Hit the road…

Ich muss richtig früh aufstehen, damit ich um 10.00 Uhr bereit bin. Ich bringe das Haus in Schuss, präpariere meine Koffer und bereite das Frühstück vor. Der Driver Monday kommt bereits um 09.00 Uhr – ich habe es fast vermutet, denn er möchte auch zurück zu seiner Familie. Ich brauche die Stunde aber noch um die Weihnachtskarten an meine Familie zu schicken: von Hand geschrieben aber digital verschickt! Das ist doch eine akzeptable Form – fast wie ein „richtiger“ Brief. Die Zeit rennt mir förmlich davon. Der Verantwortliche für das Haus ist auch nicht mehr vorbeigekommen – er schrieb zwar gestern „in five minutes“ komme er vorbei. Nach 2 Stunden habe ich dann geschrieben, das das jetzt selbst für Kenia-Standard etwas lange 5 Minuten seien..

Monday hat mir dann geholfen, den Abfall zu entsorgen, d.h. einfach alles durcheinander vor die Mülltonne zu stellen – Abfalltrennung: ein Fremdwort. Ich versuche wenigstens diejenigen, die in meinem Auto sitzen so weit zu bringen, dass sie nichts aus dem Fenster schmeissen – aber das ist schon eine schwierige Übung. Ich glaube, wenn man mitten im Abfall aufwächst, dann fällt er einem gar nicht mehr auf!

Wir machen uns also auf die lange Reise nach Mombasa  (über 500 km)– der Sonntag ist nicht allzu schlecht aber es hat trotzdem viele Lastwagen. Die Strasse wurde streckenweise von den Deutschen und streckenweise von den Chinesen gebaut. Ratet mal, welcher Teil in einem besseren Zustand ist? Der Fahrstil ist kriminell: Lastwagen überholen sich, weil manche keine Nerven haben hinter einem „wide load“ langsam zu fahren überholen sie auf dem Pannenstreifen, der aber eher Steppe ist und ich bin echt froh, dass Monday jahrelange Safari-Chauffeur Erfahrung hat.

Monday fährt dann für einmal ganz gesittet – wir haben gute Musik und total lustige Konversationen. Hier wollen mich alle dazu bringen, dass ich doch auch ein eigenes Kind haben soll… Was Menopause ist haben sie wohl noch nicht ganz mitgekriegt und ich lache mich wirklich fast kaputt über die Ideen, die Monday teilweise hat über das Leben. Keine Ahnung warum ich immer wieder zum Thema Homosexualität befragt werde aber schon der Bodyguard und der PA haben mich diesbezüglich ausgequetscht. Die Einstellungen sind tatsächlich vorsintflutlich und ich versuche, da wenigstens um ein bisschen Toleranz zu werben. Dann kommt noch der ganze religiöse Teil dazu und die Diskussionen werden wirklich teilweise sehr heiss!!! Daniel – ich könnte deine Argumentationshilfe hier gebrauchen. Ich finde es ja – nicht nur in Afrika – witzig, dass die Hetis immer meinen, dass die Homosexuellen sie „rumkriegen“ möchten. Ich glaube kaum, dass das ein Hauptziel ist! Als Monday dann sagte, er habe gehört, wenn die eigene Frau mit einer Lesbe zusammen sei, dass sie dann nie mehr zurückkehren möchte, versuche ich ihm vorsichtig zu erklären, dass das vielleicht auch damit zusammen hängt, dass sie mit dem Mann nicht so ganz zufrieden ist… Ganz heikle Themen aber auch sehr spannend!

Heiss ist es zum Glück in unserem edlen Toyota Landcruise nicht und so kann ich die wunderschöne Landschaft schweissfrei geniessen. Die Berge im Hintergrund und die grünen Felder (es regnet dieses Jahr überdurchschnittlich viel) mit den Akazien- und Baobab-Bäumen: wirklich wie aus einem Film. Nach 7 Stunden erreichen wir Mtwapa.

Dort hat Malenjo mit seiner Irene ein neues Guesthouse eröffnet. Es heisst „Killomax“, denn so heisst die Lautsprecheranlage, die er als DJ verwendet. Ob das marketingtechnisch eine glückliche Namenswahl ist? Ich bezweifle es… Klingt schon eher wie ein Name für einen Horrorfilm.. 10 Zimmer für umgerechnet  CHF 6.—pro Nacht! Ob er einen Businessplan geschrieben hat? Ich glaube, ich bringe mal unsere wunderbare Simone aus Arbon vorbei, damit sie das mit ihm durchrechnen kann! Auf jeden Fall gibt es eine ganz feine Ziege (ja ich gewöhne mich an fast alles) mit Kachumbari (dem superfeinen Tomatensalat) und einem sogar essbaren Ugali (eine Art salzloser weisser Polenta) und dann kommt die Müdigkeit. Nur 4 Stunden Schlaf in der Nacht vorher und die lange Route – ich lege mich auf eines der 10 Betten und warte, bis die grossen Polit-Diskussionen vorbei sind und wir nach Kilifi in ein neues „Abenteuer-Hotel“ fahren. Es ist ein Hotel, das für Staatsangestellte gebaut wurde… Details darüber dann nach meiner ersten Nacht!

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