Mätteli, mein Bein tut mir weh und durch die Strohdecke regnet es fast so, wie wenn ich draussen sitzen würde und die Hitze verwandelt den Ort in eine Art Schwitzhütte. Mein Regenschutz ist natürlich in der Tasche, die noch etwa 2 km entfernt im Auto ist und keine Befreiung in Sicht! Es ist möglich, dass sich Entführte ähnlich fühlen und so weiss ich auch nicht mehr ganz genau, ob es jetzt Regentropfen oder Tränen sind, die über mein Gesicht rinnen… Aber eins weiss ich ganz genau: hier verbringe ich keine Nacht – unter keinen Umständen… Peter wird dann informiert, dass Barbara „not amused“ sei und er eilt herbei. Mein Bein mit der Wunde stösst auf grosses Verständnis und Peter akzeptiert, dass ich die Nacht lieber in Kilifi verbringen möchte als hier mitten im schlammigen Hüttchen – zumal sein Häuschen noch schlimmer ist,da die Strohbedeckung noch gar nicht fertig gestellt ist… Da der Fahrer auch gerne wieder zurück will werde ich noch bis zum Eingang begleitet – so schnell war ich wohl noch nie oben, obwohl jetzt wieder die heisse Sonne runterbrennt… Oben hat der Fahrer schon das Auto  gestartet – es ist wie eine Szene aus einem Gefängnis-Ausbrech-Film! Ich könnte ihn umarmen… sicher und schnell fährt er mich nach Kilifi und wir haben so ein paar Diskussionen, wie sich ein „City-Girl“ wohl in einer solchen Umgebung wohlfühlen kann. Er zeigt sehr viel Verständnis für mich und findet die Strapazen auch etwas übertrieben.  Aber machmal ist es ja auch einfach gut zu wissen, was man nicht will. Und ich will definitiv keine Strohhütten-Frau werden und freunde mich immer mehr mit dem Gedanken an, eine Nairobi-Woman zu werden… Mit diesen Gedanken werden ich mit Gejohle im Hotel empfangen – ich habe die Giriama Kleidung anbehalten, was die an der Reception natürlich sichtlich erheitert… An meinen Füssen hängen Klumpen des roten Lehms und die – jetzt funktionierende – Dusche ist wie ein riesengrosses Geschenk. Warme Dusche und Licht im Badezimmer: ich fühle mich himmlisch. Triefend nass greife ich nach dem Badetuch… nur leider hängt da heute keins…. Let’s just call it a day! Friday the 13th – aber ich bin ja nicht abergläubig…

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