Fotos im Herzen

Was: 06.07!!!!!! Ich hatte den Wecker auf den Sonntag gestellt! Mist! Aber aus meinen Tourismus-Zeiten kann ich im Extremtempo parat sein – so war ich also 20 Minuten später geduscht, Haare gewaschen und geföhnt im Safari-Outfit bereit zum ersten Abenteuer. Peter kürzte seinen Duschvorgang für einmal ebenfalls ab und so fing unsere Reise an. Ich finde es super, dass Einheimische Kshs 500 (etwa CHF 7) und Touristen Kshs 5‘600 (ca. CHF 70) bezahlen müssen. Obwohl die Kenianer auch mit diesen tiefen Preisen eher selten auf Safari gehen (in den nächsten Tagen heisst das Wort Safari wirklich eine Reise um Tiere zu sehen, ansonsten heisst das Kiswahili-Wort einfach „Reise“…) Es hatte im Dezember aussergewöhnlich viel geregnet. Das bedeutete jetzt „dummerweise“, dass das Gras recht hoch stand und es daher eher schwierig war die Tiere zu sehen. Aber bald schon war „Simba-Alarm“… wir wurden informiert, dass es einen Löwen zu sehen gäbe, was hier eine Seltenheit ist. Es war dann auch ein eher langweiliger Anblick – er lag da einfach im Gras und bewegte sich kaum. Die Italiener mit ihren Riesenfotoapparaten fanden es aber molto bello und fanstastico! Das gegenseitige Informieren wo es was zu sehen gibt funktioniert im Tsavo East ausgezeichnet. Das bringt halt auch mit sich, dass es eine ganz Gruppe von Minibussen (die mit der Öffnung in der Mitte für gute Sicht..) hat sobald etwas entdeckt wird.

Wir bekamen dann noch grössere Elefantenherden. Straussenfamilien, Zebras, allerlei Gazellen und Impalas und zwei Geparde zu sehen nebst einer Riesenzahl von verschiedenen Vogelarten und allerhand von kleinem Getier. Die Giraffen hatten Pause und es nützte auch nichts wenn Monday vortäuschte, die Giraffe anzurufen und mit ihr um die Ecke abzumachen…

Er wollte uns noch die Elefanten im Gehege der Rupert Sheldrake Foundation zeigen, aber die waren beim Grasen und uns wurde gesagt, wir müssten sowieso einen Brief aus Nairobi mitbringen, wenn wir hier reinkommen möchten – das scheint mir ein eher komplizierter Vorgang zu sein… Wir hatten alle einen kleinen Schock, als plötzlich das Zebra aus seinem Gehege hüpfte und uns anknabbern wollte – es schien hier aber das Haustier zu sein und wir hatten nichts zu befürchten!

Monday wusste so viele Geschichten über die Safaris und es ist etwa wie das Jägerlatein – jeder gibt noch einen drauf. Malingi, der Bodyguard von Peter, hatte auch so seine Geschichten, denn er war längere Zeit im Tsavo Park stationiert um gegen Wilderer anzukämpfen und so lachten wir wirklich den ganzen Tag über all die Stories und Räubergeschichten, die sich die Fahrer gegenseitig erzählen. Ein richtig entspannter Tag ohne Telefonanrufe…

Das war jetzt wirklich ein fantastischer Morgen und ich war sehr glücklich, dass wir diese kurze Safari machen konnten. Am Nachmittag fuhren wir dann weiter zum Tsavo West – ohne Handy-Empfang. Da war die Vegetation vollkommen anders. Noch höhere Sträucher – ich hatte schon Bedenken, ob wir hier überhaupt etwas zu sehen bekommen würden. Der kurze Fussmarsch um die Hippos zu sehen war nicht sehr erfolgreich – wir sahen sie nur von weitem – aber es waren doch zwei und die Gegend unglaublich üppig und schön. Hier sind die Mzima Quellen, die Wasser für das ganze Land liefern. Beim Eingang mussten wir natürlich über die „Blue Balls Affen“ grinsen, denn das gibt dem Musik-Festival in Luzern wieder eine ganz neue Bedeutung…

Es muss für die Fahrer von richtigen Touris schwierig sein, den Erwartungen der Kunden zu entsprechen, die einfach nicht immer zu erfüllen sind. Ich hatte meine Hoffnung auf meine Giraffe noch nicht aufgegeben und siehe da: meine Geduld wurde ausgiebig belohnt. Es präsentierte sich ein Prachtsexemplar, das majestätsich dahin schritt und mir eine herrliche Foto- und Filmgelegenheit bot. Mit den Lavabergen im Hintergrund und der grünen Savanne – es war einfach wie aus einem Bilderbuch! Saublöd, das ich nur meine kleine Kamera dabei hatte und auch noch feststellen musste, dass die Linse nicht sauber war… Aber ich denke, das fotografieren sollte man auch denen überlassen, die es können, wie Stefan Forster und Stefan Somogyi für Landschaften sowie Peter Bolliger für die Wahnsinnstieraufnahmen! Es bleiben so einfach Souvenirs für mich – aber noch viel wichtiger sind die Erinnerungen, die ich innerlich mitnehme.

Wir kriegten noch viele Elefanten vor die Linse – in allen Schattierungen. Die Farbe nehmen sie von der Erde an und so haben wir wirklich dunkelrote, braune und graue Elefanten gesehen,  aber für die Warzenschweine war ich immer zu langsam. Ich muss mir unbedingt nochmals Lion King ansehen – war das Warzenschwein dort auch so schnell?

Die Ngulia – Lodge im Tsavo West war zwar vom Hotel her gesehen eine etwas fabrikmässige Abfertigung aber die Lage war atemberaubend: mit Blick in die Weite. Als Touristenattraktion hängen sie jeden Abend einen Brocken Fleisch raus und meistens kommt dann ein Leopard zum „Schaufressen“. Das ist natürlich etwas fragwürdig aber halt trotzdem ein faszinierendes Spektakel. Gemäss Driver-Stories hat auch schon mal ein Leopard einen Kellner getötet – das gehört jetzt wieder zu den Jägerlatein-Stories aber möglich ist es durchaus.

Beim Nachtessen war das Licht so dunkel, dass man kaum das Essen sehen konnte – wegen den Moskitos war die Erklärung – ich dachte eher es sei, damit man die Qualität des Essens nicht sah – es war auch hier eher eine Massenabfertigung und das Essen mit dem Rotwein runterzuspülen war auch keine gute Idee, der hätte nämlich eher zu den Saucen beim Salatbuffet gehört. Aber wie gesagt: ich würde wahrscheinlich sogar nochmals hier übernachten, denn die Sicht am Morgen auf die Weite des Landes ist so eindrücklich. Vor dem Frühstück die ersten Hyänen zu sichten und dann die allerbeste Dusche, die ich bisher in Kenia hatte – schön warm zu geniessen – das waren schon ganz besondere Freuden! Auf der Schlussstrecke durfte ich das Schiebedach öffnen und meinen Kopf aus dem Auto strecken – ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit und Natur. Ob das der Anfang des Kenia-Virus ist? Die Möglichkeit besteht durchaus…

Unsere Rückfahrt nach Nairobi war dann wieder wie üblich: lange und ausgedehnt, unglaubliche Überholmanöver, die unser Fahrer Monday mit Bravour meisterte. Bevor wir unsere Nakkumat Session Nr. ? machten und ins Apartment retour kamen gab es noch einige Zwischenhalte beim ISUZU Lastwagenhändler und in Peter’s Büro.

Im Nakkumat war meine Mission Vorhänge für das ganze Apartement zu kaufen – und das am liebsten in 5 Minuten. Peter wollte mich entscheiden lassen und sie so bald als möglich haben. Stellt euch vor: zwei gelangweilte Männer, die es kaum verstehen können, wie man so lange über Vorhänge diskutieren kann und Peter, der bei jedem Vorhang noch über den Preis verhandeln wollte. Wir waren uns aber bezüglich Muster und Farbe schnell einig. Ich bin ja total der „weiss-Typ“ wenn es um Einrichtung geht. Hier ist aber nun mal alles crèmefarben und da musste ich mich gedanklich darauf einstellen. Ich habe Fotos von der Marketing-Broschüre der Apartements gesehen: da war alles sehr pompös und goldverziert mit Rüschenvorhängen…. total mein Stil!!!! Aber ich glaube, wir haben einen guten Weg gefunden: edel im Wohnzimmer und African Style in den drei Gästezimmern. Genäht werden die Vorhänge kostenlos und der Verkäufer kam sogar noch vorbei um die Masse ganz sicher richtig zu nehmen. Das nenne ich mal Kundenservice und auf das Resultat bin ich extremst gespannt.

Am Abend gab es noch eine freudige Überraschung: ich hatte endlich Kontakt mit Khalid, meinem Swahili-Lehrer aus der Schweiz der auch gerade in Nairobi ist und wir haben uns zum gegenseitigen Update verabredet – eine grosse Freude und bereits ein Gefühl, in Nairobi zuhause zu sein – auch wenn der Abflug bereits sehr nahe ist.

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