Schlaflose Nächte

Wiesers sind gestern schon wieder nachhause gefahren. Bestimmt mit einem grossen Korb an neuen Erfahrungen. Sie haben gesehen, was es bedeutet auf den Strassen von Ganze zu zirkulieren und dass das Schulbus-Projekt wohl noch länger warten muss. Erstens bis die Strassen besser sind und zweitens weil es noch viele andere Prioritäten gibt wie die verschiedenen Schulen, die ihre Klassenzimmer brauchen. Ich habe am  Dokument gearbeitet, das Olivia im Original hergestellt hat. Aus vier 50 MB grossen Worddokumenten haben ich eine Excel Zusammenfassung gemacht, alle Fotos verkleinert, Filterfunktionen eingebaut und ein kompaktes Ding erstellt, das jetzt auch verschickt werden kann und das es erleichtert, die wichtigsten Themen anzupacken. Es hat richtig Spass gemacht, Excel wieder einmal richtig auszulosten und einzusetzen. Ich liebe dieses Programm und ich habe damit natürlich viel Freude mit meiner Arbeit ausgelöst. Für eine Arbeit, die mich etwa 5 Tage gekostet hat, hätte man hier bestimmt ein Jahr darauf warten müssen und es hätte Tausende von Franken gekostet. So ist es doch super, wenn meine Fähigkeiten am richtigen Ort eingesetzt werden können. Natürlich könnte ich noch an zig Orten meine Fähigkeiten einsetzen aber das ist jetzt mal was richtig Nützliches. Damit sollten wir auch auf mehr Unterstützung von verschiedenen Seiten zählen können.

Heute sind Besuche bei den Frauengruppen angesagt und wir sollten auch noch am Erntedankfest bei den Mijikenda im Kaya Kauma auftauchen. Wie wir es auf die Reihe bringen ist mir noch nicht klar aber irgendwie kommt es immer so wie es sein muss. Etwas nach 9 fahren Christine, Baraka, Isabella und ich los mit Joshua. Beim ersten Meeting sind über 100 Frauen. Es gibt lustige Klatsch- und Willkommenschoreos. Christine erzählt, was das Frauenprogramm ist und ich halte eine längere Rede, die Baraka übersetzt und erkläre, was Pro Ganze Kenya schon alles geleistet und geplant hat. Das wird alles beklatscht und anscheinend geschätzt. Plötzlich ommen die Fragen bzw. Ansprüch an Peter shehe, der nicht hier ist. Wir sind hier im Revier eines MCAs (Member of Community Assembly, dem regionalen Parlament), der immer schon gegen Peter gewettert hat. Sie sind also richtig aufgestachelt und ich beginne micih leicht zu nerven. Christine sagt mir nachher, dass ein Social Worker immer Ruhe behalten muss und zu allem lächeln muss auch wenn er innerlich kocht. Ich gebe zur Antwort, dass ich dafür wohl zu stark Business Woman sei.. Ich renke mich aber wieder ein, schliesslich bringt die Konfrontation gar nichts. Ein paar Frauen, die etwas intelligenter sind entschuldigen sich für das Verhalten und bedanken sich herzlich für meinen Besuch und das offene Ohr. Im Nachhinein sind dann auch all ihre Vorwürfe nicht haltbar und sogar falsch – sie wollten einfach versuchen Feuer zu machen.

Querfeldein fahren wir danach bestimmt eine Stunde Überland nach Jaribuni. Schlichtweg alles ist braun vom Staub: Kleider, Körper, haare, Nase, Ohren und sogar mein weisser Ring ist braun.

In Jaribuni fühle ich mich dann super willkommen. Es ist wie zuhause sein. Peter ist hier so bekannt, sie verstehen die Themen gut und haben quasi keine Fragen. Sie freue sich, bis das Solarsystem kommt und sie kein Kerosen von den Lampen mehr einatmen müssen.

In Marere wartet Peter, wir kiregen das obligate Ugali – dieses Mal mit der leckeren Kokossauce von Zaina, die sich wieder unglaublich freut mich zu sehen.

Plötzlich heisst, es, die Dachplatten für das Gemeindezentrum seien unterweg und so wollen wir warten bis sie kommen anstatt zur Kaya zu gehen. Ich vertreibe mir die Zeit mit den Kids und dem iPad. Aber der tagsüber angenehme Wind wird gegen 18.30 h kühl. Die Lieferung ist noch weit entfernt und da es ein „wide load“ Lastwagen ist fragen wir uns, wie der es je schaffen wird auf den Strassen von Ganze. Nach einer Weile entscheiden wir uns, dem Lastwagen entgegen zu fahren. Auf der holprigen Strasse fahren wir fast eine Stunde aber der Lastwagen ist nirgends zu finden – es wäre auch vollkommen unmöglich, dass er hier passiert. Jetzt nimmt der Chauffeur kein Telefon mehr ab und wir müssen unverrichteter Dinge retour holpern… So geht es hier manchmal: stundenlang umsonst und damit ist dann jeweils auch ein Frustlevel erreicht, der mich an die Limite bringt. Zudem hinten im Auto einer sitzt, der dauernd rülpst und eine überaus unangenehme Ausdünstung versprüht…. Holt mich hier raus bin ich versucht zu sagen und merke dann beim späten Abendessen, dass es nicht gut ist übermüdet, hungrig und gefrustet zu sein – in meine Schweizer Leben komme ich gar nie in solche Situation. Vielleicht ist es auch ganz gut wieder mal zu sehen, was ich alles aushalten kann. Auf jeden Fall schmeckt das einfach Nachtessen danach traumhaft gut auch wenn es vollkommen einfach ist. Peter Wieser hat gesagt, dass er nicht schlafen werde in der Schweiz bis er Fotos von den Dachplatten kriegt. Er wird wohl eine schlaflose Nacht mehr durchmachen müssen…

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