2016: Januar 14: Es pfeift aus allen Löchern: weine nicht, wenn der Regen fällt..

Es kommt ein Kapitel, das die Tierfreundinnen und –
freunde sowie die Vegetarier etwas abstossen wird aber ich glaube, ich habe mal
kurz erwähnt, dass ich in meinem Anreise-Blogeintrag mal kurz die 2 Ratten
erwähnt hatten, die mich kurz Aufschreien liessen in meinem WC. Wem das zuviel
wird, der soll nach dem 2. Bild (das vom Maasai Markt) weiterlesen… Es kommt noch ganz übel… Ich ging
natürlich bei meiner Rückkehr ins Apartment nicht mehr in dieses WC aber mir
schien in der Nacht, als ob ich Pfiffe hörte – fast so wie bei den
Murmeltierchen den herzigen. Ich war mir jetzt nicht so sicher, ob das meine
Supersonic Blitzanlage war oder ob sich die Viecher zupfiffen: Achtung, die
Muzungu ist wieder da, wir müssen etwas leiser sein.

Wir hatten den ganzen Tag viel zu organisieren mit
Peter’s Reise in die Schweiz – eine komplizierte Angelegenheit weil er ja ein
Visum braucht, da er als Parlamentarier nur seine kenianische
Staatsbürgerschaft haben darf. Die Botschaft ist sehr kooperativ und es sollte
also möglich sein, dass er spätestens am Dienstag fliegen kann. Dann gibt es
viele Rechnungen zu begleichen und weil die Wohnung wirklich sehr dreckig wird –
auch wenn niemand da ist rufen wir unserer Perle Linette an. Sie putzt seit ein
paar Monaten für uns. Eine so liebe junge Frau – sie ist einfach herrlich. Sehr
respektvoll, sehr bescheiden und flink wie ein Wiesel. Ein Wiesel wäre auch
praktisch gewesen, denn sie hatte ja schon eine Ahnung, was ihr da blühte mit
der Rattengeschichte, sie hatte ja selber schon Fallen ausgelegt, damit ich mir
das nicht mit ansehen muss aber nicht nur in MEINEM Badezimmer, nein gleich in
4 von unseren 6 Toiletten. Wir hatten ja im Oktober alle Schläuche durch
dickere, neue ersetzt aber diese Viecher haben sich überall durchgefressen, ja
sie haben sogar die Rattenfalle verspeist, weil das Gehäuse auch aus Plastik
war. Und – jetzt kommt der Horror – sie haben sich sogar kannibalisch über ihre
eigenen Familienmitglieder hergemacht und nur noch das Gerippe übrig gelassen.
Zudem haben sie Fressen von draussen reingeschleppt und konnten in der Zeit als
Peter nicht hier war genüsslich ihr Weihnachtsessen abhalten. Wääähhhh – ich bewundere
Linette echt für ihre Tapferkeit. Sie war entschlossen, diesen Viechern den
Kampf anzusagen und ging mit Plastikhandschuhen rein und putzte alles
blitzblank. Wir liessen den Sanitär kommen, der liess ein besonderes Gift
überall rein und ersetzte alle Schläuche und schwor mir – ich habe ihm gesagt,
dass ich ihn sonst…  – na ja ich kann
es hier nicht schreiben…. aber ich habe ihm echt eingeheitzt. Linette zwang
den Caretaker die Überreste mitzunehmen und dem Management zu zeigen. Die traben
dann auch an aber sie sind auch sprachlos und angeekelt. Sie versprechen aber,
die Sache von aussen zu attackieren… Oh mein Gott, dieses Thema beschäftigt
uns fast den ganzen Tag. Ich belohne Linette dann mit einem schönen Geschenk
aus der Schweiz und sie bricht in Tränen aus und meint, sie hätte noch nie so
eine schöne Tasche erhalten – sie wisse gar nicht, wie sie mir danken soll.
Darauf muss auch ich weinen, denn ihre Bescheidenheit macht mich richtig
betroffen und ich habe eine Riesenfreude, dass sie so reagiert nach diesem
grauenhaften Job, den sie machen musste. Linette ist meine neue Heldin!

Für Peter musste ich noch zum MPESA Büro bei der
Safaricom und ich will auch noch auf den Maasai Markt, der immer am Donnerstag
auf dem Dach des Shoppingcenters stattfindet um ein paar Geschenke für ein paar
Freundinnen zu kaufen. Ich war noch nie dort, aber ich weiss: es wird hart und
weil ich sonst nur noch ein paar Glühbirnen aus dem Nakumatt (coopähnlich in
Kenia) denke ich mir: ach was: schminken ist nicht angesagt, ich gehe in meinen
Putzkleidern, so werde ich weniger angequatscht. Mike der Taxifahrer ist schon
unterwegs aber ich habe noch eine ganze Serie an anderen Nummern, die ich in
den letzten Jahren gesammelt habe. Peter staunt nicht schlecht, denn er hätte
niemanden gekannt. Ja in Nairobi kenne ich mich schon fast besser aus als er!
Dixon holt mich also ab und fährt mich zur Shopping-Station. Er kennt mich ja
mittlerweile schon ziemlich gut und weiss: es kann dauern. Aber echt meistens
nicht wegen mir!!! Jedes Shopping kann plötzlich sehr sehr kompliziert werden
und länger als geplant  –  ich komme noch
drauf zurück…

Zuerst gehe ich also auf diesen Maasai Markt und es ist
genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte: überall und an jeder Ecke wollen
sie dir etwas verkaufen – aber ich bin so bestimmt und bin ja mit der
Vorstellung gekommen, dass es schwierig wird. Da ich aber genau weiss, was ich
will: keine handgemalten Bilder, keine geschnitzten Giraffen und Nilpferde,
keine selbstgedrehten Baobabbäume aus Bananenblättern, die sie auch in jeder
Grösse auf Wunsch herstellen könnten und auch keine hässlich bemalten
Aschenbecher oder Ähnliches. Ich mache ein paar richtig gute Deals und kaufe
schönen Schmuck, ein Salatbesteck, das mir schon lange fehlt zuhause und ein
paar schöne Brotkörbchen. Meine Swahili Brocken helfen enorm und ich kann alles
mit viel Lachen und Witzeln nehmen. Ich war selten so entspannt auf einem
Markt. Das Sortiment ist gar nicht so schlecht, wenn man weiss, wie man die
Spreu vom Weizen trennt. Aber meine nahen Freundinnen und Freunde wissen ja:
ich bin die Supershopping-Queen und das Resultat ist schnell, bestimmt und mit
einem prima Preis/Leistungsverhältnis!

Ok, jetzt also nur noch Duschgel und Glühbirnen, aber
da kommt mir doch noch was in den Sinn und noch was und dann – und jetzt kommt
wieder eine Überraschung: der Verkäufer testet JEDE einzelne Glühbirne für
mich, ob sie auch wirklich brennt. Bei 15 gekauften Glühbirnen dauert das eine
ganze Weile… Als ich dann an der Kasse stehe schaut mich ein Herr ganz
komisch an und ich denke mir, nein, das kann ja nicht wirklich sein und nach
ein paar kurligen Augenbrauenhochziehern merken wir beide: wir sind es doch!
Christoph Spurk, der an der ZHAW in Zürich unterrichtet und mit seiner Frau aus
Zanzibar das schönste aller schönen Häuser in Kilifi hat (aufmerksame
Blogleserinnen erinnern sich vielleicht) muss auch noch schnell was im Nakumatt
erledigen. Wir lachen uns krumm über diese Begegnung. Wir haben es nie mehr
geschafft uns in der Schweiz oder in Kilifi zu treffen aber in Nairobi, das ja
nur ein paar Millionen Einwohner hat, stehen wir im gleichen Nakumatt und
erkennen uns kaum. Mist, ich hätte doch vielleicht wenigstens Wimperntusche und
Lippenstift auflegen sollen (ohne diese zwei Hilfsmittel gehe ich kaum
Entsorgen zuhause) oder wenigstens noch ein paar Spritzer Parfüm hinter die
Ohren geben können aber eben, er hat ja auch die kurligste Mütze auf und somit
ist es einfach doppelt lustig, dass wir uns doch noch erkannt haben. Fazit: ich
kenne so viele Leute, dass ich auch in Nairobi nicht unerkannt und ungeschminkt
auf die Strasse kann, bzw. es ist ja egal, wie ich shoppen gehe – Hauptsache das
Resultat und die Inneren Werte stimmen!

Zuhause ist der Teufel los vor dem Balkon: eines der
Kids hat eine Plastik Vuvuzela und hört auch nach meinem innigsten Flehen nicht
auf sie zu blasen, ein anderes hat so etwas wie eine Quietschenten-Carnival-Pfeife
und zusammen mit gefühlten 100 anderen Kids machen sie ihren eigenen Umzug.
Aaaahhhh – ich glaube, ich drehe gleich durch. Als die Kids dann endlich rein
müssen, wobei ich glaube, dass die gar keine Eltern haben, denn auch die
müssten doch mal was unternehmen… dann kommt der weisse Spitz vom oberen
Stock – bei aller Tierliebe: das ist ein saublöder Wadenbeisser und er kläfft
permanent. Als dieser Lärm dann abebbt sind die coolen Teenager dran: die
treffen sich neustens auch vor unserem Balkon und lästern über Kolleginnen und
Kollegen und das alles mit Geschrei wie ähhh und wow und uhuuuu – ganz ähnlich
wie in der Schweiz. Aber meine Gebete und Meditationen werden erhört: es
beginnt extremstens zu regnen und Peter und ich können gaaaaanz entspannt zu
zweit (sein(e) Telefon(e) habe ich heimlich auf lautlos gestellt hahaha….)
ein wunderbares Raclette mit feinen Kartoffeln und allem Drum und Dran
geniessen. 

Fast wie ein ganz stinknormaler Pärchenabend!!! Gute Nacht –
hoffentlich ohne Trillerpfeifen und Rattenpfiffe… (Auf jeden Fall habe ich
die Füsse auf dem Sofatisch während ich diese Zeilen schreibe und die
unendliche Ruhe geniesse…)

Ich hatte übrigens keine Zeit nachzusehen, wie die Angst vor Ratten heisst, aber ich glaube, ich bin jetzt geheilt davon… http://phobien.ndesign.de/ 

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