That’s smart

Der Morgen war schnell vorüber mit Diskussionen über Studenten, die aus Ganze kommen und sich für verschiedene Universitäten bewerben. Peter hat dazu einen Verein gegründet, der alle Studenten aus Ganze ansport, sich für Unterstützung anzumelden. Ich war recht schockiert zu hören, dass bei früheren MPs nur die eigenen Familienmitglieder und enge Freunde berücksichtigt wurden. Peter möchte auch hier fair sein und sicherstellen, dass Schülerinnen und Schüler aus allen 4 Wards dieselben Bedingungen haben, egal aus welcher Familie oder aus welchem Stamm sie kommen.

Wir unternahmen dann noch einen Trip nach Mombasa um ein paar Dinge zu erledigen und Plastikstühle für Marere einzukaufen. Mombasa war noch chaotischer als sonst und es scheint, dass alle Autos aus der Stadt raus wollten, was dann auch unsere Anreise nach Marere etwas verzögerte. Aber wir schafften es – so wie man alles irgendwann und auf irgendeine Weise schafft in Kenia. In Marere war bereits ein Zelt aufgestellt. Ich hatte ja von Peter das Verbot, dass ich Dekomaterial aus der Schweiz mitbringe – wahrscheinlich hatte es Bedenken, dass ich es übertreiben könnte. Moi!!! Das kann ich ihm nicht einmal verübeln, denn mein Shangri-La in Arbon ist ja an Weihnachten schon SEHR üppig dekoriert… Aber ich konnte es nicht verklemmen, beim letzten Shoppingtrip 5 Säckchen Ballone mit der Aufschrift „Merry Christmas“ einzuschmuggeln. Ich begann also mit dem Aufblasen als Dekoration und es war fast wie wenn die Nachbarskinder das gehört hätten und sie kamen in grossen Scharen an.  Jede der Kleinen wollte ihren eigenen Ballon.

Zuerst wollte ich noch an meinem ursprünglichen Deko-Gedanken festhalten aber plötzlich fand ich es viel lustiger, wenn alle mit den Ballons viel Spass hatten. Die Girls waren wieder einmal sehr interessiert an mir und bewunderten alles an mir: das Weihnachtsarmband, die lackierten Fingernägel, die Haare, den Lippenstift: bei allem sagten sie: that’s smart, that’s smart, that’s smart und berührten natürlich alles. Plötzlich war Weihnachtslieder singen angesagt und so machten wir kleine Filme mit Jingle Bells und We wish you a merry christmas. Das gab alles sehr viel zu Lachen und so war ich in guter Weihnachtsstimung. Malingi installierte einen TV und einen DVD Player und Peter schlug vor, dass wir uns den uneditierten Film des professionellen Filmers ansehen könnten über die 2 Tage Feierlichkeiten letzte Woche. Ich wusste zwar, dass es etwas langweilig werden könnte, denn ich war ja selber auch dabei. Trotzdem war es witzig die ganzen 2 Tage in einem Film anzusehen. Es gab dann eine Vorspeise! Wow – das ist etwas neues: gespannt und happy liess ich mir die Hände waschen. Aber was dann auf den Teller kam war für meinen Magen doch zu viel: die Innereien der Ziege, die später aufgetischt wurde! Das konnte ich beim besten willen nicht einmal probieren – es sah echt eklig aus. Ich fantasierte schon ein bisschen über meinen Weihnachtstruthahn mit der nuss-fruchtigen Füllung…

Ich hatte eine schöne Flasche Rotwein mitbebracht aber der Wein korkte leider und ich kriegte ihn auch mit gutem Willen nicht runter. Was „Korken“ ist das hat niemand verstanden und einen Flaschenöffner hatte ich zum Glück an meinem Sackmesser… Ich kriegte dann von Malingi ein Teufelsgetränk aus einem Beutel – Rum mit Kaffeegeschmack –es schmeckte vorzüglich. Peter braute unterdessen ein Getränk aus Maisschalen zusammen, das schon seine Mutter immer kochte. Er hatte sichtlich Spass daran, in Marere feiern zu können und Traditionen aufrecht zu halten. Was seine Familie anbelangt, so hatten die meisten irgendeine andere Verpflichtung aber es fragt sich natürlich auch, wen man als Familie betrachtet und das verwischt in Kenia ziemlich stark.

Nach dem Film spielte Malingi afrikanische Musik und wir tanzten noch lange unter dem Sternenhimmel. So kann Weihnachten dann doch ziemlich anders sein als in der Schweiz. Von meiner „Weihnachtskrankheit“ bin ich natürlich noch gar nicht geheilt, denn ich liebe Weihnachten in der Schweiz aber es war es wert, mal etwas anderes zu erleben.

Dass die laute Musik noch die ganze Nacht weiterlaufen sollte machten mir weniger Freude aber auch das überlebte ich und schlief dann vielleicht doch 2 Stunden auf der neuen Matratze bis ich am Morgen die megafeinen Mahambris essen konnte, auf die ich mich schon gefreut hatte.

Teilen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert