Wir haben ein Durcheinander

Mein Gott, warum muss ich immer noch in letzter Minute
stressen, wenn ich auf Reisen gehe – ich sollte es doch nach 30 Jahren
Tourismus und 4 Jahren Schweiz-Kenia langsam im Griff haben… Aber nachdem ich
mir eine potenzielle Wohnung angeschaut habe (bin gerade im Prozess vielleicht
das Haus zu verkaufen und dafür eine Wohnung (fürs Alter) zu kaufen..) begann
ich – nebst dem Runternehmen der üppigen Weihnachtsdeko – auch noch Kleider zu entsorgen.
Ich hatte also mindestens 10 35-Liter Säcke nebst meinen 2 Koffern und dem
Handgepäck… Dann versuche ich immer noch herauszufinden, wie es meiner Mutter
geht. Sie ist ins Spital eingeliefert worden, nachdem sie eine Nacht lang
Albträume hatte und zuerst sogar vermutet wurde, sie habe einen kleinen
Schlaganfall erlitten. Dann schreibt noch Peter, er müsse unbedingt mit mir
reden – aber das war zum Glück nur, um mir etwas Wichtiges über die Wohnung in
Nairobi zu sagen… Dann kommt plötzlich eine Meldung der KLM… „Possible
disrupted flight operation in Amsterdam on January 6!!!  Because of Freezing rain!!! Man könne gratis
umbuchen… aber mein Flug scheint noch intakt zu sein und ich habe ja schon
elektronisch eingecheckt…Insgesamt alles ein bisschen viel!!!

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(Hier der Video dazu – ok im Nachhinein bin ich einverstanden: schon etwas krass… https://youtu.be/e23LTSFmHLo aber in der Situation während dem Packen klang es wie ein schlechter Witz, zumal in Arbon frühlingshafte Temperaturen herrschten)

In einer solchen Zeit bin ich ja schon froh, gute
Freunde in der Nähe zu haben. Es gibt ein paar, auf die kann ich mich in jeder
Situation verlassen und die deklarieren mich auch nicht für verrückt, selbst
wenn sie neben dem Transfer zum Bahnhof auch noch  eine Kleiderentsorgungsaktion durchführen
müssen.

Hattet ihr auch mal ein Halbtax-Abo mit Kreditkarte?
Ich liess es mir vor ein paar Jahren so aufschwatzen von einer
verkaufstüchtigen SBB Angestellten – das Halbtax war sogar noch billiger so…
jetzt habe ich aber plötzlich nur noch eine neue Kreditkarte erhalten und die
Info, dass das jetzt alles getrennt sei und nur noch der SwissPass für das
Halbtax akzeptiert sei… Das hatte ich vollkommen vergessen und da ich jetzt
ja oft mit meinem schönen  neuen Auto
unterwegs bin muss ich mir auch noch ein neues Halbtax kaufen. Au blöd, und
dazu braucht es auch noch eine neue Passfoto… Super, ausgerechnet jetzt, wo
ich ein geplatztes Äderchen im Auge habe – aber was soll’s – ich setze mich in
den Automaten und verzweifle fast, denn es heisst dauernd: „ihr Bild ist nicht
biometrisch“, worauf ich es nochmals und nochmals versuche… Plötzlich
realisiere ich: das muss ja gar nicht biometrisch sein fürs Halbtax!!! Es
bleibt dann grad noch genügend Zeit für eine Stange im „Spunten“ am Bahnhof
Romanshorn. Wäh, das ist ein richtig grausliges Lokal – aber das kühle Bier tut
jetzt echt gut und stimmt mich auf die Ferien ein.

Am Flughafen ist ein älterer Herr ganz erstaunt, ja
fast erschrocken weil ich ihn bitte, mir mit den 3 Gepäckstücken beim Ausladen
zu helfen aber irgendwie beflügelt es ihn und er befördert meine Reisetasche
mit viel Schwung aufs Perron. Der Flughafen ist recht leer – ich düse nach
oben, denn in einer Stunde habe ich ja mit einer meiner Züri-Freundinnen
abgemacht, weil wir zum Nachtessen fahren auf die Waid… Oder mindestens hatte
ich mir das so vorgestellt, denn die sehr überhebliche Dame beim Check-in
meint: wir haben ein komplettes Durcheinander mit dem Gepäck. Man kann heute
erst um 19.30 h einchecken – es ist jetzt noch nicht einmal 18.00!!! Sie ist
extrem zickig aber trotzdem aktiviere ich mein Verhandlungstalent und sie lässt
sich erweichen, mich schon um 19.00 Uhr zu akzeptieren. Das klappt dann auch
prima – in der Zwischenzeit habe ich auch Bescheid von Max, dass Mamush noch
eine Nacht im Spital bleiben muss, dass es ihr aber recht gut gehe. Ouff… das
ist ja noch mal alles glimpflich abgelaufen – ich war schon hin- und
hergerissen ob ich reisen soll aber auch der Arzt sagte mir, dass es nicht um
Leben und Tod gehe… Wobei: es geht doch irgendwie immer um Leben und Tod,
oder?

Meine 3 Züri-Freundinnen aus der Kuoni Zeit sind
einfach sensationell: egal, wie lange wir uns nicht gesehen haben – wir knüpfen
immer wieder da an, wo wir aufgehört haben und ich glaube es gibt (ausser ein
paar Ausnahmen in der Ostschweiz) niemanden, mit dem ich sooooo Tränen lachen
kann wie mit den Dreien. Der Abend ist so vergnüglich, wir planen bereits unser
nächstes verlängertes Weekend und freuen uns über die originelle Karte „Let’s
take a WOK on the WAID side“ und „never WOK alone“…, das feine Essen und die
gute Gesellschaft sowie die sensationelle und fast grossstädtische Aussicht auf
ganz Züri!!!

Die Nacht wird kurz und der Flug nach Amsterdam verläuft
absolut problemlos – ausser einem frechen südamerikanischen Kid hinter mir, das
permanent gegen den Sitz poltert und schreit… In Amsterdam dann die
Passkontrollhölle: wie Viecher strömen alle zu ein paar Schaltern. In der Mitte
ein Display mit den Flügen, die wirklich in ein paar Minuten fliegen. Dort darf
man durch, wenn man den Boardingpass zeigt – mitten im Anstehen ist dann auch
der Nairobi Flug dran – jetzt muss ich mich also aus der langen Reihe in die
mittlere quetschen, Füsse überfahren, kämpfen! Ich schaffe es, nur um festzustellen,
dass Gate 22 zuhinterst ist und die Fahrbänder nicht funktionieren. Ich glaube,
ich muss einen Pipi-Stopp einlegen… dort hat es ungefähr so viele Frauen wie
bei der Passkontrollhölle!!!

Aber irgendwann sitze ich erfreut auf meinem Platz mit
extra Beinfreiheit (ohne Aufzahlen) zwischen mir und dem Nachbarn (ein
Holländer aus Zambia) bleibt ein Platz frei und hinter mir ist zwar ein
unbegleitetes Kind, das dauernd raufschnudert – aber ich habe ja sowieso vor,
mir wie üblich meine 3 Filme reinzuziehen… und somit ist auch das
Raufgeschnudere ausgeblendet. The Program – über das Leben von Lance Armstrong
(unglaublich, wie das so viele Jahre klappen konnte mit dem Doping…), The
Intern (rührender Robert de Niro als Senioren-Intern (wäre auch noch eine Idee
für Raiffeisen) und die einfach wahnsinnig hübsche Anne Hathaway als
erfolgreiche Geschäftsfrau) und dann noch als Dessert das Konzert und die
Interviews mit supersexy Lenny Kravitz!!!

Ich komme wirklich entspannt in Nairobi an. Trotz
E-Visa (seit ½ Jahr möglich) ist die Schlange lang aber das Gepäck dauert
sowieso auch – also Hakuna Matata und dann ein Blumenstrauss von Peter’s PA
(die beiden sind wirklich lernfähig) und es fühlt sich total an wie
Nachhause-Kommen. Mein Mann wurde ja vom Presidenten nach Mombasa beordert und
so warte ich auf weitere Instruktionen vom Honorable… So etwa um 23h heisst
es dann auch: Flug an die Küste buchen, da es noch eine persönliche Audienz mit
dem Präsidenten gibt für Peter – das aber erst am Dienstag… Ich versuche wie
immer das alles gelassen zu sehen, buche meinen Flug nach Malindi, organisiere
das Taxi und freue mich aufs Ausschlafen im Himmelbett. Ich könnte auch gut
schlafen, wäre da vorher nicht die Begegnung mit 2 Ratten gewesen, die sich in
einem Badezimmer einen Weg nach oben gebahnt haben.. irgendwie war ich ja schon
vorgewarnt und so kam das Supersonic Gerät zum Einsatz (Blitz und hoher Ton),
das ich mal mitgebracht hatte… ein paar Albträume hat mir das dann doch noch
verursacht – nicht mit Ratten aber mit anderen anstrengenden Lebewesen…

Oh well –
karibu Kenya – welcome to Kenya. Der Flug nach Malindi ist dann
aber auch wirklich superkurz, absolut on time wenn nicht sogar zu früh und mein
Empfangskommittee entscheidet dann auch gleich, dass wir in Malindi noch ins
Swahili-Restaurant gehen, wo es wirklich extrem leckere Dinge gibt und wir uns
göttlich verpflegen. Hat was dieses Essen: die Gewürze, die Art der Zubereitung
– ich liebe es!

Im Kilifi Bay ist es wie Ankommen zuhause – alle
freuen sich und wir haben den ganzen Abend um ein paar wesentliche Dinge über
unsere Zukunft zu diskutieren… mehr davon später!

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