2016: Juli 10-13 Ferien machen wenn andere hungern?

Fast vier Jahre habe
ich darauf gehofft, dass mein Peter und ich endlich zusammen ein paar
Tage Ferien machen können. Die Frage kommt vielleicht auf: was sind
überhaupt Ferien? Skiferien waren für mich vor Jahren eine totale
Erholung: Sport am Tag, Ausgang am Abend… Badeferien, das bedeutete
früher auch Ferien: an einen schönen, möglichst unbekannten Ort
fliegen und dort quasi nichts tun. Lesen, schwimmen, lesen, schlafen,
gut essen, gut trinken, Ausgehen. Mit der Familie bedeutete es auch
noch gemeinsam spielen, Dinge unternehmen, Ausflüge machen.

Im Laufe der Jahre
wurde mir das zu langweilig. Ferien bedeuteten für mich vor allem
Freunde besuchen, neue Dinge entdecken aber auch in verschiedenen
Ländern den ganz normalen Alltag erleben. Ich liebe es zum Beispiel
in einem Land in einen ganz gewöhnlichen Supermarkt zu gehen: zu
sehen, was die Leute dort kaufen, was es für Produkte gibt. Das
Zusammensein mit Freunden wurde mir immer wichtiger und wenn diese
überall auf der Welt verteilt sind, dann rücken „normale“
Badeferien in den Hintergrund. Es kommt ja auch noch dazu, dass ich
sehr schön wohne und in meinen Ferien bestimmt nicht weniger schön
wohnen möchte, bzw. auf alles verzichten möchte, was mich happy
macht…

Aber wie mache ich
mit einem MP Ferien, der sich gewohnt ist, von 05.00 Uhr morgens bis
nach Mitternacht für seine Leute und sein Land verfügbar zu sein?
Mit einem MP, der sich nie ausruht, der nie ein Buch liest, der nie
einfach hinliegt zum Entspannen, der nicht schwimmen kann, der nicht
braun werden muss weil er schon schwarz ist? Es geht ja vor allem
darum, zusammen alleine zu sein und über die gemeinsame Gegenwart
und Zukunft zu diskutieren. Mal ohne Bodyguard, Driver und Leute zu
sein, die uns vom Essen abhalten. Um Varianten durchzudenken, wie die
Zukunft aussehen könnte. Und bereits zufrieden zu sein, wenn nur
schon der normale Alltag eintreten könnte… Aber eben: könnte…

Das Hotel Swahili
Beach an der Südküste von Mombasa, das wir bzw. ich ausgewählt hatten wurde mir schon von
Freunden empfohlen, die 2012 dort waren und es hat auch ein sehr
gutes Rating. Der Preis ist fair und da natürlich beim Check-in klar
ist, dass es sich bei Peter um einen VIP handelt erhalten wir ein
Wahnsinnszimmer bzw. eine riesige Suite. Die Einrichtung ist
wunderschön – im Swahili Stil, der mir sowieso sehr gut gefällt.
Mit Einflüssen von Indien und arabischen Ländern, in schönen
Weiss- und Beigetönen mit edlen Materialen. Wir sind zuerst einmal
überhappy und inspizieren die riesige Poollandschaft, den armseligen
Strand, der mit Seetang übersät ist auch auch wenn er davon befreit
ist noch sehr sehr klein ist und geniessen dann die ersten Stunden
mit einem feinen zNacht und der Übertragung des Uefa 2016
EM-Endspiels zusammen mit einer internationalen Bande an Gästen.

Sehr schnell wird
aber klar, dass Peter nicht auf sein Telefon verzichten kann. Der
Besuch des Präsidenten an der Küste steht bevor und – was viel
schlimmer ist – die Berichte über die Hungersnot in Ganze in der
Zeitung häufen sich. Die klimatischen Bedingungen sind so schlecht,
dass die letzten Maisernten völlig ausblieben und die Menschen in
Ganze – besonders in ein paar abgelegenen Orten – kaum überleben
können ohne fremde Hilfe. Die Regierung hat schon mal erste Hilfe
geleistet aber die Ware, die an einem Ort gelagert ist muss jetzt
verteilt werden und das ist eine riesengrosse Übung, denn niemand
sieht sich verantwortlich, dafür Geld zu bezahlen.

Wenn du solche Dinge
hörst dann kannst du nicht einfach friedlich am Pool liegen und so
tun, als ob das alles gar nicht existieren würde. Auch wenn es mich
nervt und ich zugeben muss, dass unsere Ferien nicht wie geplant zu
Ende gehen: es liegt nicht wirklich an Peter aber an der schieren
Menge seiner Verantwortung. Die MCAs (die Members of County Assembly,
quasi die Bürgermeister seiner vier Wards) arbeiten ja eher gegen
ihn anstatt auf die Idee zu kommen vom eigenen Governor Hilfe zu
holen. Peter hat die Hilfe auch nur durch die guten Beziehungen zur
Regierung erhalten – aber eben: diese Hilfe alleine genügt kaum.
Kaum schreibt er im FB, dass er Hilfsgüter organisieren konnte
schreiben die Gegner schon: wäre es nicht besser Hilfe zur
Selbsthilfe zu organisieren, als jetzt einfach Güter auszuliefern?
Klar wäre das besser aber wenn dazu das Geld fehlt, dann ist direkte
Hilfe immer noch besser als gar nichts…

Am Schluss unserer
drei Tage ist das Fazit recht ernüchternd: wir waren zwar im
Paradies aber Ganze ist alles andere als paradiesisch und für seine
Constituency lebt ein MP, vor allem einer wie Peter, der
Verantwortung trägt. Und somit ist es noch deutlicher geworden: die
Leute von Ganze haben Vorrang und ich werde in Zukunft meine Ferien
wohl wieder auf meine eigene Art und Weise planen müssen: alleine
oder mit Freunden irgendwo auf dieser Welt. Bei all diesen ernsten
Worten kann ich euch beruhigen: wir hatten auch unsere schönen
Stunden, wir haben viel gelacht und uns gegenseitig beteuert, dass
wir vor 5 Jahren die richtige Entscheidung getroffen haben: wir beide
gehören zusammen – egal welch harte Zeiten wir durchmachen. Wir
werden sie meistern und sie machen uns stärker.

Die Freunde und
Bekannten, die diese Zeilen lesen und helfen möchten: wir können
jegliche Hilfe brauchen – Pro Ganze wird sich weiterhin dafür
einsetzen, dass die Menschen hier eine andere Perspektive erhalten.
Auch wenn es bedeutet, selber auf viel zu verzichten. Einen so
enthusiastischen Menschen wie Peter kann man nicht hängen lassen.

Der Traum vom
Paradies ist ausgeträumt – die Realität hat mich wieder.
Mindestens einen Versuch war es wert! Aber keine Sorge: ich brauche
nicht euer Mitleid – viel lieber ist mir eure Hilfe. Ich finde
meinen Weg im Leben mit meinem MP! Aber jetzt ist es Zeit für Action
für Ganze… Ich berichte weiter darüber! Fotos über die drei Tage
werde ich dann später mal veröffentlichen. Momentan wäre es
geschmacklos, in Anbetracht der Hungersnot, die in Ganze herrscht.

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