King and Queen of the Mijikenda

Dezember 28, 2014 Queen of Africa

Brav wie wir sind stehen wir um 09.00 Uhr beim Parkplatz. 15 Minuten später rufe ich Salim, den Fahrer an –„ ich komme gleich ich ging nur noch den Wagen waschen“. Das bestätigt mir sogar der Sicherheitsmensch der am Eingang steht. Vor einer Stunde ging er den Wagen waschen… ok, nach weiteren 30 Minuten rufe ich nochmals an: we are coming, we are coming… Nach einer Stunde wird es mir zu bunt: ich rufe den Bodyguard an, der mir irgend etwas erzhählt von wegen: wir müssen noch auf so und so warten… und ich werde richtig laut: egal, was dir irgend jemand sagt: jetzt kommst du einfach sofort hier her und das scheint dann auch zu wirken. Die Hierarchiegläubigkeit ist einfach nicht zu überbieten. Wenn Peter etwas sagt, dann kann man auch gut 4 andere Leute in der Sonne stehen lassen, obwohl man ihnen was versprochen hat! Ich erkläre dem Driver klipp und klar: wenn du mit mir abmachst, dann bin ich der Chef! Er scheint es (für heute) zu kapieren und wird so unterwürfig, dass es mich auch schon wieder nervt. Peter Wieser meint bei vielen Dingen: ja aber das müsste doch möglich sein, dass das klappt… Ich schaue ihn nur an und sage: ja genau „müsste“….

Wir werden nach Malindi gefahren und dort sehe ich endlich meinen Peter. Vollkommen übermüdet, weil er kein bisschen geschlafen hat, mit geschwollenen Füssen und Augen – aber sehr sehr glücklich mich und uns zu sehen.

Bald werden wir dann in die lokalen Kleider gesteckt, inklusive Besucher. Peter und ich müssen dann posieren, wie der King und die Queen der Mijikenda (neun Küstenstämme, nein und es hat NICHTS mit den Masaai zu tun) – es hat gleichzeitg etwas echt Komisches sowie Ehrenvolles, dass ich als Weisse so etwas überhaupt tragen darf. Wahrscheinlich steckt dahinter aber auch ein gewisser Geldtransfer. Ich treffe zum Glück noch Monika Preisig, die mit ihrem Freund Raphael morgen nach 3 Monaten Einsatz für Pro Ganze wieder wegfährt.

Die Zeremonie ist dann am Anfang wirklich noch ganz amüsant: es hat viele verschiedene Tänze und Vorführungen, die ich so noch nie gesehen habe. Bodenständige Fussstampftänze und auch anmutige mit grossen Federn und Trommelschlag. Wir werden natürlich dauernd zum Mittanzen aufgefordert und die Einheimischen lachen sich fast kaputt, wenn wir uns versuchen zu verrenken. So langsam aber sicher habe ich den Dreh raus: je nach Tanz heisst es Oberkörper ganz gerade und nur mit den Hüften (bzw. mit dem Hintern wackeln) oder dann auch nur mit den Schultern Bewegungen machen. Ich werde beklatscht und denke mir: ich muss unbedingt noch üben zuhause…  Auch figurmässig sieht das nach unseren Vorstellungen grauenhaft aus, wenn die bereits grossen Hüften und der grosse Po noch mit dem Faltenkleid unterstrichen werden aber hier gelte ich als grosses Schönheitsidol – na ja wenigstens für die Einheimischen.. Ich selber finde mich grässlich und hoffe, dass die Fotos einigermassen ästhetisch daherkommen – habe mich aber auch damit abgefunden und meine Freude daran, wenn sich die anderen über meine Intergration freuen. Ich lese gerade ein tolles Buch: Decoding Swahili culture und dort steht  natürlich auch, dass es einfach verschiedene Ansichten gibt und dass unsere Vorstellungen aus dem Westen nicht überall übertragen werden können.

Dummerweise kommen nach den Tänzen noch die üblichen Speeches und von denen hätte ich jetzt keinen einzigen gebraucht. Es ist schon wieder so spät, dass die Zuhörer nachhause fahren weil sie sonst kein Transportmittel mehr haben. Aber ich bin mich daran ja schon gewöhnt. Für Lulu und Wiesers ist es neu aber sie schicken sich ganz gut rein und sie sind ja unabhängig mit ihrem eigenen Auto…

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