Immer wieder neu auf die Welt kommen

Ob Peter am Morgen noch daran gedacht hat, dass ich Geburtstag habe ist fraglich aber er stimmt auf jeden Fall auch lautstark ins Happy Birthday Singen ein, als Eva damit beginnt.  Ich erhalte das aufstellendste SMS und das coolste Frühstücksbrettchen, das ich mir vorstellen kann. Eva erfasst echt, was Peter und ich hier leisten und entsprechend gefällt mir der Spruch auf dem Brettchen: kann mir mal bitte jemand das Wass reichen? Das ist mehrfachdeutig witzig und stellt mich total auf. Nach einigen Zusatzerledigungen fahren wir endlich ab Richtung Mombasa Flughafen. Es ist wieder ein Nervenkitzel ob wir es trotz Verkehr rechtzeitig schaffen aber Peter hat Glück und erwischt seinen Flieger nach Nairobi grad so knapp. Wir führen den Auftrag aus, die Versicherung bei Ali fürs Auto abzuholen. Das gibt mir grad die Gelegenheit, mit ihm ber die Möglichkeit vom Import von Schulbussen zu diskutieren. Er meint auch, dass busse aus Indien von der Tata Group von schlechter Qualitt seien. Insbesondere in Ganze müssen es sehr robuste und verlässliche Maschinen sein! Er stellt auch fest, dass Peter in einem Jahr bereits 60‘000 Kilometer gefahren ist…

Da die Versicherung noch nicht bereit ist, lädt er uns zu Samosas, einem anderen Finger aus Hackfleisch und feinem Chai ein. Ich muss noch einen Drucker haben – das Papier kriegen wir an einem anderen Ort bei einem Cousin des Druckerverkäufers. So langsam wird die Zeit knapp und Eva wiederholt mehrfach „Jetzt müssen wir dann aber wirklich los“…Wir möchten natürlich gerne dort stehen, wenn Monika und Tanja ankommen. Sie sind mit der Ethopian Air über Addis Abeba geflogen und lassen sich denn auch noch Zeit durch den Zoll zu kommen. Sie werden nämlich akribisch geprüft. Schon klar: zwei so hübsche Frauen müssen etwas näher analysiert werden! Aber dann kommen sie müde und zufrieden durch die Türe.Auf der Rückreise organsiere ich mit dem Versuch, den Personal Assitant von Peter einzubinden, meine Geburtstagsparty vom Abend und die Unterkunft der beiden Frauen. Betonung auf Versuch, weil das selbstständige Denken den Leuten hier einfach abgeht und ich dann doch Vieles selber machen muss. Aber was beklage ich mich – ich kann mir einfach durch solche Situationen immer besser vorstellen, wie es Peter hier geht…

 Ein Zwischenstopp im Shoppingcenter versorgt die beiden Frauen mit dem Wichtigsten: Bargeld vom ATM, eine kenianische Telefonnummer von Safaricom und einem M-PESA Konto. Wenn ihr das noch nicht kennt, dann müsst ihr unbedingt mal die nachfolgenden Links anklicken: wirklich genial und anscheinend gibt es laut Spiegel auch Pläne, das System in Deutschland einzuführen. Es ist das kenianische Zahlsystem fürs Handy und ist genial auch für Kleinstbeträge.

Am Abend feiern wir im Hotel Titanic (wie kommt man auf die Idee, ein Hotel so zu nennen??!!!??? Ich hoffe, es hat keinen Bezug zu meinem Alter… Aber so lange mir 25-jährige (ehrliche) Männer via FB noch Komplimente zu meinem Alter machen muss ich mir noch keine Sorgen machen. Vielleicht halt doch einfach eine innere Haltung, die sich im Aussen zeigt!)

Ich rege mich dann noch kurz auf, weil der eine von mir verlangt, dass ich das Auto auftanke, das zwar Peter gehört, aber keinen Tropfen Benzin mehr drin hat und weil er einfach noch seinen Cousin-Bruder mitschleppt und ohne zu fragen an unseren Tisch setzt! Als ich grad mit Peter telefoniere kommen noch zwei dazu, die ich im Leben noch nie gesehen habe. Der eine hat sogar schon eine kleine Flasche Whiskey bestellt. Das macht mich so sauer, dass ich alle drei wegschicke und sage, dass ich zwar ihr Soda bezahle aber den Whiskey bestimmt nicht und dass ich nicht mit Menschen feiere, dich ich nicht einmal kenne… Ich muss eine mir widerstrebende toughe Handlung so demonstrativ ausüben, damit sie wissen, dass sie mit mir nicht so umgehen können. Es gibt einen kurzen Moment der betretenen Stille und danach geht das Gelächter und das Essen nahtlos weiter. Von Tanja und Monika erhalte ich Feines aus dem Läckerlihuus und weil sie den Blog so aufmerksam gelesen haen ein Stück Schweizer Käse für Peter und mich…

Der Geburtstagskuchen (staubtrocken und ein Zuckerschub) hat noch eine singende Kerze drauf und somit ist mein Tag gebührend abgeschlossen.

Meinen Mann schaue ich am TV an mit der Berichterstattung über die bevorstehenden Verhandlungen des Präsidenten am Tribunal in Den Haag und die Information der MPs im Parlament. Anscheinend will eine Delegation von 100 MPs den Präsidenten begleiten. Nach ihrer Tradition eine Ehrerbietung, nach unserer Tradition ein Kindergarten und eine lächerliche Geste. So kann ich nur sagen: mein Geburts-Tag führt mir wieder einmal mehr vor Augen, dass ich hier dauernd neu auf die Welt komme!

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