Flucht ins Paradies

Ich hatte die Absicht jetzt ENDLICH meine Wunde im Salzwasser zu baden, weil es der Arzt auch so verschrieben hatte. Ich ging runter zum Strand und bei Tag sah das Hotel wirklich grauenhaft aus. Ebenso grauenhaft waren die Gäste – irgendwie war alles richtig heruntergekommen. Where is the beach? Das Meer war so weit retour, dass ich nicht einmal bis zu den Waden ins Wasser konnte und wie befürchtet kam recht schnell mal einer und fragte mich wie es gehe… ich war bereits ziemlich auf Distanz und bin ja auch kein Morgenmensch. Er war zwar nicht so aufdringlich wie ich es erwartet hatte und doch meinte er, ich könnte ja mit einem Boot rausfahren und dann beim Reef draussen baden. Ich erklärte ihm sehr deutlich meine Situation und dass ich keine Konversation und auch einen Ausflug und keine Safari wünsche, da wir unseren eigenen Fahrer haben… er war etwas irritiert verstand es aber.

Ich trottete also retour und sah Peter, wie er versuchte in der Bratpfanne Toast zu machen und sich nicht darüber aufzuregen, dass die riesige Somali-Familie (ich zählte bestimmt 6 Personen), die nebenan im Zimmer wohnte und mit uns die Küche teilte (eine vollkommene Schnapsidee in einem Hotel…) bald aufwachen würde und uns am trauten Zusammensein stören würde. Ich hatte heiss, das Zimmer war dunkel und stinkig, der Hoteldirektor ein absoluter Jerk und der Strand überbevölkert und grässlich!!! Ich begann eine Flucht-Strategie zu entwickeln, in dem ich im Internet schaute, welche Hotels jetzt doch noch verfügbar seien über Sylvester. Die Situation auf booking.com hatte sich geändert und es hatte in den beiden besten Hotels von Kilifi noch Platz frei zu einem akzeptablen Preis. Sehr vorsichtig unterbreitete ich Peter meine Escape-Strategy und glücklicherweise dachte er genau so wie ich: er fühlte sich auch gar nicht wohl in diesem Dump und war einverstanden anzurufen und zu sehen, ob er jetzt doch eine Resident-Rate haben könne. Und jetzt funktionierten die Beziehungen und Hierarchien wunderbar: der Hotelmanager stand neben dem Receptionist, der den Anruf beantwortete und so erhielten wir zum selben Preis wie im Bamburi Beach Resort in der schönen Baobab Lodge in Kilifi ein Zimmer für 3 Nächte inkl. Vollpension! MP zu sein kann tatsächlich (Hotel)Türen öffnen!

Zuerst stand noch eine Exkursion nach Mombasa bevor und wir waren ja nicht weit entfernt. Ich hatte eine Mission zu erledigen. Unser Frauenchor sinGALLinas singt Ende Februar mit dem Männerchor Heiden zusammen zwei Konzerte, die „Out of Africa“ heissen. Lauter Lieder aus oder über Afrika. Mein Vorschlag war, die Lessos oder Khangas, wie sie auch genannt werden, zu kaufen für die Frauen. Das sind die bunten Stofftücher, die hier alle Frauen tragen. Es sind zwei Stoff-Panele, die ganz besondere Strukturen befolgen bezüglich, Rand, Muster und die auch immer mit einem Spruch versehen sind über Gott und die Welt. Die Frauen schneiden sie meistens auseinander und tragen einen Teil um die Hüften und den anderen um den Kopf oder über die Schultern. Das trägt immer viel zum bunten Bild auf dem Lande bei und ist erst noch praktisch. So wird ein Khanga z.B. auch zum Kochen oder zum Putzen getragen um die Kleider darunter nicht zu beschmutzen.

Wir kannten bereits aus früheren Reisen einen bekannten Stoffhändler (es sind alles Inder, die diese Läden betreiben und auch die Khangas kommen aus Indien) und wollten natürlich so schnell als möglich dort hinkommen, um nicht viel Zeit zu verlieren was im Mombasa-Verkehr eine echte Herausforderung ist… Was macht man als MP? Peter hat es so gelöst: als zwei Autos mit Sirene vorbei fuhren (es war der Speaker der National Assembly) mit Kenia-Flagge und Extrem-Tempo schloss er sich einfach hinten an und somit überholten wir alle Autos, fuhren wie die Verrückten ab durch die Mitte und waren in no time in Mombasa. Unser Fahrer Monday hatte dasselbe schon mal in Nairobi mit einer Ambulanz gemacht und anscheinend erlaubt der Spezialsticker an unserem Auto wirklich vieles, das sonst höchst illegal wäre.

Alles verlief also prima, wir fanden den Laden sofort aber jetzt kam etwas, das wir nicht wussten: anscheinend kommen jeden Montag die neuen Muster raus mit den neuen Sprüchen und die Frauen stehen Schlange und holen sich die neusten Trends. Nicht übertrieben, es müssen mindestens 100 Frauen an den 2 Kassen gestanden haben. Der Laden sah schon fast wie ausverkauft aus und die Muster waren wirklich ganz anders, als diejenigen, die ich kannte. Aber ich war kurz entschlossen, hatte null Nerven noch andere Läden auszuprobieren und kaufte 40 Stück in 6 verschiedenen Farben und Mustern ein – durch meinen Grosseinkauf erhielt ich das Privileg sofort zahlen zu können und wir waren so schnell wieder draussen, dass Peter ganz erstaunt war. Ich sage ja immer, dass ich eine super Shopperin bin – das gilt auch in Kenia! Es mag sein, dass die Muster etwas anders ausfallen, als diejenigen die ich vorher kannte aber sie sind auf jeden Fall der letzte Fashion Hit aus Mombasa!

Als nächstes waren wir bei Freunden, die wir aus der Schweiz kennen, in Kilifi eingeladen. Wenn ich Maison Müge schon schön fand: dieses Haus übertraf alle Erwartungen. Tanja arbeitet im Thema Kriseninterventionen und ist aus Zanzibar und hat das gesamte Haus im Zanzibar Stil (er wird hier auch oft der Swahili Stil genannt) eingerichtet mit unzähligen Antiquitäten und einem sehr sicheren Auge für schöne Dinge! Ihr Mann meinte: seine Frau habe bereits so viele antike Möbel eingekauft: sie mussten das Haus dazu bauen. Ein absoluter Traum: licht- und winddurchflutet, edel, eingepasst in die Landschaft mit einer fantastischen Aussicht auf den Creek und einem Privatzugang zum Strand – so etwas nenne ich lebenswert im höchsten Mass!

Ihr Mann Christoph arbeit in der Schweiz an der ZHAW und bildet in der Schweiz und in Kenia Journalisten aus und ist in verschiedenen Research Projekten involviert. Zusammen mit ihren beiden sympathischen Söhnen genossen wir ein vorzügliches Fischessen auf der Terrasse mit einem Passionsfrucht-Cheesecake, der mir jetzt noch das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Danach hatten wir sehr angeregte Diskussionen und planten so einige mögliche Projekte im Bereich Landwirtschaft, Wasser, Abfallmanagement (die Spezialität des Sohnes, der in Nairobi lebt) und politisierten im grossen Stil. Dabei kamen auch die vielen NGOs (non governmental organizations) zur Sprache, die teilweise zwar massenhaft Geld aus ihren Ländern erhalten, schlussendlich aber vor allem darum bemüht sind, ihre eigenen Häuser zu verschönern. Selbst der Sohn Daniel hat gesagt, er biete keine Internships für Schweizer mehr an, da die letzten nur daran interessiert waren, sich zu amüsieren und Party zu machen.

Peter hatte ja für Ganze auch ein Meeting einberufen, bei dem er alle NGOs an einen Tisch holen wollte, damit er den Überblick hat, welche überhaupt in seiner Constituency aktiv sind. Gekommen sind lediglich 2! Jetzt hat er im Januar nochmals ein Meeting angesagt, allen wird das Protokoll der letzten Sitzung verschickt und wer im Januar nicht auftaucht kann aus Ganze verschwinden. Wie immer kamen wir zum Schluss, dass zuerst Machbarkeitsstudien gemacht werden müssen, damit klar wird was denn eigentlich am Dringendsten gebraucht wird. Ich bin immer wieder froh, wenn andere Leute dasselbe sagen wie ich, denn wenn es genügend sind, dann wird es Peter auch mal glauben…

Das Hotel Baobab Sea Lodge entpuppte sich als wahre Erholung nach dem Loch in Bamburi und wir hatten endlich den Anfang unserer Ferien gefunden!!!

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