2x Händeschütteln mit dem Vizepräsidenten

Heute stand dann die weitere Unterbrechung der Ferien an. Wir hatten eine Einladung für einen Amtskollegen von Peter in Vipingo, der auch seine „Homecoming“ oder wie er es nannte „Thanksgiving“ Feier veranstaltete und dieses Mal war es bestätigt, dass auch der Vize-Präsident William Ruto anwesend sein werde. Es begann eine lange Warterunde, die im Clubhouse des Golfplatzes Vipingo startete. Peter war ein bisschen auf Protestkurs, denn bei seiner Feier hatte Ruto ja auch versprochen zu kommen und war dann ohne Entschuldigung ferngeblieben. Also schmiss sich Peter in das nigerianische Outfit, das er von seinem Schwiergersohn erhalten hatte. Ich spottete ein bisschen über die Aufmachung aber seine Regierungskolleginnen und –kollegen fanden es sehr originell. Er fiel auf jeden Fall damit auf.

Zuerst kam ein Helikopter an, das war aber noch falscher Alarm, denn da waren „nur“ die beiden Governors der Region drin. Im Kleinflugzeug, das dann endlich ankam war er dann aber wirklich höchstpersönlich drin. Ich fand es jetzt schon recht exciting und einmal mehr filmreif, wie ich in der Reihe der Politprominenz stand und auf das Händeschütteln mit dem Vizepräsidenten wartete. Er war auch ziemlich erstaunt, als ihm da plötzlich eine so weisse Hand entgegengestreckt kam und ich erklärte sofort, dass ich die Frau von Peter Shehe sei und er meinte „ah from this great man!“ wozu ich natürlich zustimmend nickte. Danach ging der ganze Konvoi von Autos wieder in das Clubhouse zum Lunch. Keine Ahnung, wie viele Autos es waren aber es müssen an die Hundert gewesen sein. Der Club war vollkommen überfordert mit der Anzahl an Gästen und wusste nicht mehr, wer jetzt Politiker und wer Bodyguard oder Personal Assistant war und wer deshalb auch gratis essen durfte. Der Club Direktor wurde auf jeden Fall immer röter und röter im Gesicht. Auch Peter wechselte fast die Farbe als er gebeten wurde für die Flasche Wasser zu bezahlen, die wir konsumiert hatten, d.h. eine Flasche zu viel, die nicht inbegriffen war…

Danach fuhren wir weg von diesem geschniegelten Golf-Club und runter zum Festgelände wo dann die übliche Anreihung an Ansprachen begann. Dieses Mal waren es noch mehr als sonst, denn von den Women’s Representatives über die Ward Representatives zu den Member of Parliaments bis rauf zu den Senatoren und Gouverneurs waren alle anwesend aus dem Kilifi County. Die Redezeit wurde zwar ansatzweise begrenzt aber ohne das Mikrofon abzustellen spricht hier jeder über seine Redezeit hinaus. Dieses Mal war ich aber schon interessiert, denn wenn ich die Leute kenne, und das war bei etwa 70% der Fall, dann interessiert es mich auch brennend, ob sie gute Redner sind. Und das lässt sich an der Gestik, Mimik und an der Reaktion des Publikums sehr gut erkennen auch wenn sie meistens Swahili sprechen. Peter war eher kurz angebunden aber er sprach einleuchtend und einfach verständlich und der VP schien zufrieden zu sein. Nachdem dann auch Ruto den Schluss-Speech gehalten hatte ging wieder die Verabschiedung los und ich musste grinsen, weil es jetzt Ruto war, der auf mich zukam und sich von mir verabschiedete. Ja, manchmal hilft es halt auch, anders auszusehen und aus der Menge zu stechen – auch wenn es „nur“ die Hautfarbe ist…

Retour im Hotel hielt ich dann das erste Mal seit meiner Ankunft die Füsse ins Wasser an der sehr bevölkerten Bamburi Beach. Wieder mal ein Telefon mit meiner Mama und ein gegenseitiger Update über die Weihnachtstage war angesagt und ab morgen sollten keine solchen Unterbrechungen mehr stattfinden… Schliesst ihr schon Wetten ab, ob es dann tatsächlich so sein wird? Ich ebenfalls…

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