Hüften und Reden schwingen

Die Abfahrt wurde nur um 1 Stunde verzögert weil Peter nochmal das Rad checken liess und herausfand, dass 2 riesenlange Nägel drin steckten und wir darum immer wieder pumpen mussten. Dieser Job gehört meiner Meinung nach zur Verantwortung des Fahrers aber wie überall hat Peter das Gefühl, dass er sich um alles persönlich kümmern müsse! So kam es ihm z.B. gestern Abend um 23h noch in den Sinn, dass er allenfalls noch am nächsten Morgen um halb Sieben in Mombasa sein sollte für ein Interview in einer Radiostation… Also da wurde ich wirklich hässig… Ich rechnete ihm mal vor, dass er mit diesem Affentempo wohl die nächsten 4 Amtsjahre nicht überleben würde und er auch kein Übermensch sei. Seine Antwort nahm mir natürlich den Wind aus den Segeln auch wenn sie meine Meinung nicht ändert: er meinte”kannst du dich erinnern wie mein Leben in der Schweiz war? Ich stand um halb 5 Uhr auf, ich war spätestens um 6 bei der Arbeit, rackerte mich den ganzen Tag physisch ab, kam Abends um 20h nachhause, arbeitete jeden Samstag und musste sogar noch Ferienablösung machen und im Winter Schnee schaufeln!!! Zudem wurde ich nicht einmal richtig Ernst genommen und verdiente sehr wenig… Ist das im Vergleich besser als das was ich jetzt habe?

Auf diese Frage konnte ich keine Antwort mehr finden ausser: du hast recht: du bist deinem Herzen gefolgt und bist am richtigen Ort. Ich werde kaum mehr nachfragen… Höchstens bei mir selber… Das kann ich in der momentanen Situation beruflich auch sagen: stimmt: ich mache das, was mir am besten gefällt! Ich gebe mein Wissen weiter, ich bringe Menschen dazu ihre Top Leistung im Thema Kommunikation zu bringen, ich lebe meine kreative und innovative Art aus und stehe ab und zu im Mittelpunkt wo ich den “Applaus” geniesse!
Somit werde ich wohl auch in den nächsten Jahren so leben: zwischen 2 Welten, die sich gegenseitig bereichern!

Esst ja kein Frühstück, denn es gibt etwas unterwegs war Peter’s Warnung. Dass dies dann eine Ziege mit Chapati sein würde war etwas überraschend nach Schweizer Standards aber wie sie hier sagen: when in Rome do as the Romans do! Und es war dann auch richtig lecker und ein guter Boden dafür, dass es bis spät am Abend nichts mehr zwischen die Zähne geben würde. Da Peter in einer sehr abgelegenen Gegend von Ganze -Palakumi- an der Grenze zur nächsten Constituency die Strasse neu zu bauen beging war der Anlass der Festlichkeiten. Wenn du regelmässig Blog liest dann kannst du dir vorstellen, was jetzt ablief. Ich werde es nie verstehen und mich auch nie daran gewöhnen aber so max. 2x pro Auhenthalt sage ich mit allen Konsequenzen ja dazu:
Vorne sitzen die “wichtigen” Personen, gegenüber die Bevölkerung auf Schulbänken am Boden
Zuerst wir gebetet – je nachdem wenn verschiedene Religionen anwesend sind von einem Priester/Pfarrer/Imam/Ältesten
Dann folgen Begrüssungsreden
Unzählige Gruppen tanzen (mit den Hüften schwingend) die hohen Gäste müssen es ihnen gleich tun und lösen Lachsalven und ririri Geschrei aus
Es gibt Gedichte und eine Art poetry Slam, die den Spender/honorable etc. Loben
Danach folgen Speeches von ALLEN, die vorne im Zelt sitzen. Diese dauern zwischen 3 und 30 Minuten und beinhalten Dinge, die auch gar nichts mit dem eigentlichen Event zu tun haben: politisch, bettelnd, lobend etc.

Wenn dann nach dem Abschlussgebet schon fast die Sonne untergeht ist man gezwungen aufzuhören weil kein Licht vorhanden ist (Gott sei Dank geht die Sonne in Äquatornähe schon früh unter) und kriegt in einem Saal etwas zu essen, meistens Pilaw das sogar erstaunlich gut schmeckt und mit einem warmen Sodap für die wichtigen Gäste begleitet wird. Dann ist man schon fastp versöhnt miz dem stundenlangen hocken und sich langweilen. Dieses Mal hatte ich wenigstens Olivia mit dabei, die schon Freude hatte, dass sie jetzt, wo ich hier bin, diesen Verpflichtungen nicht megr nachkomen muss… Aber ihre Präsenz war vom Honorable Peter auch gewünscht und so vertrieben wir uns die Zeit mit allerlei belangvollen und belanglosen Diskussionen und Beobachtungen und mussten zwischendurch über die schiere Situationskomik grinsen. Wir fragten uns ob der Inhalt der Reden wirklich spannender wäre, wenn wir Kisuaheli verstehen würden…

Auch wir waren aufgefordert zu sprechen. Für mich ist das immer ein Anlass alles was ich über Rhetorik und Spontanreden weiss auszuprobieren. Dabei kann ich ausprobieren, was ich an Seminaren von Mathias Pöhm oder Tatjana Stobel gelernt habe und in meinen Seminaren “predige” so nahm ich dieses Mal den Vergleich von meinem Namen “Barbara” zum Kisuaheli Wort Barabara zum Anlass einen Vergleich anzustellen und auf die Wichtigkeit hinzuweisen, was mit einer Strasse gemacht werden kann: es reicht nicht allein, eine Strasse zu haben. Zu wissen wie ich mich auf der Strasse bewege, was für Regeln gelten und wohin sie mich führen soll ist ebenfalls wichtig…

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