Obama Mania

Gibt es irgendeinen meiner Freunde, der mein
Netzwerk-Ziel noch nicht kennt? Dann muss ich das schleunigst hier bekannt
machen: ich möchte einmal im Leben Obama treffen.

Bevor ich dieses Mal nach Kenia kam, war mir zwar
bewusst, dass Obama nach Kenia kommt im Juli, aber die Umstände waren mir nicht
ganz klar und wurden in der Schweiz wohl auch nicht gross publiziert. Hier
angekommen spürte ich aber vom ersten Tag an, was es bedeuten wird, denn der
„Sohn“ kehrt zurück. Obama’s Vater war von Kenia in die USA ausgewandert und er
war 2006 zum letzten Mal hier.

Zwischenzeitig gab es Streitigkeiten, weil er wohl
Kenia nicht besuchen wollte, solange der Präsident in Den Haag noch angeklagt
war. Es kam dann aber in den USA immerhin mal zu einem Treffen zwischen Uhuru
Kenyatta und Barack Obama, zusammen mit den First Ladies.

Morgen kommt Barack Obama nach Kenia, um den GES
(Global Entrepreneurship Summit) zu eröffnen, den er 2010 ins Leben gerufen hat
und der zum ersten Mal in Sub-Saharan Afrika stattfindet. Somit kommt jetzt
alles zusammen: Homecoming for Obama, Ankurbeln der Wirtschaft, des Tourismus,
Hoffnung für Frauen und junge Kenianerinnen und Kenianer, die besonders
gefördert werden sollen.

Die Erwartungen an diesen Besuch sind riesengross und
die Vorbereitungen, insbesondere, was die Sicherheit angeht, noch
riesengrösser! Es ist eine regelrechte Obama-Mania ausgebrochen. Die Medien
berichten fast nichts anderes mehr, egal ob Zeitung, TV oder Online getwitter
und gefacebooke…In der Stadt wird verschönert, gepflanzt. Sogar die Zähne der
Elefanten am Flughafen Nairobi sind weiss gemalt!!! Und überall hängen Plakate,
die den Präsidenten willkommen heissen zuhause. Karibu Obama!

Sollte er tatsächlich noch an den Geburtsort von
seinem Grossvater reisen, dann sind dort auch alle bereit und warten auf den
verlorenen  Sohn. Sie verkaufen T-Shirts
und allerlei mit dem Konterfei von Barack und natürlich wartet Mama Obama, die
Grossmutter von Barack auf ihn. Immerhin haben wir unsere Solartechniker am
Sarah Obama Solar Learning Center ausbilden lassen…

Die Sicherheitsvorkehrungen sind kriegsähnlich: am
Samstag werden diverse Strassen gesperrt sein und sogar der Luftraum wird für
mehrere Stunden unterbrochen, damit alle Gefahren gebannt sind. Das gepanzerte
Fahrzeug und die Begleitkarossen sind bereits eingetroffen und werden hier
bewundert und bestaunt.

Zwischenzeitig habe ich mich total genervt, weil die
Zeitungen tagelang von der Frage geprägt waren: „wird Obama auch über das Thema
Homosexualität sprechen?“ Es gab kein anderes Thema und alle entrüsteten sich
bereits und wollten protestieren, weil sie sich von den Amerikanern nicht ihre
Lebensweise vorschreiben lassen wollten. Homosexualität ist absolut verpöhnt
hier und wird sogar bestraft. Kein Wunder befinden sich viele Schwule in der
Diaspora! Ich habe nicht geahnt, dass es so schlimm ist, denn ich bin ja viel
in Nairobi und hier wimmelt es von Schwulen und Lesben. Mein Gott, das Land hat
noch viel zu lernen und ich trage natürlich auch immer zu hitzigen Diskussionen
bei, wenn ich meine persönliche und offene Meinung vertrete…  Die Presse ist grässlich in Kenia. Absolut
korrupt und bestechend bestechlich! Also hackt sie auf diesem Thema rum und man
verliert schon die Lust überhaupt noch in den Zeitungen zu lesen. Sogar der
Vizepräsident hat sich geäussert und gesagt, dass er sich von Obama nicht
vorschreiben lasse, wie die religiösen Kenianer zu leben hätten!!! Schrei!
Ärger!

Aber zurück zu meinem Netzwerkziel: ich habe natürlich
gehofft, dass ich durch „mein Member of Parliament“ Zugang zu einem
Staatsdinner haben werde. Aber die Sicherheit ist riesengross und anscheinend
wird jeder MP eine Eintrittskarte erhalten für Sonntag im Stadion – zusammen mit
59‘999 anderen Leuten. Aber diese Karte ist leider nicht übertragbar und es ist
auch jetzt noch (23.00 Uhr am Tag vorher) nicht klar, wo dieses Ticket
überhaupt abgeholt werden kann. Aber Peter ist an die Küste gereist, weil er
Checks verteilen will für diverse Projekte und ich bin in Nairobi geblieben und
klebe momentan am (brandneuen) TV um herauszufinden, wo es eine Chance geben
wird, Obama zu sehen. Leider haben auch meine anderen „Leads“ versagt: ich war
vielleicht auch zu spät, sonst hätte ich noch hier und da etwas aktivieren
können. Aber wenigstens bin ich in Nairobi und habe morgen Abend mit Ishmael,
dem Personal Assistant von Peter abgemacht. Wir gehen downtown und werden uns
das Musical über Barack’s Buch „Dreams of my father“ ansehen und wer weiss,
vielleicht ergibt sich irgendwo eine Gelegenheit.

Auf jeden Fall werde ich bequeme Schuhe anziehen, denn
wenn es nicht möglich ist mit einem Taxi zu fahren weil alle Strassen gesperrt
sind werde ich mich auf die Socken machen: Barack – let’s meet somewhere in
Nairobi.

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