Kwaheri Obama – see you!

Mein Gott, war es aufregend während des Besuchs von
Obama hier in Nairobi zu sein! Ich bin echt dankbar, dass ich diese Gelegenheit
hatte… Peter zeigte Verständnis, dass ich in Nairobi bleiben wollte und nicht
an drei Check-Verteil-Events in Ganze durchhalten wollte. Also flog er nach
Malindi (das ist unser neuer „Trick“, denn in Malindi gibt es im Gegensatz zu
Mombasa – keinen Verkehr und in 45 Minuten ist man in Kilifi – allerdings gibt
es viel weniger Verbindungen…) am Donnerstag und kam erst wieder retour, als
auch Obama wieder weiter nach Äthiopien geflogen war.

Für alle, die meine FB Freunde sind wurde klar, wie
wichtig mir diese Zeit war und für alle anderen hier eine kleine Übersicht: am
Freitag durfte ich anstelle von Peter an einem Nachtessen teilnehmen, das von
der Regierung organisiert wurde für den GES (Global Entrepreneurship Summit).
Es war fast schon absurd: da ich als Member of Parliament Ersatz auf der
Einladung stand sass ich auch am Tisch der Members of the National Assembly.
Eine Muzungu! Ich wurde aber sehr rücksichtsvoll respektiert und die meisten
fanden es sensationell, dass ich meinen Mann vertrat. Für mich selber war es
ein Kampf reinzukommen, aber ich habe nicht aufgegeben und mit der Hilfe von
ein paar Insidern gelangt es mir tatsächlich teil dieses Events zu sein. Es gab
wenige Speeches, viele verschiedene Tänze aus allen vier Landesrichtungen, gute
Musik, eine Begrüssungsrede des Vizepräsidenten William Ruto, hervorragendes
Essen und natürlich eine Live-Schaltung zum Flughafen als Obama dann wirklich
kenianischen Boden betrat! Für mich einfach herrlich, das alles zu beobachten.

Die nächsten Tage waren dann geprägt von „vor dem (neu
angeschafften) TV kleben“ – ich glaube, ich habe jeden Satz x-Mal gehört, den
Obama und Kenyatta geäussert hatten und ich muss sagen: das Resultat überzeugt
mich vollkommen. Ich habe so etwas wie einen „Excitement-Schub“ erhalten und
ich habe wirklich das Gefühl, dass dieser Besuch einschneidend war und der
Beginn einer besseren Zukunft ist. Obama war am Anfang sehr zurückhaltend, fast
kühl bei der Ankunft, nach Worten ringend bei der Eröffnung des GES (Global
Entrepreneurship Summit, der Grund seines Besuchs) aber je länger je mehr wurde
er entspannt und antwortete sehr diplomatisch bis hin zu witzig und
inspirierend. Auch auf die idiotische Frage eines Journalisten (er war
Amerikanier oder Deutscher… konnte es nicht genau eruieren) wie er denn zu
den gay rights stehe. Und ich sage idiotisch, weil es hier einfach nicht
relevant ist und das Thema im Vorfeld so gehyped wurde, dass man tagelang nur
noch darüber zu lesen bekam. Ich bin sicher, Obama hätte es nicht angesprochen
aber so musste er sich natürlich dazu äussern und er hat das hervorragend
gemacht. Selbst die Antwort von Uhuru war für mich nachvollziehbar. Auf jeden
Fall bin ich mit Obama einig, dass die Homosexualität  bzw. die Person, die man liebt, nie ein Grund
für eine Diskriminierung sein darf. Kenya ist aber in solchen Themen noch so
etwas von altmodisch, dass es hier länger dauern wird als in anderen Ländern
bis sie so weit sind wie die westliche Welt. Fakt ist, dass die Polygamie hier
noch möglich und legal ist und dass Homosexuelle benachteiligt werden, weil es
vor allem von den Religionen verpöhnt ist (Christen wie Islamisten und Hindus
genau gleich….) und wirklich angekreidet wird. Ich leiste diesbezüglich ja
viel Aufklärungsarbeit und sage meine Meinung ganz offen und erkläre, dass es
sich weder um eine Krankheit noch um eine bewusste Entscheidung handelt,
sondern einfach angeboren ist.  Ich
erkläre auch, dass Frauen, die mit Frauen zusammen sind nicht von denen verzaubert
bzw. vervoodoot werden sondern vielleicht einfach besser behandelt als von
Männern, die sie kennen oder es einfach schöner finden mit einer Frau als mit
einem Mann und dass es für mich keinerlei Unterschied macht, ob man einen Frau
oder einen Mann liebt: Hauptsache man liebt…

Aber wie Kenyatta es gesagt hat: es gibt Themen, die
noch um ein Vielfaches wichtiger sind und zuerst angegangen werden müssen. Ich
weiss nicht, ob das verständlich ist aus einer schweizerischen Sicht aber
glaubt mir, die Diskussion wird wiederkommen, wenn einmal die Gewalt gegen
Frauen abnimmt, wenn Mädchen nicht mehr beschnitten werden und wenn Frauen und
Männer dieselben Rechte haben – und all das nicht nur auf Papier. Und ich weiss
auch: das wird dauern. Bis dann werden sich die Homosexuellen wohl eher in
Nairobi bewegen, denn hier werden sie stillschweigend akzeptiert und wie es der
Botschafter der Schweiz zum Reporter gesagt hat: du und ich – wir wissen, dass
es auch in der Politik Schwule hat, denn du und ich kennen sie persönlich!

Aber zurück zu Obama: nachdem er seine Schwester Auma
und seine Grossmutter Sarah (ja, das ist die Sarah vom Sarah Obama Solar
Training Center, an dem wir unsere Solartechniker ausbilden liessen…) gesehen
hat  und mit ihnen Zeit verbringen konnte
wurde er richtig entspannt. Seine Dance Moves am Staatsdinner sind um die Welt
gegangen und wie er sich mit Uhuru Kenyatta austauschte war schon richtig
entspannt und freundschaftlich. Sein Speech im Safaricom Stadium am Sonntag hat
die Herzen bewegt und war klar und deutlich: Kenia ist in Bewegung und die
Zukunft ist in den Händen der Jugend und der Frauen.  Auch wenn ich mein Netzwerkziel Obama
kennenzulernen nicht ganz erreicht habe, weil ich zwar Peter’s Ticket in den
Händen hielt und dann doch verzichtete, es damit ins Stadion zu wagen, weil die
Sicherheitsvorkehrungen einfach unglaublich streng waren: Den Spirit, den Obama
hier verbreitet hat will ich nach Ganze mitnehmen, auch wenn dort die
Herausforderungen noch viel grösser sind als in der Weltmetropole Nairobi. Aber
mit den richtigen Connections, hoffentlich bald auch Investoren aus der Schweiz
und Gönnern können wir die Träume der Frauen und Jugend in Ganze verwirklichen
helfen. Genial, wenn du liebe Leserin und du lieber Leser auch ein Teil davon
bist.

Nächsten Freitag wird Peter Cheques vom UWEZO fund (staatliche
Kredite für Jugendgruppen (18-35) und Frauengruppen)  an 101 Gruppen von 10 Millionen Keniaschilling
(ca. 100‘000 Schweizer Franken) verteilen und damit denen, die Ideen haben,
einen Start für ihre Geschäftsidee ermöglichen. Das alles ist durch die Zusammenarbeit
der politischen Arbeit von Peter und durch die grosse Unterstützung von unserer
Pro Ganze Direktorin vor Ort Christine Katana möglich geworden. Pro Ganze gibt es
wiederum nur dank der Unterstützung von Freunden, Familie und ganz vielen
enthusiastischen Unterstützerinnen und Unterstützern aus der Schweiz. Ich bin
voller Zuversicht: wir werden Ganze verändern und nach den ersten 5 Jahren, in
denen Peter hier wirkt, wird sich das Bild entscheidend verändert haben! Peter
macht eine hervorragenden  und
unermüdlichen Job und wir Schweizer sind ein Teil davon, dass sich das Leben
von so vielen Menschen positiv verändert. Und den Gegnern von ihm – und es sind
deren viele – kann ich nur sagen, was auch Obama zur Opposition gesagt hat:
gewählt ist gewählt und selbst die Opposition sollte die Entwicklung nicht
torpedieren sondern zum Gelingen für alle beitragen!

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