Ziele und Erwartungen

Onkel Peter will natürlich so früh wie möglich in Jaribuni sein um sicherzustellen, dass alles 100% klappen wird. Auch wenn 100% klappen sehr paradox klingt in Kenia: ihm zuliebe mache ich das gerne, denn mittlerweilen habe ich herausgefunden, dass er noch nie unterrichtet hat sondern 1:1 Support geleistet hat an der ETH. Zudem ist er extrem strukturiert, überlegt und ganz ganz präzis (erinnere dich an die Nummerierung der Laptops…) und Englisch ist auch nicht seine Muttersprache. Olivia und ich haben gestern schon gemerkt, dass wir ihn im Vorfeld schon besser hätten unterstüten sollen mit Methodik und Didaktik – aber in der Schweiz hatten wir schlichtweg keine Zeit dafür…

Ich bin froh, dass jetzt in seinem neuen Zimmer die Klimaanlage funktioniert, der Safe abschliessbar ist und das Frühstück schon vertraut ist. Zudem sind wir wirklich super vorbereitet. Ich habe bei 2 Personen auch noch AAA Batterien bestellt für meinen Laserpointer, denn ausgerechnet jetzt sind sie ausgestiegen (hoffentlich lesen das meine Seminarteilnehmer nicht..) Aber das ist hier schon noch was, an das ich mich gewöhnen könnte: ich kann immer jemanden anrufen, der etwas für mich organisiert. Da bin ich in der Schweiz doch viel mehr Einzelperson!

Wie wir später rausfinden, haben wir beide meditiert und visualisiert, wie die Schulung zum Erfolg wird und somit kommen wir entspannt in Jaribuni Secondary School an. Bereits eine Stunde früher sind einige Studenten schon dort. Doch jetzt kommt etwas Unerwartetes: es beginnt zu regnen wie aus Strömen! Nicht einfach fest sondern weltuntergangsmässig! Der Lärm auf dem Blechdach ist so ohrenbetäubend, dass ich hoffe, Onkel Peter hat sein Hörgerät ausgeschaltet sonst platzt ihm das Trommelfell!

Ich habe keine Ahnung wie der Level der Teilnehmer ist. Ich habe zwar die Bedingung gestellt, dass alle “computer literate” sein müssen aber ich muss mal abholen, wie ihre Kenntnisse sind. Also schreiben alle ihren Namen auf eine Skala. Von 0 = null Ahnung, über 1 = ich habe mal einen Laptop geöffnet und 6 = ich habe mal einen Word-Brief geschrieben und gespeichert bis zu 10 = ich habe schon Installationen gemacht und kenne Excel… So langsam aber sicher treffen alle ein und – welche Überraschung – wir haben alles unter den 25 Teilnehmern! Das bedingt von uns extreme Flexibilität und wir müssen während den 2 Tagen immer wieder umstellen, kürzen, vereinfachen etc. Die letzten Teilnehmer treffen wegen dem Regen erst gegen den Mittag ein.

Olivia, Onkel Peter und ich sind extrem gefordert: teilweise undeutliche Screenshots, schlechter Beamer (trotzdem danke an Ingeborg), 25 unterschiedliche Level, hohe Erwartungen (I expect to take the laptop home after the workshop!!!), dunkles Licht da nur 6 Neonröhren oder gar kein Licht möglich sind) und am Nachmittag eine schier unerträgliche saunamässige Hitze – gefühlte 50 Grad, ein pelziger Mund, Beine zum Abschrauben und eine bleierne Müdigkeit…

Aber ein noch längerer Abschnitt gebührt den positiven Dingen, die um Welten überwiegen. Wir erhalten feine Mahamris (donutähnliches Gebäck) zum Tee, tolle Mittagessen, die teilweise über 50-jährigen Schulleiter schreiben nach 2 Tagen alle einen Brief in Textwriter,speichern ihn auf Festplatte und Flashdisk (die sie nachhause nehmen dürfen), die Jungen haben Freude, dass sie in puncto Computer mehr wissen als die höher gestellten Schulleiter und sogar der Fahrer Salim hat das erste Mal in seinem Leben einen Computer bedienen dürfen. Olivia hat sich ihm als fast Privatlehrein gewidmet. Wir lehren ansatzweise Windows 7, nützliche Tools, LibreOffice Textwriter, Calculation und Impress. Als Tüpfli gebe ich auch noch einen Input zum Thema Social Media, da damit viel Unsinn gemacht wird in Kenia. Am Schluss erhalten alle ihr Zertifikat, das wir in aller Nacht noch kreiert und auf schönes Papier mit dem Pro Ganze Logo ausgedruckt haben.

Chapeau und einen riesigen Dank an alle Beteiligten. Meine grosszügige Arbeitgeberin Raiffeisen, der präzise und top vorbereitete Onkel Peter, die Ganze erprobte Olivia, die auch noch an erfrischende Äpfel gedacht hat, allen Helfern beim Auf- und Abbau und natürlich allen Spendern aus der Schweiz, die mit ihrem Zustupf alles ermöglicht haben. Eine weitere Erfolgsgeschichte von Pro Ganze nimmt ihr zeitweiliges Ende, das aber bestimmt noch eine Fortsetzung haben wird…

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