Interesse an Muzungus?

Trotz anfänglich starkem Regen machte ich mich auf den Roadtrip mit Olivia und dem Fahrer Joshua. Ich wollte mal sehen, wie diese Analyse der Primarschulen vor sich geht und ich wollte mal sehen, ob ich auch noch einen schönen Seiteneffekt erledigen könnte: für meine Abschlussarbeit am Zentrum für Afrikastudien habe ich gewählt, dass ich das Thema Volontourism durchleuchten möchte. Ich bin sogar in der Coop Zeitung darauf gestossen, dass es immer mehr Touristen hat, die in ihren Ferien etwas Nützliches machen möchten, die lokale Bevölkerung wirklich kennenlernen möchten und eine ganz andere Erfahrung machen möchten. Ich mache einerseits Abklärungen in der Schweiz, ob die Schweizer sich überhaupt für so etwas interessieren würden. Auf der anderen Seite scheint es mir aber wichtig – und das habe ich in meiner Ausbildung gelernt – vor allem die Bevölkerung mit einzubinden und sie zu fragen, was sie eigentlich möchten und so habe ich für sie den folgenden Fragebogen entworfen, den ich dann persönlich frage (und nach den ersten paar Interviews bereits massiv revidiert hatte…)
Hier auf Deutsch übersetzt:
– kennst du Ausländer / Muzungus / Weisse?
– was machen die hier in Ganze?
– bist du jeweils daran interessiert, sie kennenzulernen?
– was möchtest du von ihnen wissen?
– was denkst du, dass sie von dir lernen können?
– würdest du sie in deinem Haus unterbringen?
Wenn ja: wie viele maximum?
– was würdest du erwarten von ihnen?
– würdest du für die Übernachtung Geld verlangen?
– wenn ja wie viel pro Woche?
– kennst du die Schweiz?
– was für ein Geschenk würdest du dir aus der Schweiz wünschen?
– was sollten sich Ausländer in Ganze ansehen?
– gibt es Produkte aus Ganze, die ganz speziell sind? (z.B. Handwerk, Schmuck, Musik, Tänze etc)
– wärst du bereit, dein Kulturerbe (Rituale, Lebensweise etc.) mit den Ausländern zu teilen und ihnen darüber zu berichten?
– glaubst du, dass die Ausländer in Ganze eine sinnvolle Arbeit machen könnten?
– woran sollten sich die Ausländer erinnern, wenn sie zurück in die Schweiz gehen?
– was findest du generell positiv an Ganze? (An dieser Stelle auch die Probleme anhören)

Olivia hat also den Fragebogen eingebracht, mit dem sie die Situation in allen 140 Primarschulen abfragt. Auch sie hat ein paar Fragen bereits gestrichen, da sie fast ausgelacht wurde… z.B. die Frage nach einem Bustransport für die Schüler. Ich möchte nicht vorgreifen, denn Olivia macht einen detaillierten Rapport aber ein paar Müsterchen: Klassen von 80-100 Schülern sind keine Seltenheit, wenn die Kinder in der Schule schlafen ist es oft, weil sie sonst auf dem bis zu 20km langen Schulweg Schlangen antreffen oder von Männern belästigt wenn nicht sogar missbraucht werden. Ein sogenanntes Dormitory ist dann aber kein luxuriöser Schlafsaal mit Betten, sondern ein Lehmboden mit einer Matratze (wenn überhaupt) an der anderen und kaum genügend zu essen. Die Schülerinnen und Schüler sind aber extrem wissbegierig und sie möchten unbedingt lernen und gut sein damit sie weiterkommen. Nur gibt es teilweise keine Elektrizität und kein Solarsystem und so müssen sie aufhören sobald die Sonne untergeht, was in der Nähe des Äquators so um die 19h ist…

Ein paar der Schulen, die wir an diesem Tag besuchten waren in gutem Zustand, denn sie gehörten vorher zum Malindi District und dort hatten viele Italiener (Malindi wird auch Milano2 genannt) den Bau oder die Renovation von Schulen gesponsert. Am selben Tag sahen wir aber auch eine Schule, die aus 2 grossen Lehmhäusern und einem von Safaricom gesponserten kleinen Gebäude bestand….

Dass dies im 21. Jahrhundert noch möglich ist darf einfach nicht sein. Mein Aufruf geht daher an alle Menschen aus der Schweiz: ein Schulzimmer kostet etwa CHF 5000, ein Pult mit Stuhl knapp 100 Franken – da müsste doch etwas zu erreichen sein! Ich lass nicht locker, hoffe, dass auch Firmen und Schulen mit einsteigen und verweise für den Rest auf www.proganze.com

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