Erzengel und andere Schönheitsideale

Problemloser Flug von Nairobi nach  Mombasa und natürlich wieder das
Verkehrschaos pur in Mombasa – zusätzlich erschwerend mit einer gesperrten
Strasse vom Flughafen zur Stadt. Aber Joshua steht mit dem Mietwagen von Olivia
und Onkel Peter bereit. Wir fahren nach Kilifi und kriegen wieder Beachfront im
schönen Kilifi Bay. Onkel Peter, der in Nairobi schon mit sämtlichen Bancomaten
kämpfte, bis er endlich ein bisschen Geld ausgespuckt gekriegt hat, wird in
einem Zimmer ohne Klimaanlage und mit einem nicht funktionierenden Safe
einquartiert.. Olivia und ich müssen schmunzeln – diese Dinge passieren nur
Onkel Peter. Dabei ist er ja so korrekt und lieb und hat es gar nicht verdient.
Oder wissen wir etwas nicht? Nein, das Karma kann es nicht sein, denn er hat
sich ja so gewissenhaft auf diese Reise vorbereitet. Insgeheim hoffe ich, dass
alles klappen wird und seine „Pechsträhne“ nicht in der Schulung fortgesetzt
wird.

An meinem 7×8 Geburi wird gefeiert, das habe ich mir
vorgenommen und so machen wir einen Besuch im für mich besten Restaurant von
Kilifi – im Nautilus – das von einem Schweizer und einer Amerikanerin geführt
wird. Pietro empfiehlt eine Seafood-Platte und das gönnen wir uns. Zusammen mit
feinen Vorspeisen, Dessert, reichlich Wein und mit dem obligaten Limoncello
und/oder Grappa. Direkt am Meer mit cooler Musik werde ich dann auch noch guggenmusikmässig
von der ganzen Küchencrew besungen. Mit Kochtöpfen, Schöpflöffeln und allem,
was Lärm macht singen sie mir ein herzliches Happy Birthday. Anscheinend
traditionsgemäss muss ich so einen Topf auch noch als Kopfbedeckung tragen –
aber ich habe eh schon dermassen heiss und der Schweiss rinnt an mir in Bächen
runter (und nein, es sind NICHT die Wechseljahre), dass ich mich zu diesem
Spass überreden lasse. Von Christine erhalte ich einen schönen türkis/gelben
Kanga (Tuch, das man in ein Kleid oder eine Art Pareo verwandeln kann) und von
Joshua etwas Geheimnisvolles, Gerolltes. Olivia sagt: „sag einfach, dass es dir
gefällt“ und auf den ersten Blick finde ich das oberkitschige Bild eines
blonden Engels auch noch süss – bei meiner Grossmutter hing immer so ein
ähnlicher Engel über dem Bett… auf der „linken“ Seite ist das Ding goldfarbig
und ich könnte mir jetzt schon noch vorstellen, dass ich einen Ort für das
Geschenk finden werde in Nairobi. (Am nächsten Tag schaue ich mir das Bild dann
genauer an und bin schockiert: es ist wirklich ein goldener Engel mit blonden
Haaren – aber er steht auf einem Schwarzen Männerkörper – wahrscheinlich die
Versinnbildlichung des Teufels – und erdrückt ihn fast. Er trägt eine Waage in
der Hand – was ja auch wieder eine Anspielung an mein Sternzeichen ist. Vielleicht
können meine bibeltauglichen Freunde deuten, was es für eine Geschichte ist…Handelt
es sich um den Erzengel Michael? Ich bin leicht irritiert, da es nicht gerade
dem Bild entspricht, das ich hier leben möchte – muss dann bei Joshua noch
nachfragen, ob er mir eine versteckte Botschaft überbringen will)

 Vom Beizer Pietro erhalte ich einen „Swatchli“
geschenkt, das ist eine kleine ausseridische Schnitzfigur, die – nebst dem
Appenzeller Fritzli – die Markenzeichen des Restaurants sind. Wir haben echt
Multikulti Diskussionen und sprechen zu vorgerückter Stunde auch darüber, was
denn Muzungus schön finden an Männern und Frauen und fragen auch bei den
Kenianern nach. Natürlich ist mein „afrikanisches Hinterteil“ wieder mal Thema,
denn anscheinend habe ich wirklich Formen wie eine Kenianerin – ganz im
Gegensatz zu den meisten Amerikanerinnen, die eher flach sind. So weiss es
Christine zu berichten. Und die feine haarlose Haut der Kenianer und
Kenianerinnen ist etwas, worauf wir neidisch sein könnten. Aber wir erfreuen
uns einfach am Anblick und lösen dann später die feuchtfröhliche Rund wieder
auf.

Am nächsten Morgen stehen wir relativ früh auf und
machen uns nach dem Frühstück auf Inspektionstour nach Jaribuni auf. Dies
nachdem Onkel Peter die Affenkacke von seinen Schuhen entfernt hat… no
comment! Leider ist das Gemeindezentrum in Marere noch nicht so weit, dass wir
die Schulung dort durchführen können aber der Schulleiter der Jaribuni
Secondary School bietet sein Dach und den Computerraum an. Wir stellen das
ganze Schulzimmer um, damit alle 22 Computer Platz haben und Onkel Peter
übernimmt das Szepter. Wir folgen ganz brav und installieren alles nach seinen
Anleitungen. Wir haben totales Glück, dass wir genügend Tische, genügend
Anschlüsse und einen abgeschlossenen Raum in Beschlag nehmen können. Mit dem
Beamer, dessen Auflösung nicht gerade den modernsten Bedingungen entspricht,
komme ich dann zum Einsatz: Ich bringe ihn zum Laufen und bereite den
Seminarraum so vor, wie ich das von meinen Schulungen gewohnt bin: kreativ mit
Flipcharts (der wird an einem Nagel mit Schnur befestigt), Schöggeli, Block,
Schreiber, Mütze von Raiffeisen und Post-it Zetteln etc. Ich bin ganz
überrascht, dass wir alle die Nerven behalten und dann schon früh fertig – aber
auch fix und fertig – sind mit der Installation: wieviele Leute wir erwarten
wissen wir nicht so genau. Wir wissen einfach, dass wir nicht noch mehr PCs
haben als die 22… Ich habe noch die Idee von den Teilnehmern abzuholen, wie
ihre IT Kenntnisse sind. Jetzt sind wir alle gespannt, was der nächste Tag
bringen wird. Unsere Shopping-Liste ist klein: ein paar zusätzliche USB-Sticks,
Schüfeli und Wüscherli, 1 Verlängerungskabel und nachdem ich dann noch ein paar
Übungsfiles geschrieben habe bleibt uns nur noch, positive Gedanken in den
nächsten Tag zu schicken – wir sind gerüstet!!!

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