Rollen und Vorhänge

Das Büro des Präsidenten hat also bestätigt, dass er in Ganze sein wird am Donnerstag und dass daher die Präsenz von Hon Peter Safari Shehe sehr erwünscht ist. Das bedeutet also definitiv, dass unser Abschied vorgezogen wird und Peter morgen früh hinfliegen muss.

Mir ist ganz klar geworden: wenn Peter arbeitet, dann hat die Arbeit Priorität und die nimmt in vollkommen in Beschlag. Auch wenn ich jetzt Google+ einrichte, auch wenn er seine beiden Telefone bei seinem PA lässt, auch wenn ich sein Telefon auf „versteckte Nummer“ eingerichtet habe und auch wenn ich ihn von frechen und falschen „Facebook-Freunden“ befreit habe: er wird es immer rundum streng haben und die Menschen in Ganze werden immer erwarten, dass er etwas zur Beerdigung beisteuert, ihnen alle möglichen Rechnungen bezahlt und überhaupt einfach für alles verantwortlich ist, das in Ganze passiert. Ja manchmal kommen sogar Leute aus anliegenden Constituencies und betteln, weil sie bei ihrem MP abgeblitzt sind. Ich habe dazu eine hervorragende Beschreibung gefunden, die ich vielleicht auch mal noch auf Deutsch übersetzen werde über die Rolle eines Member of Parliaments. Wer sich dafür interessiert kann sich den Link gerne ansehen:

http://www.infotrackea.co.ke/articles/index.php?option=com_content&view=article&id=77:role-of-members-of-parliament&catid=38:leadership-governance&Itemid=62

Darin steht, dass Parlamentarier 24 Stunden lang auf Abruf sind – das ist die negative Seite. Es steht aber auch, dass sie die einzigen sind, die die Gesellschaft verändern können und das spüre ich auch ganz stark. Ein guter Parlamentarier – und das ist Peter definitiv – kann etwas bewirken und verändern. Die ersten Veränderungen sind für mich bereits deutlich spür- und sichtbar wenn ich nur schon mit meinem Besuch im Juli vergleiche. Die vielen Strassenprojekte, die Verbesserung in den Kliniken, das begonnene Schulbank-Projekt, die begonnene Renovation der Schulen, der Bau von Wasserbrunnen in verschiedenen Orten, die Installation eines Solarpanels in Marere, die Zusammenarbeit mit diversen Investoren – die Aufzählung ist lang und wird immer länger.

Auch für mich persönlich sind die Veränderungen spürbar. Ein Zuhause in Nairobi zu haben, gut funktionierende Autos, die sich auf den Holperstrassen von Ganze bewähren, fest angestellte Mitarbeitende, die eine Loyalität und Intelligenz aufweisen, ein Gemeindezentrum, das schnell vorwärts kommt und ein paar andere Annehmlichkeiten tragen wesentlich zu meinem höheren Wohlbefinden bei. Ich werde meine Nische hier finden und dann kann ich ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen der 150‘000 Menschen in Ganze leisten. Das ist definitiv nicht nur ein gutes Gefühl sondern es gibt viel Freude und Lebenssinn.

A propos Intelligenz… an manchen Dingen merke ich schon, wie sehr die Menschen hier aus einer anderen Welt stammen. Natürlich an den Diskussionen über Mann/Frau Themen aber auch bei den Essensgewohnheiten und –sitten und bei einigen Dingen, die für uns selbstverständlich sind. Wie z.B. eine Kaffeemaschine. Meine Mamush hatte Peter mit diesem tollen Geburtstags/Weihnachtsgeschenk überrascht und die Jura-Maschine funktioniert hervorragend. Weil in der Küche der Stromschalter kaputt war stand diese Maschine jetzt in der Stube auf dem Boden. Der Bodyguard gestand mir gestern Abend ein, dass er dachte, das sei ein Radio und dass er versucht habe, an allen Knöpfen zu drehen und zu drücken – dass es ihm aber nicht gelungen sei Musik zu machen. Er war wirklich ganz beschämt aber auch sehr glücklich, dass er eine feine Tasse Kaffee aus dem Radio erhielt.

Ja und dann gibt es tatsächlich noch eine tolle Überraschung: der Vorhang-Mann rief mich an und meinte, er könne die Vorhänge bereits liefern! Das ist nicht einmal ein 24-Stunden Service, das ist sogar noch drunter. Das sind 6 Vorhänge, 3 davon sogar mit Futter! Er stand also etwa um 17.00 Uhr ganz freudig vor der Türe des Apartments und machte sich daran, alle aufzuhängen. Leider hatte ich nur eine kurze Leiter für ihn und so war es eine echte Turnübung für ihn, alles aufzuhängen. Ich muss sagen: der hat eine super Arbeit geleistet. Für meinen Geschmack sind die Vorhänge etwas kurz und zu „üppig“ d.h. ich hätte nicht 2.5 x das Material gerechnet in der Breite. Die Kürze ist aber sicher nützlich, weil hier doch viel Staub auf dem Boden liegt und Malingi hat mir erklärt, dass diese Üppigkeit für jemand der zur Türe reinkommt bedeutet, dass er hier bei reichen Leuten ist. Mit der entsprechenden Erklärung verstehe ich auch solche Dinge. Ich habe also ebenfalls sehr viel Freude an den Vorhängen und bin überrascht, dass aus dieser Hauruck-Übung ein so gutes Resultat rausgekommen ist.

Peter war nach seinem Bürobesuch noch beim Minister of Energy, da er Besuch aus der Schweiz erhält von einer Firma, die energiesparende Teile anbietet und in Ganze eine Fabrikationsfirma aufbauen möchte. Weil der Verkehr in Nairobi so schlimm ist lohnte es sich auch nicht, zwischendurch nach Hause zu kommen und auch die Rückreise für die 12 km dauerte dann über 2 Stunden. Für 2 Stunden Büroarbeit und ein Meeting hat er also den ganzen Tag gebraucht. Ja liebe Autopendler: beklagt euch nie mehr über ein bisschen Stau im Baregg-Tunnel! Das ist extrem harmlos verglichen mit den prekären Verhältnissen hier.

Als Peter dann mit Bodyguard und Fahrer nach Hause kam waren alle ganz aus dem Häuschen und alle fanden die Vorhänge wirklich absolut perfekt!

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