ein ganz normales Leben mit dem Schwarzen Peter

Der Chübelmann trägt eine Weihnachtsmütze, der Strom fällt fast jeden Tag ein paar Mal aus, der Verkehr ist schrecklich, die Shopping Malls bieten alles an, was man sich vorstellen kann, ich treffe spannende Menschen… das ganz normale Leben in Nairobi. Das Klima kommt mir entgegen. Nicht zu kalt und nicht zu heiß. Ich treffe mich mit Veronique Su von Swisscontact und sie macht mir Hoffnung und ich verstehe, dass ich die richtigen Stiftungen anschreiben muss um in Ganze ein Projekt für die Ausbildung von Jugendlichen beginnen zu können. Wir müssen in die Zukunft der Jugend investieren. Bei den Älteren ist es leider zu spät.
Ich besuche die Westgate Mall – dort wo das Massaker stattgefunden hat – und das Gefühl ist immer noch beklemmend, auch wenn jetzt alles auf Hochglanz poliert und restauriert ist. Es arbeiten viel zu viele Menschen dort und sie haben allesamt nichts zu tun. Aber immerhin wird mir im Safaricom Shop geholfen und mein MPESA Konto auf meinem Blackberry funktioniert endlich. Das heisst, ich kann jetzt auch Geld hin- und herschieben und gehöre mit zum Club… So kann ich schon mal Erfahrungen sammeln, wenn dann ein ähnliches System in der Schweiz eingeführt wird. Kenia wäre undenkbar ohne!

Meine Tage in Nairobi sind immer gut zur Erholung. Peter findet sogar Zeit, dreimal hintereinander Fussreflexzonenbehandlungen zu machen. Er muss unbedingt wieder seine Batterien auftanken Die ungerechtfertigten Vorwürfe zermürben ihn. Es sind politische Spiele, denn an der Küste ist er fast der einzige MP, der zum jetzigen Präsidenten hält. Fast alle anderen sind einer anderen Partei angehörend und daher kann er nirgends auf Unterstützung zählen. Aber auch in seiner eigenen Partei wird gedreckelt und “bschissä”. Wir treffen uns aber noch mit den beiden Clerks, die auch in der Schweiz waren auf der MP Reise. Sie versprechen Hilfe und sind auch ganz empört, was für hässliche Spielchen mit Peter gespielt werden.
Auch die Audienz beim neuen Botschafter der Schweiz verläuft prima. Ein sehr wacher und intelligenter Mensch – er wird bestimmt den Kontakt mit Peter aufrechterhalten. Anschliessend haben wir noch Kaffee mit Dominik Langenbacher, einerseits Botschafter von Somalia, andererseits Hauptakteur in einem Dokumentarfilm, den ein Freund gedreht hat und noch andererseits Teilnehmer an einem Forum während meiner Afrika-Ausbildung an der Uni Basel! It’s a small world after all!!!

Peter und ich haben ganz ernsthafte Diskussionen über unsere Zukunft, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass er dies alles durchstehen wird, wenn er nicht von irgendwoher Schützenhilfe kriegt. Es sollte eigentlich vom Vizepräsidenten oder vom Präsidenten direkt sein, denn er ist ja auf ihrer Seite und sie brauchen die Stimmen der Küste. Es ist möglich, dass alles noch gut kommt und ich hoffe es sehr, denn Peter investiert sein ganzes Leben für die Leute von Ganze, hat rin riesengrosses Herz und setzt sich für Gerechtigkeit ein. Die Attacken kommen aber von allen Seiten. Wenn er manchmal scherzend sagt “ich bi dä schwarzi Peter” so kriegt das hier eine neue Bedeutung… Aber ich verstehe, dass er nicht aufgeben will, denn dann hätten die Gegner ja ihren Zweck erfüllt. Dass es dann auch noch Schweizer in Kenia und in der Schweiz gibt, die Peter nicht gut gesinnt sind, das erfüllt mich mit Trauer und generiert auch eine Wut.

Warum können die Menschen nicht verstehen, dass wir nur zusammen etwas erreichen können? Kampf ist nie die Lösung und doch dürfen wir uns nicht alles gefallen lassen.
Es ist eine Gratwanderung: meinen sonst fast angeborenen und überzeugten Optimismus kann ich gar nicht dauernd aufrechterhalten und ich behalte aber trotzdem den Glauben daran, dass irgendwoher positive Zeichen kommen werden. Ich versende noch Mails an Menschen von denen ich glaube, dass die das dringend benötigte Geld fürs Solarprojekt beschaffen können und hoffe auch hier auf Unterstützung. Nebst Geduld (die ich schon ziemlich gut integriert habe) ist wohl auch Durchhalten eine grössere Lektion in meinem Leben. Ich arbeite daran!

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