Keine wilden Tiere im Thurgau

Unglaublich: an der 1. Augustfeier in Mtwapa (Sin City in der Nähe von Mombasa) komme ich an einen Tisch zu sitzen, an dem folgende Leute sitzen: eine sehr sympathische Schweizerin, die in Kenia lebt und mich mitgenommen hat, da ich ja ohne meinen Peter feiern muss, mein Bodyguard (gemäss Monika wie einer aus Men in Black..), ein kenianisches Paar (sie war mal mit einem Schweizer verheiratet) und ein weiteres Paar: er ein. 74-jähriger Zentralschweizer und schon seit 9 Jahren in Mtwapa und sie eine nicht 74-jährige Kenianerin, die am Goethe Institut gut Deutsch gelernt hat). Dieser Nick fragt mich natürlich, woher ich komme und ich zeige ihm das Wappen. “Das Schöne mit den 2 Löwen – passt ja sogar zu Kenia… (daran habe ich vorher noch gar nie gedacht, es ist ein Spontangedanke.)” er meint im vollen ernst: das sind doch keine Löwen, es gab doch keine wilden Tiere im Thurgau! Ich stutze und antworte: was denn sonst? Sehen sie etwa wie Bären aus? (Ich bin mir ja auch ganz sicher als Thurgauer Einwohnerin und weil wir in Arbon grad in der Kommission für Kulturförderung ein Thema damit hatten…) aber der Nick bleibt hart, nickelhart!!! Das könnte höchstens noch ein Steinbock sein aber in der Schweiz haben wir doch keine wilden Tiere im Wappen, warum denn auch? Ja gut,da bin ich jetzt grad etwas überfordert… Da ich aber kein WLAN habe und mein Thurgauer Polit-Freund und Jäger Reto Lagler wohl grad irgendwo eine 1. Augustansprache hält gebe ich die Diskussion auf… (Ich habe dann noch gegoogelt… Es hat rein mit den Familienwappen zu tun und nicht viel mit den wilden Tieren drauf… )

Die Unterhaltung am Tisch ist angeregt und wir verbringen einen “netten” Abend. Das Essen ist fein schweizerisch: Cervelat/Käsesalat (kein Gummichäs), Kalbsgeschnetzeltes mit Röschti und ein Fruchtsalöötli mit Glacé. Dazu ausgezeichneter und süffiger Wein aus dem Wallis, gesponsort vom scheidenden (Walliser) Botschafter. Die Begrüssung einer blonden Lady, die sich nicht vorstellt, ist etwas kühl. Ich erfahre von Nick, dass man sie “nöd bruuche” kann. Sie ist die Honorarkonsulin und mehr an ihrer Mara-Treetop-Lodge (oder wie auch immer sie heisst) interessiert als an der Hilfe für gestrandete und (aus)Reisen wollende Schweizer. Aber Nick glaubt auch nicht an Löwen im Thurgau, erinnerst du dich?
Die Ansprache von unserer Präsidentin Simonetta finde ich super…genau das, was ich immer sage und warum ich vor Wahlen auch oft meinen “Politberater” Marcel beiziehe: beim Stimmen kommt es echt auf jede Stimme an. Sie bringt ein Beispiel aus einer Gemeinde in Nick’s Zentralschweiz, bei der 1 einzige Stimme bei einem Parkgebührengesetz einen Unterschied gemacht hat! Das führt doch vor Augen, dass keine Bürgerin und kein Bürger vollkommen unpolitisch sein kann, denn spätestens, wenn du selber betroffen bist wird es politisch. Davon kann ich aus Arbon mehrere Liedchen singen! Apropos Lieder singen: bei der Hymne singt doch tatsächlich gar niemand mit. Entsetzt entschliesse ich mich zu einem Solo und ernte zumindest von meinem Bodyguard ein bewunderndes Nicken. Nach dem Essen flacht die Stimmung ab, kein Tänzli, kein Tischmischen… Vielleicht hätten wir doch noch die Massaikrieger mit einem Löwen als Showeinlage aufbieten sollen…hakuna matata – keis Problem!

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