Shopping Paradies?

In den letzten Tagen wechselten sich Business Meetings mit Shopping Stops ab. Falls jemand gedacht hat, dass Männer nicht so gerne shoppen, der hat sich getäuscht: sie sind crazy in diesen Malls! Stundenlanges Warten bis sie gefunden haben, was sie suchen… Was für mich nach wildem Zusammenkaufen von hässlichen Dingen aussieht hat vielleicht System, ich kenne einfach das System nicht… Aber sie werden zu kleinen Jungen, genau wie wenn ich beobachte, wer um welche Zeit auftaucht beim Losfahren… Peter und ich behalten unsere Schweizer Zeitregeln bei und sind uns bewusst, dass es sein kann, dass wir bis zu 2 Stunden warten müssen was mich nur noch am Morgen früh mit zu wenig Schlaf habe hässig macht…. Allerdings wird Peter von seinen Kollegen darum beneidet, dass seine Frau seine Kleiderwahl trifft… Bei mir ist es beim Einkauf so, dass ich am allerliebsten alleine shoppe, wenn ich etwas suche oder entdecken möchte – oder ich begleite jemanden und helfe, das zu finden, was er oder sie sucht. Aber ich bin auf jeden Fall sehr effizient, schnell und habe einen Scannerblick ob es etwas Interessantes gibt oder nicht… Hey, they don’t call me Shopping Queen for nothing! Warum Jakarta ein Shopping Center am anderen hat weiss ich auch nicht, aber es ist wirklich des Guten zu viel, zumal die Preise gleich sind wie in allen westlichen Ländern… Wer sich die Preise hier bei einem Basiseinkommen von USD 260 im Monat leisten kann bleibt mir vollkommen rätselhaft.

Was bei mir hier aber zuoberst au der Hitliste ist sind die vielen tropischen Früchte, das abwechslungsreiche Essen, die exotischen und betörenden Düfte (kann auch mal das Gegenteil sein..) und die Freundlichkeit der Menschen.

Auf einem Ausflug nach Bundang hatten wir dann auch die Möglichkeit, die Countryside zu sehen. Wir wollten den Vulkan Tankuban Peruhan besichtigen aber das Wetter war nicht für uns – heute leider keine Aussicht wegen Nebel und Regen. So muss sich wohl jemand fühlen, wenn er auf die Rigi oder aufs Matterhorn geht. Nur würde man ihm nicht auch noch den vollen Eintrittspreis abknüpfen wenn schon klar ist, dass es nichts zu sehen gibt eondern mal zuerst einen Blick auf die Webcam erlauben.

Unsere Higlights des Tages waren somit wieder mehr kulinarischer Art: frische Kokosnuss, frische Ananas und ein Nachtessen im Kulturcenter Kampung Daun, where Culture meets Taste. Verschiedene Open-Air Häuschen mit 1-2 Tischen waren inmitten von tropischer Landschaft und boten hervorragendes Essen an.

Auf der Reise sahen wir eine Menge stattlicher Häuser, die meisten im Kolonialstil und auch ultramoderne. Die kleinen Häuschen sahen auf dem Land fast alle ähnlich aus mit 2-3 Dächern hintereinander, mit Ziegeln gedeckt und aus Backstein mit hübschen Kacheln, Verzierungen und bunten Farben. Überall gab es viel Wasser und grüne Vegetation und wir hatten das Gefühl, dass es zwar auch eine arme Bevölkerung gibt aber sie scheint keinen Hunger und Durst leiden zu müssen und sich auch Mühe zu geben, das Haus sauber und hübsch zu gestalten. Das muss wohl wirklich einen Zusammenhang mit der Maslowschen Pyramide haben. Wenn das Grundbedürfnis Essen und Trinken gedeckt ist, dann gibt es die Freiheit, sich um andere Dinge zu kümmern. Auffallend war auch, dass nicht jedes Haus mit Gittern verbarrikadiert ist – wohlgemerkt, ich vergleiche auf dieser Reise immer wieder mit Kenia, denn die Gespräche mit den Parlamentariern gingen immer in diese Richtung.

Wenn in der Art zu denken und sich zu benehmen nicht etwas Radikales passiert in Kenia, dann sehe ich auch nicht, wie sich die Strukturen verändern sollen. Dieses hierarchische Denken ist so eingeprägt. Kommt es aus der Kolonialiserung, aus dem Kampf der Ethnien und dem “Tribalism”?

Ich denke, dass mir das besonders auf einer Reise wie dieser bewusst wird. Wer kriegt das bessere Zimmer? Wer darf im Auto wo sitzen, wer sitzt an welcher Stelle beim Nachtessen und wer darf sich wann wie äussern? Wenn ich erzähle, dass bei uns ein Parlamentarier mit dem Fahrrad zur Arbeit geht, keinen Bodyguard hat und zuhause im Haushalt hilft dann können sie das hier gar nicht fassen. Hier hat jeder bis runter zum Hausangestellten noch jemanden, dem er das Gefühl geben kann,dass er noch etwas weiter unten ist wie z.B dem Autowascher oder dem Cashew-Nut Verkäufer. Da schwebt Peter und mir schon noch vor, dass wir in Ganze etwas anders machen können und aufzeigen können, dass es auch auf eine andere Art und Weise geht. Dies gilt auch für die Korruption, die das ganze System durchdringt… Gott sei Dank hat Peter so lange in der Schweiz gelebt – ansonsten würde es nicht funktionieren, zumal er sich teilweise ja auch nach dem System richten muss, da er sonst keine Chance hat. So hat er zum Beispiel keine Möglichkeit, eine Auslandreise abzulehnen, auch wenn er andere wichtige Verpflichtungen hat oder den Sinn der Reise nicht ganz einsieht.

Ich nehme mir die positiven Seiten raus und finde die Diskussionen mit diesen Leadern extrem spannend und aufschlussreich. Am heutigen Tag habe ich mir dann auch einen freien Tag gegönnt mit Balinesischer Ayurveda Massage (määm – you sooo pretty, really…), recherchieren, schreiben und HBO schauen. Es ist ja auch spannend darüber zu reflektieren, wie eine Beziehung wie wir sie führen optimal gestaltet werden kann: mehr und mehr merke ich, dass der Ort an dem ich lebe nicht so wichtig ist wie die Aufgabe, die mich erfüllt und die Menschen, die mir liebevoll begegnen – und das muss einmal immer in Person sein… Ich brauche Nähe, aber nicht dauernd und vor allem nicht besitzergreifend. Ich muss meine Meinung frei äussern können und fühlen, dass meine Fähigkeiten geschätzt werden. Insofern passt das Leben momentan prima und die Zukunft wird zeigen, wo ich den grössten Teil meines Lebens führen werde. Ich bin selber gespannt darauf.

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