2016 Juli 6&7: 90 Minuten Schlaf und der beste Sitz im Flugzeug

Bei einem solchen Tag wie heute lohnt es sich, bereits vor der Abreise zu bloggen… Es ist verrückt und ich habe es gerade vor ein paar Wochen mit meinen Tourismus-Freundinnen diskutiert: ich habe in meinem Leben schon gefühlte Millionen Male gepackt und ich mag es immer noch nicht… Dieses Mal ist es besonders krass. Ich habe gleich nach meiner letzten Reise im Januar Dinge bereit gelegt, die letztes Mal nicht mehr reinpassten. Kleider, Schuhe, endlich die Stretchhosen für meine Schwägerin, die ganz besonderen orthopädischen Gesundheitsschuhe, die ich von einem ex Raiffeisen Freund erhalten hatte… Eigentlich für einmal gar nicht so viel… Und plötzlich kommt noch so viel dazu: über einen guten Freund wurde ich vianeine Politikerin in Näfels mit einer Person, die in Malindi lebt bekannt gemacht. Es begann damit, dass ich ein paar Reisetipps geben konnte. Da leider Edelweiss immer noch nicht nach Mombasa fliegt kann es etwas umständlich werden an die Küste zu fliegen. Wir haben da diverse Strategien: ich selber fliege immer via Nairobi – wenn möglich mit Swiss – da ich dort mein Lager habe: mein Lager an Küstenkleidern, an Give-Aways und natürlich meine schöne Wohnung, die so eingerichtet ist wie sie es in irgendeiner Grossstadt dieser Welt wäre – einfach Barbara Style… Olivia wählt immer den günstigsten Weg mit so viel Gepäck wie nur möglich, so güsntig wie möglich und mit den unmöglichsten Ankunftszeiten mitten in der Nacht – und das ist meistens Turkish Airlines. Onkel Peter war etwas ungeduldig und hat übersehen, dass Condor via Frankfurt nur 20 kg Freigepäck erlaubt – aber wie gesagt: so hat jeder seine Strategie…

All diese Erfahrungen habe ich also weitergegeben. Dann wurde ich gefragt, ob ich denn der Schwester in Malindi was Wichtiges mitbringen könne und daraus wurde dann eine grössere Lieferung an Medikamenten, Migros-Branchli (Brügeli für die Ostschweizer, Schoggistängeli für die Zürcher) und ein Molton fürs Bett, aber hey: ich habe ja noch Platz. Dann kam eine Anfrage von Eva: „ich habe im Lions Club einen ganzen Sack voll geschliffener Brillen erhalten – hast du dafür Verwendung?“. Aber sicher! Grad im Hinblick drauf, dass ich in Zukunft vermehrt mit OneDollarglasses.org zusammen arbeiten möchte ist es gut, wenn ich Kontakt zu Optometristen in Kenia finde und gleichzeitig noch Ganze Menschen helfen kann. Mist: die Dinger wiegen ein paar Kilos! Kurzfristig dann auch noch die Anfrage von Gladys für ihre gute Freundin Diane. Normalerweise waren das Parfüms und Body Lotion – aber was steckt jetzt im Paket? Getrocknete Feigen, Haferflocken und Sonnenblumenkerne!!! Von der Schweiz nach Kenia???? Ich verstehe die Welt nicht mehr – zudem sind die Dinger 2 ½ kg schwer und ich muss wieder eine Familienpackung Schokolade rausnehmen. Blöderweise hatte ich auch noch eine Einkaufsattacke, weil in Arbon der Vögele Shoes zu macht und somit die schönsten Männer-Lederschuhe mit farbigen Sohlen für CHF 30 verscherbelt hat… Peter wird ja immer so um seine fashionable Kleider und Schuhe beneidet – da muss ich das Image natürlich weiter unterstützen… Ich bringe auch für die Putzfrau und für unsere Projektleiterin neue Schuhe mit.. Die Damen tragen Grösse 42! aber ich finde ganz tolle Schuhe für sie. Ach ja und unser Solartechniker hat ja auch quasi eine Adoptivfamilie und die schickt noch 2 Rucksäcke, Geburtstagsgeschenke für die Kleine und Wassermelonensamen, die man züchten kann… Ich höre mit der Aufzählung auf, denn das Fazit ist klar: selbst 2×23 kg Freigepäck sind nie genug. Gottseidank gibt es diese Waagen und so bringe ich 1x 22.8 und 1x 23.6 in die Koffer rein (nur mit draufknien versteht sich). Zusätzlich noch mein Handgepäck – da habe ich ja längst den Trick drauf: reinpacken so viel wie reingeht (egal wie viele Kilos es sind) und dann das Ding immer leicht und beschwingt raufhieven damit niemand vermuten könnte, dass da Tonnen an Raclette-Käse, Reisesteckern, Büchern etc. drin sind…Als ich alles gepackt habe merke ich, dass ja noch die Unterlagen für meine Swahili Lektionen mitnehmen wollte: Papier ist aber sauschwer und so nehme ich das alles noch in einer grossen Tüte mit und denke mir, dass ich es dann am Flughafen richtig sortiere…

So viel zum Packstress, der nie weniger wird… ein Zusatzstress ist auch noch, dass Shammie, die Halbschwester von Colombe und Mica mit ihrem Sohn aus den USA zu Besuch kommt während meiner Abwesenheit und das bedeutet, dass ich die Zimmer so herrichten muss, dass sie sich wohlfühlen. Dummerweise habe ich aber – bevor ich das wusste – bereits damit begonnen habe im Hinblick auf meinen Umzug im Oktober eine Auslegeordnung zu machen: aus den Schubladen im Bad, aus den Kleidern im Kasten, aus der Schuhsammlung – es liegt also alles in Häufchen und verstreut im oberen Stock und es bedeutet mehrere Stunden Arbeit bis das alles wieder weggeräumt habe… Immerhin weiss ich definitiv, dass ich von allem zu viel habe. Wie ich mich davon trennen werde, das weiss ich jetzt auch noch nicht, aber vielleicht habe ich ja noch eine Eingabe…

Was ich hier sicher schon sagen kann: wenn jemand einen 3.2 m langen dunklen Holztisch sucht: den habe ich ab sofort zu verkaufen. Er ist grandios und hat schon manches Fest erlebt – aber er ist auch für meine Haus-Nachfolger zu gross.

Nach meinen paar Tagen Wellness mit Mamush und Max im schönen Bad Reuthe bin ich aber gut erholt und wache bereits um 7.00 Uhr auf um mein Programm abzuspulen: Hier die Kurzform. Helene bei Tchibo zum Kaffee treffen, zwecks Verabschiedungsumarmung und Übergabe Geburtstagsgeschenk. Dies strategisch um danach in der Novaseta noch die letzten Einkäufe zu machen. Dazwischen noch ein Telefon mit Martin Aufmuth von der Organisation OneDollarGlasses, die jetzt nach Kenia expandieren will und denen ich helfen werde, eine NGO in Kenia zu gründen… eine super Sache!!! Dann Besuch bei Lili in der sichtbar in Romanshorn. Sie hat meine wunderschöne Olga Ribler Kette neu aufgezogen und möchte die Länge an mir selber testen. Logischerweise kaufe ich in ihrem schönen Laden noch ein paar coole Geschenkli für meinen Schatz und meine Kids… danach Lunch im absolut coolen Hafenrestaurant. Wow – es besteht jetzt doch noch Hoffnung, dass sich Romanshorn positiv entwickelt. Da sind viele Leute mit dran beteiligt und ich finde die Marketingidee Hafenstadt Romanshorn top und bin auch stolz darauf, dass Menschen wie Lili sich für ihren Wohnort einsetzen. So muss es sein – engagierte Bürgerinnen braucht unser Land! Einen anschliessenden Besuch in der anderen Bar muss ich abschlagen, denn das Timing ist knapp… Ganz kurz zuhause die Koffer verschlossen und das Nötigste aufgeräumt, zwischendurch Federer bewundert und dann ist schon Termin auf dem Grundbuchamt: tatsächlich ist die letzte Amtshandlung noch eine ganz wichtige: mein Haus, das 20 Jahre für meine Familie und viele Freunde eine wichtige Anlaufstation war (10 Guetzlibörsen, unzählige Diskussionen, viele Zu- und wieder Abgänge von Menschen und einem Hund und ganz viele Erinnerungen, die unser Leben prägen stecken drin) geht an neue Besitzer über. Es ist für mich eine riesengrosse Erleichterung, denn das alte Jugendstilhaus verlangt ein grosses Portemonnaie, damit es modernisiert werden kann und nachher einer jungen Familie mit 3 Kindern eine neue Heimat sein wird. Wir unterschreiben alle Formalitäten und feiern danach gemeinsam bei Michaela’s Ilge über die Neuausrichtung unserer aller Leben. Der Makler und Freund Christoph Wanner ist natürlich auch dabei und wir können uns alle über eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes freuen. Es musste natürlich Michaela’s Ilge sein, denn Christoph’s Vorschlag, nach Steinach zu gehen lag zeitlich nicht mehr drin. Zudem muss ein Hausverkauf in Arbon auch in Arbon gefeiert werden. Vielleicht waren die beiden Drinks jetzt doch grad etwas zu viel, denn ich habe ja noch einiges zu tun zuhause…

Ja, ja „einiges“ ist vielleicht doch etwas untertrieben… Ich kann natürlich nicht ohne Match-Schauen sein und so kombiniere ich Zahlungen machen, Post zurückhalten, Schulungsunterlagen für Ganze von Onkel Peter vorbereiten am PC mit über den Rand den Match Portugal:Wales anschauen und mich über das Resultat freuen. Ach ja und was ich auch nicht lassen konnte: für Shammie (Colombe’s Halbschwester) und Draven habe ich ein Willkommenspaket vorbereitet mit Schweizer Produkten wie Rivella, Quöllfrisch, Schoggi, Sugus, Walliser Rotwein, Prospekten der schönen Ostschweiz etc. etc. Schade, dass ich sie nicht persönlich sehen werde aber so ist es halt – selbst ich kann mich nicht vierteln (auch wenn ich es immer wieder versuche). Ja und um Mitternacht habe ich noch ein wichtiges Treffen mit Colombe, denn sie wird selber von August bis November in die USA Reisen und unbezahlten Urlaub machen. Wir haben organisatorisch noch einiges zu besprechen und verabschieden uns dann mit den gegenseitig allerbesten Wünschen.

Da ich mich momentan stark mit Schlaf befasse (nach meiner Diagnose von Schlafapnoe und dem Einsatz einer Schlafmaske) habe ich das Buch „Superschlaf“ gelesen und darin viel gelesen, was ich schon wusste aber auch wieder ein paar Erkenntnisse erhalten. So z.B. dass wir im 90-Minuten Rhythmus schlafen sollten und somit gönne ich mir für diese Nacht vor der Abreise genau diese 90 Minuten. Pünktlich um 6.10 h erscheint der Frühmorgenengel Eva an meiner Türe und fährt mich nach Romanshorn. Denn ganz ohne Hilfe wäre es mit meiner Baggage schwierig geworden.

Auch der Prozess des Aussteigens am Flughafen ist nicht ganz einfach mit 2 Koffern, 1 Handgepäck, 1 Computertasche und einer gefüllten Handtasche. Es passiert in Etappen was natürlich die gestressten Reisenden nervt aber mir auch ein paar wohlwollende Blicke beschert. Das Einchecken ist aber smooth und einfach und für die 0.6 kg „Übergewicht“ drückt die Check-in Frau ein Auge zu und sagt: sie sähe nur 23 kg auf der Waage. Das mit dem locker das Handgepäck raufhieven wird etwas schwierig, da kurz zuvor der Henkel abbricht aber ich sitze schon bald im Flugzeug auf dem besten Sitz, den ich seit langem hatte: 23K – direkt hinter der Businessklasse mit einem schönen Stauraum vor den Füssen für die Tasche und viel Platz um die Füsse zu strecken. Muss ich mir merken! Neben mir sitzt ein recht unsympathischer Business Mann. Er nervt sich ab allem, nimmt die Armlehne ganz in Beschlag, spricht so undeutlich, dass die Flight Attendant immer wieder nachfragen muss und was dann am schlimmsten ist: in regelmässigen Abständen furzt er vor sich hin und ich brauch mal mein Foulard um die Gestanksemissionen zu dämpfen. Kurz vor Ankunft merkt er, dass ich Französisch kann und meint Vorwurfsvoll: das hätte ich ja von Anfang an sagen können, das hätte die Dinge vereinfacht… (aber ein Furz stinkt auch auf französisch…) Egal: ich sitze bequem, esse fein und werde super bedient: noch ein Bailey’s zum Kaffee werde ich gefragt und ich geniesse. 4 Filme schaue ich mir an: The Big Fat Greek Wedding 2 (Sequels sind nie gleich gut aber ich muss doch ein paar Mal laut lachen), Hail Cesar (kann mir jemand sagen worum es da wirklich geht???), Franny mit dem immer noch wunderbaren Richard Gere (er bleibt mein „Typ Mann“ auch im hohen Alter…) und Eddie the Eagle, der unglaublich berührenden Geschichte des verrückten Briten, der schon als Kind an die Olympischen Spiele wollte (als Bonus noch Hugh Jackman als Coach). Die Zeit vergeht echt wie im Flug. In Nairobi stelle ich auf Kenia-Time um, passiere in no Time die Immigration und werde mit Rosen erwartet. In der Viva Lounge steht schon das Essen bereit und Peter und ich sind überglücklich, einander wieder zu haben! Sechs Monate waren eine lange Zeit aber wir waren beide so beschäftigt, dass es doch irgendwie schnell ging. Trotz Wiedersehensfreude liegt es noch drin, den Match Deutschland:Frankreich anzuschauen und das Resultat zu betrauern. Das ist ja gerade das Schöne an Nairobi: wir können ein ganz normales „Eheleben“ führen mit allem drum und dran. Normalität hat auch ihren Reiz!

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