2016: Juli 19-21 Where is the enter key?

Wer unsere Bilder im Facebook gesehen hat kennt schon
das Ende der Fortsetzungsgeschichte und wer mich kennt weiss, dass ich
Happy-Ends liebe – egal ob  im Film oder
im Leben. Wahrscheinlich arbeite ich in jeder Situation auf ein Happy End zu
und habe trotzdem gelernt was es heisst, konfliktfähig zu sein. Das kommt mir
in Kenia sehr entgegen.

Wir erhalten 5 Tische von Jaribuni Secondary school
und damit können wir alle Plätze einrichten, denn wir erwarten etwa 20 Leute –
mindestens haben wir für so viele Essen bestellt – und jetzt sind wir doch
wieder froh, hatte Onkel Peter alles so minutiös geplant und alle Computer,
Computertaschen und Ladegeräte mit einer Nummer angeschrieben. Viele helfen
beim Einrichten, auch solche, die wir nicht wirklich brauchen können. Aber alle
wittern natürlich ein Trinkgeld…

Olivia und ich haben gestern schon versucht mit
diversen Techniken den Boden zu putzen aber das ist ziemlich hoffnungslos…
Die Plättli sind heikel und kaum sauber zu kriegen – oder mindestens dachten
wir so. Über Nacht muss wohl etwas Magisches geschehen sein: der Boden ist
sauberer als wir ihn je gekriegt hätten!

Nach und nach treffen 13 Schülerinnen und Schüler ein.
Ohne mit ihnen gesprochen zu haben ist schon klar, dass es verschiedene Niveaus
geben wird. Pole pole (langsam langsam ein Lieblingswort der Kenianer) finden
wir den Weg zu unterrichten. Ich habe zwar eine Exceltabelle an die Wand
gezeichnet aber später muss ich auch noch ein Keyboard zeichnen, denn eine
Teilnehmerin fragt am Ende des 2. Tages!!! „wo ist denn die Enter-Taste?“
Möchte jemand Geduld üben? Hier ist es möglich – bis zur Erschöpfung. Ich komme
mir vor wie zurückgesetzt in meine Kuoni Zeiten, als ich Excel Schulungen organisiert
habe. Nur ist hier alles in Englisch bzw. teilweise für Menschen, die kaum
Englisch verstehen und so muss ich z.B. das Thema „move“ so erklären, dass die
Daten jetzt im Universum sind und ich sie magisch wieder herzaubern werde, denn
sonst verstehen sie nicht wie nach einem CTRL X die Daten verschwunden sein
können vom Bildschirm! Überhaupt stelle ich immer wieder fest, dass viele
Menschen – ich sage jetzt mal ü50 – extreme Probleme haben mit der Grösse der
Symbole (machst du sie grösser ist die Arbeitsfläche zu klein), mit dem Umgang
mit der Maus (Koordination Hand und Augen) und mit dem wissen, wann ist ein
Klick, wann ein Doppelklick, wann ein Klick mit der rechten und wann mit der
linken Maustaste angesagt. Da muss ich mir für nächste Woche noch etwas Gescheites
überlegen.

So wechseln Onkel Peter und ich uns ab mit diversen
Inputs und danach dauert es lange, bis alle das Resultat erzielt haben. Wir
lernen das unterschiedliche Verhalten von Studenten hier und das hat damit zu
tun, dass sie ganz anders geschult werden. Ich nenne es das Papageien-System:
der Lehrer zeigt etwas, und er Schüler repetiert. Keinerlei Eigeninitiative ist
gefordert, keinerlei selbstständiges Denken. Wenn z.B. ein intelligenter
Schüler fertig ist, dann wartet er wie die Schlange vor dem Mausloch und
probiert nichts anderes aus.

Wenn ich sage: hier könnt ihr selber ein Beispiel
einfügen dann schauen mich verwunderte Augen an und haben keinen Plan, was
jetzt zu tun ist. Wenn wir ein Beispiel machen für Preise von Esswaren und uns
vertun in den Preisen dann haben sie Mühe zu schreiben Mango KES 105 weil eine
Mango halt nur KES 20 kostet. „This is just an example“ können sie nicht
abstrahieren. Also mache ich als Praxisübung eine Adressliste mit ihren Namen
und sie müssen das abschreiben – das funktioniert bestens.

Das einzige Problem ist, dass die weniger guten
Studenten dann fast verhungern, weil sie lieber noch die Liste fertigmachen
möchten bevor sie in die Pause gehen. In den Pausen und am Mittag werden wir
nach Strich und Faden verwöhnt: es ist immer wieder ein Wunder für mich zu
sehen, wie auf diesen kleinen Feuerstellen solche fantastischen Gerichte
entstehen können. Jeden Tag ein anderes Menü mal mit Huhn, mal mit Rind, dazu
immer feines Gemüse, natürlich Ugali (Maispampe), aber für die Muzungus auch
Reis, Kachumbari (Tomatensalat), feinen Chai und Mahamris (Krapfen) – ein Festessen!

Bis auf zwei Mal funktioniert auch der Solarstrom
bestens, ich bin aber schon beruhigt, dass der Techniker gleich vor Ort
geblieben ist und dafür eine Excel Schulung mitgemacht hat. Er kann bereits
sehen, dass ihn dieses Wissen in seinem Job auch weiterbringen kann.

Nebst der strengen Arbeit lachen wir auch sehr viel
mit den Studenten, denn es gibt immer wieder herrliche Missverständnisse mit
der Sprache. Gottseidank kenne ich schon alle Zahlen auf Swahili und die Maus
nennen ich jetzt auch Pana für diejenigen, die gar nicht Englisch können. Jedes
Mal wenn jemand eine Frage stellt, die ich schon hundert Mal beantwortet habe,
nehme ich sie oder ihn an der Hand und führe sie zur Liste an der Wand und
lasse sie den Weg selber finden. Mit der Zeit machen sie das auch miteinander
und so herrscht ein reges Treiben in diesem Raum und am Schluss helfen sie sich
gegenseitig und sind sogar stolz darauf, den anderen etwas zeigen zu können.
Das lustigste Missverständnis ist aber als ich sage: we make a list of all the
bursaries (Stipendien) und ich spreche das „börseriis“ aus mit meinem American
Slang. Eine Studentin will und will das nicht verstehen und sie sagt, sie wisse
nicht, was das sei – obwohl sie täglich damit zu tun hat. Ich erkläre es ihr in
anderen Worten und wir finden uns dann nach meiner Erklärung und sie sagt: „aha
„basseries“ !!! Wieder ein Grund für langes Gelächter.

Ja selbst Olivia sagt, dass sie etwas gelernt hätte
und dass sie mir nie geglaubt habe, dass auch sie noch Freude an Excel kriegt!
Aber es ist wie mit allen Dingen: wenn du selber von etwas begeistert bist,
dann kannst du diese Begeisterung auch auf andere übertragen! Und das gehört
definitiv zu meinen Stärken und natürlich auch zu Onkel Peter, der am 3 Tag mit
der Elitetruppe noch richtig Spass am Schulen kriegt.

Am Abend sind wir jeweils sehr müde aber auch sehr
glücklich und ich habe immer viel vorzubereiten. So entscheiden wir, dass wir
am letzten Tag für die 4 besseren Studenten ein separates Programm fahren
werden und den anderen eine Aufgabe geben werden, die sie lösen müssen. So
kreiere ich noch bis 1 Uhr morgens eine Aufgabendatei, die auch gleich noch das
Feedback enthält, das sie ausfüllen können. Da kommt mir mein ehemaliger Job
als Expertin Blended Learning wieder sehr entgegen und ich mache eine Drag
& Drop Aufgabe und Wiederholungen von allen Funktionen, die sie in den
ersten Tagen gelernt haben. Das gibt ihnen ein totales Erfolgserlebnis und wir
stellen sicher, dass sie das alles umsetzen können. Den besseren Studenten
zeige ich am Schluss noch die Datei, die ich für das CDF kreiert habe, wo man
in Zukunft alle Ausgaben für alle Projekte, Stipendien etc. elektronisch
erfassen kann. So hat auch mein MP Peter einen besser Überblick über Gelder,
die gesprochen wurden. Quasi eine win/win Situation.

Im Vergleich zum Training vor einem Jahr sind wir weit
fortgeschritten: wir sind schon richtig schnell im Aufstellen und Installieren,
wir haben viel Geduld, wir können das Programm über den Haufen schmeissen, das
wir ursprünglich geplant haben, wir verstehen besser, wie wir mit den
verschiedenen Niveaus umgehen können, wir haben die Zertifikate (enorm wichtig)
schon vorbereitet und ausgedruckt, wir schwitzen nicht mehr so wahnsinnig und
wir – ja auch der Onkel Peter – sind viel relaxter und können es sogar richtig
geniessen zwischendrin. Marere erweist sich als wunderbarer Schulungsort: es
ist ruhig, es lüftelt immer schön, wir haben Platz und viele Helfer hier.

So kommt also das Happy End nach 3 Tagen mit
motivierten Studenten, die ihr Zertifikat stolz entgegennehmen und sich jetzt
nichts sehnlicher wünschen, als einen Computerraum, in dem sie das erlernte
Wissen anwenden können. Und unsere Idee, aus dem Marere Community Center einen
Trainingsraum für Computer zu machen wächst und wächst – und wenn jetzt der
richtige Sponsor meine Zeilen liest, dann wird der Traum bald wahr, denn es
braucht nur noch Fenster und Türen zum Abschliessen und einen guten Studenten
vor Ort, der aus Marere einen Ort der Ausbildung und somit der Hoffnung machen
kann.

 Ich höre nie auf an Happy Ends zu glauben!!!

���ѼLP:

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