2016: Juli 13-16 Akklimatisieren und Geld in den Boden setzen

Die Pflicht ruft Peter schon wieder nach Nairobi. Er
ist der Vice-Chair vom Powers & Privileges committee und muss sich um einen
Fall kümmern von einem MP, der sich beim Besuch des Präsidenten daneben
benommen hat. Ich glaube, einen Kindergarten zu leiten ist einfacher, als
erwachsene Politiker. Wenn der Präsident schon mal zu Besuch kommt, dann
brauchst du doch nicht zu pfeifen und ihn auszubuhen. Null Respekt und sehr
infantiles Verhalten – aber ihr mögt euch vielleicht noch an die Geschichten
erinnern, mit der zertrümmerten Schublade oder dem nackten Hinterteil im
Raatssaal… Zusätzlich zu dieser Aufgabe steht noch ein Besuch beim
Vizepräsidenten an, der auch bald nach Ganze kommen soll für ein Fundraising.
Ja die Zeichen stehen natürlich schon voll auf „Wahlen 2017“. Einige arbeiten
ja schon seit den letzten Wahlen darauf hin aber jetzt verschärft sich die
Gangart massiv. Peter gehört  an der
Küste zur Minderheit , die den jetzigen Präsidenten mit der Jubilee Party
unterstützt. Die anderen sind alle für ODM und Raila Odinga, der aber meiner
Ansicht nach absolut keine Chance hat. Und weil die fiesen Parteimitglieder von
Peter ja vor Jahren schon krumme Sachen drehten und ihn ausnehmen wollte wie
eine Weihnachtsgans hat er kurzerhand eine neue Partei gegründet. Die Federel
Democratic Alliance (es muss ja auch noch Schweizer Wurzeln drin haben). Wobei
ich schon noch erklären muss, dass „kurzerhand“ masslos untertrieben ist. Eine
Partei zu gründen ist noch hundert Mal schwieriger als ein NGO und so musste sehr
viel Arbeit und Geld dafür investiert werden. Aber immerhin hat er wieder ein
paar Gegner ausgetrickst.

Ich nutze die Zeit für einen kurzen Shopping Abstecher
um ein paar Kangas zu kaufen. Das sind die traditionellen Tücher, die die
Frauen hier tragen. Dank Salim werde ich nicht reingelegt und ich kriege den
Preis von Kes 450 pro Stück. Der Fahrer bearbeitet mich, dass ich doch jetzt
unbedingt mal bei ihm vorbeikommen soll – ich kann ihm diesen Wunsch natürlich
nicht abschlagen und so machen wir noch einen Zwischenstop in Tukuangu (klingt
für mich wie das Land aus dem Pipi Langstrumpf’s Vater kam…) Ich werde mit
Tamarindsaft beschenkt, den ich zwar mag: aber so im Plastikbeutel eine braune
Sauce anzusehen macht nicht wirklich Freude….

Die nächsten zwei Tage trudeln dann Olivia und Onkel
Peter ein. Das gestaffelte Ankommen erlaubt uns sogar noch einen Schwumm im
Meer und im Pool und ein paar Gin & Tonic sowie ganz viele Diskussionen mit
der lokalen Kollegin Christine über den Stand der Dinge. Selbstverständlich ist
nicht alles wie geplant verlaufen, ein paar der Ziegen haben tote Kids geboren,
der Zaun im Waisenhaus konnte noch nicht gebaut werden weil dafür das Geld doch
nicht ausgereicht hat und beim Vorbereiten der Computer kommen wir nicht auf
die gewünschte Zahl, was sich aber später durch Peter’s grosszügiges Verteilen
erklärt. Eine gewisse Frustration ist bei der Entwicklungshilfe immer dabei.
Wir sind immer wieder daran zu lernen, dass wir keine Ansprüche haben können,
wie die Umsetzung gelingt. Aber das ist echt ein jahrelanger Prozess und sogar
Onkel Peter, der genaue und Cheklistentreue muss zugeben, dass er hier sogar
für sein Rentenalter viel lernen kann: Gelassenheit, loslassen, die Dinge von
einem Tag zum anderen nehmen.

Wir diskutieren viel über eine sinnvolle Hilfe vor
Ort, vor allem auch im Hinblick auf die Hungersnot, die momentan in Ganze
herrscht. Wenigstens ist es Peter schon gelungen, Hilfe vom Staat zu erhalten –
und er organisiert am Samstag die Verteilung der Güter (nebst ein paar
Beerdigungen, bei denen er unbedingt dabei sein muss. Kurz nachdem er die Güter
verteilt kommt einer seiner Gegner MCAs und stachelt die Menge wieder auf, weil
er behauptet, dass die Güter schon seit April gehortet wurden von Peter, was
überhaupt nicht der Wahrheit entspricht. So läuft das Drecksgeschäft Politik
hier.

Am Abend erzählt uns Peter dann auch noch ein paar „Räubergeschichten“
über Leute, die ihm wirklich an den Kragen wollen. Auch hier ist meine Devise:
was soll ich mich bemühen und mir Sorgen machen über Dinge, die ich sowieso
nicht verändern kann? Manchmal muss ich einfach „übergeben“ an höhere Mächte.
Eine Lektion, die ich schon ziemlich gut begriffen habe.

Aber wir fühlen uns irgendwie hilflos, denn wie schon
immer betont möchten wir Hilfe zur Selbsthilfe gewähren aber wie stellen wir
das an? Ich bin immer noch der Meinung, dass ein Agrikulturprojekt die beste
Investition wäre aber bisher hatten wir noch nicht die richtigen Kontakte und
selber haben wir auch kei Ahnig vo Botanik… Hier immer wieder mein Aufruf:
wenn ihr uns Connections vermitteln könnt zu Leuten, die Agrarprojekte hier
umsetzen könnten: das wäre ein grosser Segen.

Aber wir beschliessen, dass wir weiterfahren mit dem
Verteilen von weiteren Ziegen und dem Anlegen von Gärten in Schulen, so wie es
Christine bereits gemacht hat. Wir sind beeindruckt von allem, was schon
gewachsen ist. Bananen, Wassermelonen, Cassava und natürlich der Mais, der von
Peter’s Sohn Daniel angepflanzt wurde. Mit unserem Spendenaufruf haben wir
jetzt schon etwas Geld von Schweizer Supportern erhalten und ihr werdet sehen:
die setzen wir in den Boden – aber daraus wird auch wieder mehr wachsen! Danke
für die Unterstützung von allen – das gibt uns Mut und so bleiben wir dran.

 

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