Polygamie und Erfahrung

Bereite dich auf einen interessanten Einblick in die kenianische und hier ganz besonders auf die Luo Kultur vor!

Obwohl wir uns bereits am Abend vorher verabschiedeten von Joshiah rief er am Morgen an – wir müssen unbedingt nochmals im Center vorbei kommen, denn seine Tante habe jetzt noch die versprochenen Erdnüsse vorbei gebracht. Es gibt immer wieder Kenianerinnen und Kenianer, die an uns Muzungus den Narren gefressen haben. Sie wollen Fotos machen, beschenken dich und wollen, dass du versprichst, dass du im selben Jahr nochmals votbei kommst. Du kramst dann halt eine  Notlüge hervor und bist froh, wenn dich niemand nach deiner Telefonnummer fragt, denn dann wirst du zu jeder Tages- und Nachtzeit angerufen mit herzzerreissenden Geschichten warum sie Geld brauchen…

Joshiah hatte uns schon am Vorabend empfohlen, dass wir eine Kulturstätte ansehen sollen, die wie ein Museum aufgebaut sei und ganz in der Nähe läge. Das interessierte mich, weil ich ja meine Abschlussarbeit für mein CAS in African Affairs and Intercultural Competence an der Uni Basel mit dem Thema „Volontourism“ abschliessen werde und daher gerne weiss, was in anderen Bezirken alles an kulturellem Angebot vorhanden ist.

Wie schon früher erwähnt war unser lieber Monday in dieser Gegend ein bisschen verloren und so hatte er hintenrum Joshiah gebeten, dass er uns begleitet. Er machte das mit Freude und so fuhren wir mal kurz um die Ecke… Wenn ihr diesen Blog regelmässig verfolgt, dann wisst ihr was „um die Ecke“ bedeutet. Etwa 3 Stunden später machten wir uns dann auf den Weg.

Aber zurück zu dieser Kulturstätte… Sie heisst Tumlich Ohinga, was so viel wie gefährlicher Wald mit einer Festung bedeutet. Der Führer war gerade nicht vor Ort und so erhielten wir die Erklärungen vom Wächter, der aber anscheinend gut aufgepasst hatte… Es blühte uns jetzt eine ausführliche Erklärung über die Polygamie der Luos. Das passte ja gerade zum Gesetz, das Uhuru Kenyatta vor ein paar Tagen unterschrieben hatte und das die Polygamie in Kenia (natürlich nur für die Männer – Mist…) weiterhin erlaubt. Zu diesem Thema vielleicht später nochmal was…

Also er erklärte uns, dass die erste Frau die wichtigste sei und daher auch die Aufbewahrungsbehälter für Mais und die Stalltüre in die Richtung ihres (grössten) Hauses zeige. Der Mann hat sein eigenes Haus, damit er sich in Ruhe zurückziehen kann. Die Frau ist quasi der „Vize“ des Mannes, denn wenn er weg ist übernimmt sie das Zepter. Sie kontrolliert auch die Periode (ja tatsächlich DIE Periode) der anderen Frauen, die in kleineren Häusern wohnen und entscheidet, wo es an welchem Abend optimal ist für den Mann um einer der Frauen einen Besuch abzustatten. Der Mann wird informiert und er gibt dann einen dreibeinigen kleinen Stuhl einem Kind, das über diese Regelungen nicht Bescheid weiss. Das Kind stellt den Stuhl dann in das auserwählte Haus und somit weiss die Frau, dass sie Besuch kriegt. Das Essen liefern alle Frauen der ersten Frau, die es dann zuerst ihrem Mann abliefert und dann dem Rest verteilt. Die Ordnung der Häuser der männlichen Kinder ist ebenfalls bestimmt und wenn der Mann heiratet, dann wird das Land erweitert und das Ganze geht von vorne los… Olivia und ich fanden das natürlich alles ziemlich unglaublich und mussten grinsen, d.h. Olivia musste sogar richtig losprusten. Unter der Sonnenbrille liefen ihr die Tränen runter und das verursachte natürlich eine Lachsalve von der wir uns alle fast nicht mehr erholten… Wir besichtigten dann noch den Rest der Anlage, wie eine Art Festung mit grossen Mauern aufgebaut war und es war richtig spannend und sehr toll errichtet mit interessanten Info-Tafeln. Ein paar Ideen hatte ich auf jeden Fall für Ganze im Kopf schon übernommen.

Ich muss glaube ich gleich nochmals auf die Polygamie retour kommen. Ausser dem Fakt, dass es für Frauen nicht ebenfalls gilt bin ich mir manchmal gar nicht so sicher, ob das schlechter ist als bei uns. Mehr als 50% kann dieses System wahrscheinlich auch nicht schief gehen und hier ist dann einfach offen gelegt, was bei uns heimlich hinter dem Rücken der Frauen gemacht wird. Aber in diesem Land ist die Heirat halt auch mehr eine Zweckverbindung und eine Absicherung – ob dies Liebe ist und ob es bei uns so ist… darüber diskutieren wir auf den langen Autofahrten ausführlich und kommen zu keinem Schluss. Ich höre immer wieder: eine Beziehung ist immer ein Tauschgeschäft und das dürfte wohl so stimmen.

Die Rückreise war dann ziemlich schnell, denn der Fahrer hat Er-fahr-ung (vielleicht heisst das drum so) und wir genossen die fantastische Landschaft beim Rift Valley, fühlten uns manchmal fast wie in der Schweiz (dort wo die grossen Tee-Plantagen sind) und kamen sicher in Nairobi an, wo wir uns und Peter mit einem feinen Schweizer Raclette verwöhnten – etwas „weird“ aber nach langer Zeit weg von der Schweiz hatte auch Olivia Freude daran!

Teilen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert