Von der Bucketlist: Menschenleben verändern

„Punkt 8 müsst ihr alle im Kilifi Hospital sein“ hat der grosse Muheshimiwa (Swahili Wort für Honorable) Peter Shehe angekündigt. Tatsächlich: wir sind alle „bei Fuss“ aber Dr. Anisa hat sich ausnahmsweise mal 15 Minuten verspätet. Wir spielen „Entsetzen“ und Monika und Tanja erkunden bis dann das Gelände und lachen sich schief über die Ordnung. Ansonsten macht das Spital einen ganz sauberern Eindruck. Die Frau Dr. ist ebenfalls vollkommen beeindruckt von der Arbeit, die Olivia gemacht und als wir ihr eröffnen, dass Tanja und Monika etwas Ähnliches für die Dispensaries und Health Centres in Ganze machen möchten strahlen ihre Augen. Sie wird ihnen auch ermöglichen, einen Einblick in das Spital zu erhalten und ihnen ein Auto und eine Person zur Seite stellen, die mit ihnen alle diese Einrichtungen abklappert. Sie ist natürlich auch erfreut, als Peter ihr erklärt, dass er im Sinn hat in Ganze ein eigenes Spital einzurichten. Sie verspricht uns, dass sie uns eine Liste aller Einrichtungen schicken wird. Wer’s glaubt wird selig aber es kan ja sein, dass diese toughe Frau wirklich Wort hält.

Nach dem Spitalabenteuer gehen wir Frauen ins Haus von Peter, das schon sehr lange leer steht. Die Bausubstanz ist nicht schlecht und es ist auch ein schöner Ort aber wir kommen alle zum Schluss, dass das Haus momentan in einem allzu schlechten Zustand ist um es zu bewohnen. Es muss einfach viel zu viel reingesteckt werden. Wir planen noch den Ablauf für die Veranstaltung am Freitag, wo wir alle vorstellen möchten und auch das Solarprojekt erklären werden. Aber ansonsten entscheiden wir, dass unter der Woche Marere und am Weekend Kilifi wohl die beste Lösung sein wird.

Ich lade alle zum Tee zu meinem Freund Kazungu in den Tea-Room vis-a-vis der Pwani University ein und er hat eine überschäumende Freude, dass ich zu Besuch komme. Wir werden gleich in den VIP Teil gebracht, d.h. in sein eigenes Esszimmer und mit feinem Tee und Mahambris verwöhnt.

Ich erhalte einen Anruf von Emmanuel Riziki, der Filme macht und fotografiert und mir mal von seiner Lady erzählt hat, die auch in diversen Hilfsprojekten involviert ist. Sie kommt ebenfalls in die VIP Lounge und sie hat so viel Spannendes zu erzählen. Sie ist Amerikanerin, ihr Alter kann ich nicht gut schätzen aber sie könnte bereits im Unruhestandsalter sein… Sie drückt es so gut aus: was ist in Amerika eine Frau in ihrem Alter noch wert? Wie verbringt sie den Lebensabend in den USA? Sie hat – genau so wie ich (bei mir allerdings eine positive) bereits eine Liste darüber gemacht, was sie alles hasst an Kenia, darunter auch die Korruption, die sie fast eine Menge Geld gekostet hätte für ihre Aufenthaltsbewilligung… Aber sie sagt dann auch, dass auf der Gegenseite etwas ganz Wichtiges für sie steht: hier kann sie im Leben von so vielen Menschen einen Unterschied machen und das ist für sie Genugtuung genug. Zudem hat sie viele gute Freunde, einen tollen jungen Freund und kann das Leben geniessen. Sie war lange für das amerikanische Peace Corps in Kenia und hat auch für verschiedene NGOs gearbeitet. Ganz spontan wie die Amerikaner halt sind lädt sie Andrea ein an ein Rotary Meeting am selben Abend und ich bin sicher, aus dieser Begegnung wird noch einiges entstehen.

Eva ist heute auch wieder mit von der Partie und ebenso wie ich beeindruckt von der Lebensfreude dieser Jennifer – solche Weiber mögen wir gerne und sie sind uns ein Vorbild.

Für Peter steht gleichzeitig zu unseren Gesprächen ein schwierige Meeting an. Im CDF (Community Development Fund – Geld, das von der Regierung verteilt wird) wurden ganz krumme Dinge gedreht. Es wurden Protokolle geschrieben und Geld für Dinge bewilligt, von denen Peter gar nichts wusste. Es geht da um riesige Beträge, die der Manager vom CDF zusammen mit den 2 Unterschriftsberechtigten auf die Seite geschaufelt haben, weil sie alle unter einer Decke steckten. Die zwei Unterschriftsberechtigten sagen zwar, dass sie vom Vorsitzenden unter Druck gesetzt wurden und fast gezwungen wurden zu unterschreiben. Es sieht aber eher danach aus, dass sie quasi ein Schweigegeld erhalten haben, damit sie ihn nicht verraten haben. Es gibt also harte Worte und Peter sagt klipp und klar: ich (bzw. ein Mitarbeiter) habe alles kopiert, was geschrieben wurde, die Cheques wurden ausgestellt und das ist jetzt alles beim CID in Nairobi deponiert (Central Intelligence Department oder ähnlich) und die Polizei wird der Sache nachgehen. Die beiden Unterschriftsberechtigten können zwar nicht abgesetzt werden bis die Polizei Beweise bestätigt hat, aber sie werden nicht mehr unterschreiben können. Dies geht an zwei andere Mitglieder, die es hoffentlich verstehen werden, sorgsam mit den Geldern umzugehen. Eine bitterböse Lehre für Peter aber so ist es hier: Ganz verstehen Olivia und ich zwar nicht, warum wir jetzt noch  nach Mombasa fahren, aber da Peter sagt, es sei sehr sehr wichtig glauben wir ihm das und machen uns auf den Weg nach Mombasa. Er hat dort einen Termin mit dem Chef der Ports Authority und wir zeigen auch ihm die Dokumentation von Olivia. Er ist tief beeindruckt und verspricht Hilfe auf verschiedenen Ebenen: Jobs für Leute aus Ganze, Unterstützung mit dem geplanten Spital und überhaupt scheint er total Fan von Peter zu sein und erwähnt mehrfach, dass er noch nie einen MP gesehen hat, der so viel Zeit vor Ort verbringt. Nicht so wie viele, die sich mehrheitlich in Nairobi oder abends in Bars aufhalten.

Peter ist so begeistert, dass wir ihn auf dieser Mission begleitet haben, dass er uns spontan in ein typisches Swahili Restaurant einlädt und uns Köstlichkeiten vorsetzt inkl. frischen Fruchsäften und allerlei verschiedenen Häppchen. So überwinden wir dann sogar den verrückten Mombasa Verkehr und weil es Eva zusehends besser geht nehmen wir sie mit zu Peter’s Schwester Nelly nach Hause, die wie immer ein fantastisches Essen auftischt und ihre Gastfreundschaft demonstriert.Sie wohnt zwar total bescheiden und doch ist ihr kleines Haus immer wieder ein wunderbarer Familientreffpunkt. Sie päppelt Eva noch mit heissem Wasser und Zitrone auf und wir können alle sehr gut schlafen.

Teilen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert