City life

Eins ist klar: das Nairobi Klima vertrage ich besser als die Küstenhitze. Ich muss sogar das nächste Mal noch ein Pullöverli mitnehmen für die kühlen Zwischenzeiten. Wäre der grauenhafte Verkehr nicht, ich würde die Stadt sogar lieben!

Wir hatten einen intensiven City life day… Um 10h waren wir bei der Schweizer Botschaft eingeladen zu einem 2-stündigen Brainstorming mit dem Botschafter und einem Mitarbeitenden. Sie waren gespannt zu hören, wie Peter sein erstes Jahr erlebt hat und sie waren echt beeindruckt, dass er die Dinge so anders als andere MPs anpackt. Er hat ein Speed drauf, das unglaublich ist. Er verblüfft auch seine ärgsten Gegner immer wieder, in dem er genau in dem Gebiet von ihnen etwas repariert oder baut und die Frau seines schlimmsten Gegners, der sogar noch mit ihm vor Gericht ging, kommt jetzt auf den Knien und bittet um Hilfe. Und er hört sie an und er unterstützt ihre Anliegen. Der Botschafter fand, dass Peter auch ein Walliser sein könnte, so wie er reagiert und hat ein paar Müsterli aus seiner Heimat erzählt. Es war ein geniales Gespräch: ernsthaft mit vielen Tipps und Ideen aber doch auch locker mit ganz vielen Infos “off the record”. Peter hat sich auch für die grosszügige Food Spende via Rotes Kreuz bedankt. Das Verteilen der Güter geht am Freitag über die Bühne. Da wäre ich auch sehr gerne dabei gewesen aber ich bin sicher, Olivia wird an einem der Verteilorte die Schweiz würdevoll vertreten. Was der Botschafter auch eindrücklich geschildert hat ist die Verbreitung und Verdrehung von News. Kaum schreibt jemand nach einem Anschlag, dass man jetzt auch generell vorsichtig sein sollte in den anderen Shopping Centers schreiben und twittern und Facebooken die Leute schon, dass weitere Anschläge geplant sind und dass die UN Security das auch bestätigt habe… Ich habe auch aus der Schweiz eine solche Mail erhalten ohne Angabe der Quelle – das könnte einen wirklich stiegelisinnig machen (dieses Wort haben Olivia und ich übrigens mal gegoogelt – interessant was es bedeutet…)

So sehr ich all diese Medien liebe und sie auch einsetze, so sehr sehe ich auch die. Gefahren dahinter. Allein, was die Dauermotzer bei Peter schreiben geht auf keine Kuh-Haut: da schreibt er z.b. was er gerade gebaut hat und schon schreiben die einen aus einer anderen Gegend: und was ist mit uns, hast du an uns auch gedacht… Da heisst es einfach: tief durchatmen und politisch korrekt antworten. Oder die ganz Extremen einfach blockieren, denn sie sind sonst nicht still zu kriegen…

In der Botschaft traf ich am Kopierer noch den Botschafter für Somalia, Dominik Langenbacher, der während meiner Ausbildung am Zentrum für Afrikastudien einen Einsatz hatte. Das nächste Mal werde ich im Vorfeld schon mal mit ihm abmachen, denn er hat ebenfalls viel Nairobi-Erfahrung.

Zum Mittagessen traf ich Ursula Suter, die ich via Erika Böni von der Arabischen Tanzschule kennengelernt habe und die auch die Frau des Kinderarztes in Trogen ist bei dem die Kinder von Dr. Daniel Meyer behandelt werden, der einen Freiwilligeneinsatz in Ganze geleistet hat!!! Ich hatte sie bisher erst in der Schweiz kurz getroffen und jetzt das erste Mal in Nairobi. Sie liebt die Stadt ebenfalls aber sie flucht auch über die jetzige Regierung und sagt, dass es für ein KMU schwierig ist Geld zu machen. Alle grossen Firmen und auch die NGOs (Non Government Organizations) treiben die Löhne in die Höhe, vergleichbar mit Europa und dem Rest der Welt. So kosteten meine extrem feinen Spaghetti in diesem coolen und modernen Restaurant auch CHF 16! Aber Hauptsache, wir konnte. Uns austauschen und Pläne schmieden. Sie hat eine Firma, die sich mit E-Learning auseinandersetzt, was für mich ja auch kein Fremdwort ist.

Sie schaffte dann die Überleitung zu Peter Baumgartner, den ich vergeblich zu kontaktieren versucht hatte. Bereits via Ruedi Küng hatte ich versucht, ihn in der Schweiz zu treffen, aber es liegt vielleicht am Vornamen, denn die beide Peter sind dauernd auf Achse… Er hat sein Büro gleich vis-a-vis von Ursula’s und so hatten wir noch Gelegenheit, uns mit ihm auszutauschen. Peter war früher Afrika Korrespondent für den Tages Anzeiger. Heute hat er eine Schule, in der er auch Lernende ausbildet und die für mich auch ein Vorbild für die Musterschule in Ganze ist. Er gab uns eine Tonne an guten Tipps und weil er auch noch Scripts für Filme schreibt hatte er sogar die Idee, über Peter’s Errungenschaften einen Dokumentarfilm zu machen… Es war einfach pures Vergnügen von seiner Erfahrung und seinen Geschichten zu hören. Solche Momente machen mein Leben zwischen zwei Welten einfach superspannend.
http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/ostschweiz/tb-os/Peter-Baumgartner-umtriebiger-weisser-Mann;art120094,3332776

Der vorletzte Akt des Tages ging dann noch im Garten des Hotels Intercontinental bei einem feinen Capuccino über die Bühne: Peter traf sich mit einem Contactor für die Strassen in Ganze und es wurden einige Cheques geschrieben (ja, das gibt es hier noch!) danach kriegten wir den grässlichen Feierabendverkehr zu spüren. Ich nehme es gelassen: klappe meinen iPad auf und lese meine Bücher. So viel Zeit zum Lesen hatte ich schon lange nicht mehr. Bei Peter’s Schwester Mary machten wir noch einen Stopp und versorgten sie mit Wundermedizin und Schokolade. Sie hat das Leben gut im Griff, ihre Kinder gehen an gute Schulen und sie hat einen guten Job im Spital und fährt im Nairobi Verkehr selber Auto. Auch diese Erfolgsgeschichten gibt es! Zwei von Peter’s Schwestern schlagen sich prima durch. Die eine ist eine Dramaqueen und Jammertante und die beiden Brüder haben auch so ihre Geschichten…

Zuhause wartete eine weitere Überraschung: das Gästebett wurde schon geliefert und sieht super aus! Bald kann ich mich hier wirklich zuhause fühlen! Nur schade, dass ich am Freitag schon fliege, jetzt wäre ich grad so schön in Schwung gekommen!

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