Wieder schöne Aussichten

Ich hatte ja am Samstag auf der Fahrt von Mombasa nach Kilifi die Idee, am Sonntag mal in die Kirche zu gehen. Es nahm mich schon immer Wunder, wie es da zu und her geht. Peter biss sofort an, da er die Möglichkeit sieht, die Leute zu informieren – wie er es nennt. Ich nenne es Politpropaganda – aber vielleicht sind die beiden ja gar nicht immer so weit entfernt voneinandern. Das Praktische an der Kirche ist auf jeden Fall, dass die Leute schon versammelt sind und nicht noch Geld erwarten für die Rückreise… Nach der Frage wie lange das dauert muss ich natürlich schmunzeln. Das dauert also von 09.00 Uhr bis am Nachmittag. Es ist mehr wie ein Verein – hier werden Dinge besprochen, es wird getanzt und gesungen und so verbringen die Kenianer oft den ganzen Sonntag. Wann man kommt und wann man geht ist nicht so relevant. Wir überreden dann auch noch Wiesers und da sie mit dem eigenen Auto unterwegs sind wissen sie auch, dass sie jederzeit wieder gehen können – sie sind sich ja schon ein bisschen an die kenianischen Verhältnisse gewöhnt.

So um die 12.00 Uhr sind wir dann dort und wir werden freudig erwartet – die Ehrenstühle stehen schon dort. Der Pastor sagt, dass er früher mit Peter Musik gemacht hat – Peter hat Gitarre gespielt – ich werde täglich neu überrascht von diesem Mann!

Es werden dann noch neue Mitglieder in den Kirchenrat gewählt und danach wird getanzt. Das ist aber so etwas von einer cool einstudierten Choreographie! Schade, dass meine Internetverbindung hier so schlecht ist, ich möchte unbedingt noch den Video auf Youtube stellen. Dazu wird gesungen, getrommelt, ge-pianod und geklatscht. Auf der Bühne steht eine Art Tätschmeisterin, die fast wie eine Animatorin in einem Club wirkt. Es geht echt die Post ab. Auch die Jungen rappen ihren Song und die kleinen Jungs versuchen die grossen Bad Guys nachzuahmen. Es ist einfach herrlich. Ich halte einen kleinen Speech und Peter einen grossen. Dann geben  wir alle eine grosszügige Kollekte und Peter Wieser findet alles ganz plötzlich total traurig: warum können wir nicht alle diesen Kindern helfen? Warum können nicht alle ihren Beitrag leisten? In der Kirche kriege ich auch immer einen Klotz im Hals und ich kann ihn verstehen. Wenn man weiss, dass die Leute hier wirklich nichts haben und wie sie dann ihre Lebensfreude hier bezeugen können – das geht wirklich nahe.

Wir schauen nochmals in Marere vorbei, denn wir sollten noch die Farben für die Aussenfassade auswählen aus der Palette, die wir mitgenommen haben. Wir werden uns schnell einig: ein schönes warmes beige für die Hauswände und für die Verzierungen ein Braun, das der Erde ähnelt. Unten beim ganzen Gebäude etwa 50 cm braun, denn so wird es sowieso – egal welche Farbe wir wählen. Dummerweise ist das Dach noch nicht hier und so entscheiden wir uns, noch keine Entscheidung zu treffen, da wir den Farbton richtig treffen wollen!

Ich zeige Esther noch, wo ich mein Traumhäuschen bauen würde. Ganz am Rande des Grundstücks – mit Blick auf Kilifi und das Meer. Das wird noch ein paar Hürden geben aber selbst Peter sagt mir: normalerweise träumt er und ich bleibe auf dem Boden und hier ist es jetzt einmal umgekehrt…

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