Grüüsiger Fast-Nachbar

Es war ja alles durchgeplant – auf dem Rückweg von
meinem absolut tollen Seminar für Frauen – selbst-sicher Auftreten – am
wunderschönen Hallwilersee mache ich meinen Vorabend-Check-in . Alle haben
schon auf Panik gemacht: du wirst sehen, es hat wahnsinnig viele Leute am
Flughafen am beliebtesten Weekend der Schweizer. Am Radio wurden schon die
Zahlen genannt, wieviele Menschen an diesem Weekend von Zürich abfliegen
würden. Ich machte mich kampfbereit aufs Schlimmste gefasst…

 Aber weit gefehlt: das Check-in (am schnellsten mit
dem Pass) und das aufgeben meiner Koffer (2x 22.9 kg und 1x 22.8 kg von
erlaubten je 23!!!) dauerte weniger als 10 Minuten. Ganz kurz sah ich noch Nicole
Knuth von den genialen Knuth und Tucek vorbeschwirren und wir grüssten uns herzlich und
danach hatte ich noch Zeit, Kaffeebohnen im Tchibo zu posten und mich in die
Ostschweiz aufzumachen. Irgendwie wollten alle besten Freunde noch kurz
telefonieren, mit mir chatten, von mir wissen, wann ich denn fliege etc. aber
ich war extrem beschäftigt mit Zahlungen machen, Fotoprotokolle delegieren
(denn dazu reichte die Zeit einfach nicht mehr) und mein Handgepäck bereit zu
machen. Ich hätte noch soooo viel mehr mitnehmen wollen aber ich beschränkte
mich auf 10 kg Handgepäck und einen Rucksack (ich weiss, das ist alles schon zu
viel aber das war bisher noch gar nie ein Problem…) Nach 4 Stunden Schlaf am
nächsten Morgen dann die Panik: wo ist das Ladegerät meiner Fotokamera? Wo sind
die Malaria-Tabletten? Mist schon im Koffer eingecheckt… Colombe fragt: hast
du Bündnerfleisch und Raclettekäste eingepackt? Nein natürlich nicht… also
schnappe ich mir noch eine Laptop-Tasche und fülle sie mit all den Dingen, die
da auch noch rein müssen und düse zur Bushaltestelle… noch niemand hier –
oder habe ich das Poschti schon verpasst? Nein, die Uhr geht um 10 Minuten vor.
Ein extrem hässiger Postauto-Chauffeur hetzt mich und ich denke: das wird in
Kenia nicht mehr so sein – dort werden die Menschen fröhlicher und vor allem
geduldiger sein!

Einstieg ins Flugzeug absolut unproblematisch und ich
sehe mit Freude, dass der fast hinterste Platz 41A neben dem noch leeren 41B
ist – jupeee! Ein Flug ohne lästigen Gesprächspartner nach Nairobi – genau das,
was ich mir heute wünsche. Ich installiere mich genüsslich und plötzlich gibt
es eine Aufregung: ein älterer österrechischer Herr sucht nach seiner
Sitznummer und findet den Sitz nicht – aber Moment mal, das ist nicht einfach
nur ein älterer Herr sondern ein extrem gruusiger, ungefplegter und stinkender
Herr. Aussehen im Stil von Otto Waalke’s schlimmsten Zeiten, fettige hängende
Haare, Stoppelbart zwischen gelb, grau und rötlich, die Schuhe so durch und
durch dreckig, irgendeine Feuerwehr-Jacke mit unzähligen Fett- und anderen
nicht definierbaren Flecken und echt über zwei Sitzreihen rüber stinkend. Er
labert Geschichten vor sich hin und fragt alle, wo sie denn hinfliegen. Mich
interessiert nur eines: ich hoffe innigst, dass es nicht neben mir fliegt…
aber genau solche Gedanken ziehen das Unglück manchmal an. Der übernächste
Sitzmensch würde nämlich neben mir sitzen aber weil er neben der Freundin sein
will hat er getauscht. Nein, bitte tut mir das nicht an. Ich aktiviere
sämtlichen Lilith- und anderen Göttinen und Kräfte, die ich besitze und wehre
mich auch verbal, dass es nicht gut sei auf einem anderen Platz zu sitzen als
dem zugewiesenen, da es sich um die Sicherheit handle. Und dann kommt die
rettende Stewardess: alle Passagiere sind an Bord, sie können sich in die leere
Reihe hinter die Dame (ja, das bin ich) setzen!!! Er meint: jo donn is jo ollen
gedient! Und ich schaffe sogar ein verquetsches Lächeln: „dann sind jetzt ja
alle glücklich!!!“. Und obwohl  die Düfte
immer wieder nach vorne dringen (ich rede mir ein, dass es der Raclette-Käse in
meiner Tasche ist) verläuft der Flug extrem schnell und sehr angenehm: drei
Filme reingezogen, recht gut gegessen, Arbon und Nairobi gefötelet, das
Schweizer Schöggeli verschlafen und dann mit allen Koffern problemlos durch den
Zoll gekommen. Der ungepflegte Herr hat mittlerweile alle kenianischen Frauen
abgeklappert und sie gefragt, ob er bei ihnen in Nairobi übernachten könne,
weil er erst am nächsten Tag nach Mombasa reisen kann… wääähhhh

Mit einem Riesenblumenstrauss wartet mein Schatz auf
mich (er ist wirklich lernfähig dieser Mann!!!) und wir sind beide
überglücklcih einander wieder viel zu erzählen zu haben. Wie ich ihn liebe – es
ist ein grossartiges Gefühl zuhause angekommen zu sein! Karibu tena! Karibu
nyumbani!

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