Kein Problem in der anderen Welt ?

Zum ersten Mal verlasse ich Nairobi mit einem richtigen
Kloss im Hals. Ich spüre, dass Peter jemanden wie mich braucht. Ich bin wohl
die Einzige, die ihn auch wieder einmal auf den Boden der Realität holen kann,
aber gleichzeitig auch zuhören kann und ihm Ratschläge für seine Probleme geben
kann. Am liebsten hätte er mich immer um sich herum aber die Finanzen verlangen
halt danach, dass ich in der Schweiz meinen Job mache. Zudem muss ich ja auch
Inhalt im Leben haben und ich liebe meinen Job extrem. Also die Situation mit
dem Pendeln wird bleiben aber ich hoffe sehr, dass sich einiges in Kenia zum
Guten lösen wird.

Ich gönne mir also am Flughafen nochmals einen feinen
Malindi Macchiato. Da ich viel zu früh dort bin habe ich ausgiebig Zeit zum
Lesen, zum Lädelen – dummerweise kenne ich die Läden aber alle schon auswendig
und das Sortiment ist klein und die Preise überrissen. Ich vertiefe in mein
Buch, das heisst „Speak Swahili Dammit“ – witzige und gleichzeitig auch
tragische Erzählungen eines Muzungus, der in Tanzania aufgewachsen ist. Die
Geschichte ist gespickt mit Swahili Wörtern, was sehr amüsant ist und meinen
Wortschatz bereichert – wenn auch nicht gerade mit den saubersten Ausdrücken.

Wir werden dann von einem Wartegate zum anderen verschoben
und ich höre Schweizer von ihren Safari-Abenteuern schwärmen. Ja eine Safari in
Kenia gehört wohl immer noch zu den einzigartigsten Erlebnissen und momentan
kann man eine solche Reise auch sehr bequem (d.h. alleine im Jeep) und zu günstigen
Preisen machen. Das wieder mal ein Werbespot für das Land als solches…

Ich freue mich schon, weil der Sitz neben mir leer ist aber
das ist leider nur bis Dar es Salam so – dann steigt eine etwas verklemmte
ältere Dame zu. Zum Glück keine Plaudertasche aber meine Bewegungsfreiheit ist
wieder etwas eingeschränkt. Das Filmangebot auf Swiss ist aber Spitze und so
ziehe ich 2 Filme rein, schlafe dann ein bisschen und irgendwann gibt es
Frühstück. Ich freue mich auf die Zeit, wenn ich mal Business hin und her
fliegen kann… Die Sitze sehen sehr bequem aus…

Retour in Zürich amüsiere ich mich sehr über die Toiletten.
Zwei der vollautomatischen Wasserhähnen sind kaputt, die Rolltreppe
funktioniert nicht heute – willkommen in der perfekten Schweiz. Aber das
Nachhausekommen regt auch wieder viel Freude: die Herbstfarben strahlen um die
Wette, Arbon präsentiert sich von der schönsten Seite – viel Sonne und der
herrliche See, der wieder einmal wie das weite Meer aussieht.

Ich freue mich auf die Neuigkeiten im Geschäft, auf die
vielen spannenden Begegnungen und auf meine Lieblings-Adventszeit mit Deko,
Ad-Hoc Chorsingen und auf das Zusammensein mit der Family. Die Rückmeldungen
auf meinen Spendenaufruf für die Solartechniker sind noch etwas spärlich und
doch habe ich schon ganz viele aufmunternde Mails erhalten. Auch wenn das Geld
nicht in Strömen fliesst: hier und dort ist etwas versprochen worden und die
Menschen gratulieren zum unermüdlichen Einsatz, den wir in Kenia leisten. Das
Ehepaar Wieser hat schon wieder Konfi gemacht für den Adventsmarkt in Aadorf am
12.12. und Onkel Peter hat als verfrühtes Weihnachtsgeschenk einen neuen Beamer
für Ganze versprochen, weil er findet, dass mein letzter Blog-Eintrag doch
etwas trauriger als sonst dahergekommen sei und ich einen Aufsteller brauche.
Die positiven Gedanken sind wieder da und am Abend kann ich sogar mit meinem Peter
skypen und er hat auch gute Aussichten, dass er vom Speaker des Parlamentes
Schützenhilfe kriegt. Ich glaube daran: es ist Besserung in Sicht! Das Ankommen in der anderen Welt bereitet mir keine Schwierigkeiten – es scheint einfach mein Lebensmuster zu sein.

Ich verabschiede mich in diesem Blog bis nach den
Sylvesterferien… mein nächstes Ticket lautet auf den 6. Januar!!!

Kwaheri!

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