Verblasste Zeiten…

Heute wird gepackt und alles vorbereitet, ich kaufe noch kleine Souvenirs im Hotelshop und wir sind ganz fasziniert, dass es am Frühstücksbuffet plötzlich Käse und Honig gibt. Sie haben aufgerüstet und wenn der Manager recht hat, dann sind sie in den nächsten Monaten richtig gut gebucht. Unseren Spottpreis bezahlen wir ½ / ½ und lassen noch ein schönes Trinkgeld zurück. Wir haben es supermässig genossen in diesem für uns luxuriösen Hotel, das aber auch richtig heimelig wurde nach 11 Nächten. Jetzt müssen noch einige Dinge erledigt werden, ich komme mir schon fast vor wie Peter: hier noch ein Halt, dort noch was erledigen..

Wir besichtigen das Maison Müge www.Kenyaferien.com, das von zwei Schweizern betriebene Mini-Hotel. Es ist wirklich superhübsch eingerichtet und eine richtig Oase in diesem Kilifi. Die Häuser Elefant, Zebra und Leopard sind zur Auswahl und momentan wird gerade ein grosses Makuti Dach gebaut für die Gäste, damit sie schön im Schatten essen können. Wir sind begeistert und versprechen, das Guest House weiterzuempfehlen, was ich hiermit gerne mache.

Für uns gibt es dann noch einen Abstecher nach Marere, wo wir den Stand der Dinge mit der Konstruktion des Dachs begutachten müssen – so quasi eine Inspektion im Auftrag von Honorable Peter Shehe… Dann fahren wir schon Richtung Mombasa weiter, denn wir sind sehr gespannt, ob das mit der telefonischen Reservation der Zugsreise auch geklappt hat. Wir sind schnell beim Zugsbahnhof, der eigentlich gar kein richtiger Bahnhof ist, sondern nur ein kleines Hüttchen für die Reservierungen. Tatsächlich sind wir schon angemeldet Fuhrer Barbara und Maroneva… Wir bezahlen den Betrag von ca. CHF 50 (inkl. Nachtessen und Frühstück) und werden gebeten um 18.00 Uhr wieder dort zu sein. Wir gehen nochmals ins feine Swahili-Restaurant retour und schlagen uns die Bäuche mit frischen Säften und einem Riesenteller mit Tunafisch in Curry und vielen verschiedenen Gemüsen voll. Dann macht Salim mit uns noch eine Sightseeing Tour dem Hafen entlang. Die Hunderten von Menschen, die sich auf die Busse und auf die Fähre drängen sind wie eine Viehherde.

Der Golfplatz mutet irgendwie ausserirdisch an in diesem Umfeld und die Bewachung des State House des Präsidenten ist extrem. Malingi zeigt uns noch seine ehemalige Unterkunft: kein Wunder, dass er findet, er hätte es jetzt bei Peter viel besser. Teilweise werden die Menschen hier unter jeder Würde behandelt. Wir kurven noch zum Fort Jesus runter aber wir haben immer noch keine Lust auf Historie und so sind wir dann ziemlich früh wieder am „Bahnhof“. Wir lesen ein paar Seiten und plötzlich ist der Zug dort.

Wir finden sogar unser Abteil und kriegen einen Lachkrampf am anderen: Mit meinen Hüften muss ich quer im Gang gehen, so schmal ist er. Das Abteil macht noch einen ganz guten Eindruck und so stellen wir schon mal das Gepäck ein. Draussen treffen wir einen trinkfesten Iren und es sitzt noch ein Pärchen auf der Bank – eine Schweizerin mit einem Argentinier, die hier an der Hochzeit einer Schweizerin mit einem Kenianer war… Love makes the world go round.

Der Ire erkundet alles für uns: es sind anscheinend nur 10 Touristen auf dem ganzen Zug mit 18 Wagen. Sie haben alle in denselben Wagen gesetzt aber wir müssen wieder zügeln weil es kein Wasser hat. Im anderen Wagen sind die Sitzbänke zerrissen aber wenigstens fliesst Wasser, um die Hände zu waschen.

Weil der Zug so spät dran war von Nairobi müssen jetzt in Mombasa zuerst einmal Wagen rangiert werden. Eva will uns noch ein Bier kaufen aber das ist verboten auf der Station. Der Ire hilft uns aber aus und er wird im Laufe des Abends mindestens noch 7 davon intus haben.

Das Nachtessen beginnt während der Zug noch in Mombasa am Bahnhof ist. Wir fächern uns mit den Plastiktellern Luft zu, denn es ist erstickend heiss. Zweit ungetoastete Toastbrote mit einer Minestrone Suppe werden serviert. Ich glaube es ist eine Minestr-ohne… denn es ist ein rosarotes Irgendetwas, fad und undefinierbar. Danach gibt es steinharte Beefwürfel mit frischem Koriander und Zwiebel und Tomaten ODER Chicken in Sauce. Betonung auf ODER, weil ich gerne ein bisschen von beidem hätte und mir der Wunsch versagt bleibt. Das ganze Abteil ist am shaken und versucht aus den Salzstreuern etwas herauszukriegen, denn alles ist recht fad. Dazu Reis und akzeptable Kartoffeln. Zuletzt noch einen frischen Fruchtsalat und Kaffee und Tee. Na ja, von den alten Zeiten mit den weissen Handschuhen ist nichts übrig geblieben.

Die gute Patricia klatscht uns die Speisen in den Teller wie in einer Gefangenenkantine… Ein kühles Bier hilft da weiter, wie es mir auch via FB von bereisten Freunden vorgeschlagen wird. Immerhin habe ich Empfang aber ich muss mit dem Strom gut haushalten. An der Decke hat es zwar massenweise Ventilatoren aber die funktionieren nicht. Aber ich entdecke dort eine Steckdose und der grosse Ire steckt meine Steckleiste dort ein. Das Kabel ist so lang, dass es bis zum Tisch reicht und so kann mein ganzes Umfeld Kameras, Handys, iPads und alles weitere aufladen. Ja ja ich weiss – ich habe mich mehrfach schuldig bekannt: ich bin ein Gadget-Junkie… Tom der Ire lacht sich kaputt und meint, er wisse ja schon, dass Frauen viel in ihren Taschen hätten, aber eine Steckleiste, ein Modem und diverse Ladegeräte, das habe er jetzt doch noch nie gesehen..Ach ja und so kurz nach 21.00 Uhr kommt der Zug sogar in Fahrt.

Wir fangen an unsere iPad und Handys zu durchstöbern nach Spielchen und werden fündig. Beim Talerschwingen verleidet es Eva aber, denn der Zug schaukelt schon genug und da fallen halt die Fünfliber immer wieder raus, worauf sie sich eine Schimpftirade auf appenzellerisch anhören muss. Wir haben einen Lachkrampf am anderen und renken uns fast nicht mehr ein, die Situation ist einfach zu absurd. Ich denke, dass wir die Mitfahrer nerven aber das kratzt uns momentan reichlich wenig.

So gegen Mitternacht begeben wir uns in unsere Kojen. Sie haben alle Muzungus in denselben Wagen gepfercht, ob aus Sicherheit oder aus Bequemlichkeit, wer weiss. Auf jeden Fall müssen wir nochmals umziehen, denn im ersten Wagen waren zwar die Abteil schön, aber es hatte kein Wasser. Wir ziehen dann auch das Stehklo dem versieften WC vor und das geht noch ganz gut und ist wenigstens hygienischer. Wir können die Zähne putzen und legen uns dann rüttelnd und schüttelnd hin. Zwischendurch hält der Zug über gefühlte Stunden an aber meistens ist es einfach, weil einer entgegen kommt.

Als uns dann die Sonne am Morgen weckt (bzw. mein Handy, das ich nicht auf lautlos gestellt hatte) hält der Zug an einem Ort. Es ist der 5. von 20 Halten auf der Karte!!!! Wir erhalten immer wieder „estimated time of arrival“ und er zieht sich bis sage und schreibe 17.00 hin… Eva und ich hatten ähnliche Alpträume: von umgekippten Zügen, von Schlangen, die beim WC reinkommen und von Überfällen. Ich habe aber trotzdem das Gefühl noch ziemlich viel geschlafen zu haben. Peter erkundigt sich zwischendurch immer wieder mal nach unserem Aufenthaltsort und „google maps sei Dank“ weiss ich auch wo wir sind und dass wir mit einem normalen Auto noch 3 Stunden hätten. Das bedeutet, dass es mit diesem Zug etwa 2 – 3 Mal so lange dauern wird…

Das Frühstück ist ganz akzeptabel mit Eiern, getoastetem Toastbrot, frischen Früchten und frischem Fruchtsaft (echt!) und das vertreibt die Zeit wieder. Ein Paar aus Australien wird langsam aber sicher nervös, da sie am Nachmittag noch einen Flug haben. Sie steigen dann auch irgendwann auf der Strecke aus und nehmen ein anderes Gefährt. Der Zug ist so langsam, wir können problemlos Fotos aus dem fahrenden Zug machen. Irgendwie noch spannend, was eine so langweilige Fahrt mit einem macht. Wir schlafen, wir lesen, wir trinken, wir gehen widerwillig aufs Klo und dann das Ganze nochmals von vorne.. Dazwischen wieder Girlstalk und Pommes Chips und Bier – irgendwie wie auf einer Klassenfahrt.

Nach 22 Stunden kommen wir in Nairobi an und es giesst wie aus Kübeln. Wir warten auf ein Taxi und beobachten, was da alles ausgeladen wird an diesem Bahnhof. Peter hat wieder wunderschöne Blumen für uns parat. Ich soll nur schreiben, dass er jetzt begriffen hat, was seine Frau gerne hat… Er ist zwar froh, dass er mich wieder hat aber er lacht mich auch aus. Ich wollte das jetzt einfach durchstieren. Und ich sage es ganz klar: ich war zweimal auf diesem Zug: das erste und das letzte Mal. Absolut nicht empfehlens- und nachahmenswert!!!

Die Wohnung in Nairobi fühlt sich fantastisch an – plötzlich sind sogar die Strassen von Nairobi organisiert nach dem Mombasa Chaos und wir duschen richtig lange und können uns dann einfach an den Tisch setzen, denn Peter hat etwas Feines gekocht und erst noch das Handy abgestellt. So könnte ich noch lange bleiben aber es ist unsere letzte Nacht in Kenia.

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