2016: July 28 Ode an Olivia

Olivia musste um halb 1 am Flughafen sein. Unser
Fahrer Salim ist so zuverlässig. Er ist schon eine Stunde früher bei ihr im
Hotel und bringt sie sicher nach Mombasa.

Nach ein paar Stunden merke ich schon, wie ich diese
Frau vermisse. Sie ist einfach unglaublich. Darum schreibe ich hier, was die
Gründe sind warum ich sie so sehr mag.

Olivia und ich haben uns im Musical Sister Act
kennengelernt, das wir 2006 zusammen mit einer Supertruppe in der St.
Leonhardskirche in St. Gallen 50x aufgeführt haben. Ich habe sie damals schon
bewundert, denn sie gehörte zu den Tänzerinnen.

Ganz cool, wie sie sich bewegte und eine unglaubliche
Energie an den Tag gelegt hat. Ihre Mutter kannte ich aus Arbon ebenfalls, denn
wir waren mal in einer Fastengruppe zusammen. Den Vater erlebte ich ebenfalls
schon in seinem Jodelchörli.

Olivia hatte schon immer den Wunsch etwas in Afrika zu
machen, das die Menschen hier weiterbringt und ihr Wissen weiterzugeben. Als
sie dann in der Presse die Story las über Peter und mich war für sie klar: hier
will sie mithelfen. So hat sie mit mir Kontakt aufgenommen und sie war
natürlich für Peter und mich total willkommen. Für einmal jemand, der kein Geld
erwartet und der eigene Ideen hat. Sie hat also ihren Sabbatical benutzt um
einen Teil davon in Kenia zu verbringen.

Nach ein paar Wochen Schule geben merkte sie sofort,
dass sie so keine entscheidende Veränderung bringen kann. Sie fragte nach bei
Peter, was ihm denn am meisten nützen würde und er meinte, es würde sehr viel
bringen, wenn jemand die Primarschulen analysieren könnte. Er habe nämlich
keine Idee wie viele Schulen er in seiner Constituency habe und in welchem
Zustand seien.

So hat Olivia fast drei Monate damit verbracht, in die
hinterst letzten Käffer zu fahren, manchmal bei Regen mit Schaufel im
Kofferraum um sich zusammen mit Joshua dem Fahrer wieder aus dem Dreck zu
schaufeln. Sie hat einen Durchhaltewillen, mentale und körperliche Kraft an den
Tag gelegt, dass es für mich echt schon heldinnenhaft ist. Wir haben ihr nur
das Hotelzimmer finanziert und den Fahrer zur Verfügung gestellt und alles
andere hat sie von sich aus gemacht. Die Dokumentation, die sie für ihre
Abschlussarbeit geschrieben hat war dann die Grundlage für unsere Datenbank,
die uns jetzt enorm hilft um aufzuzeigen, wo was gemacht werden soll. So hat
unsere Teamarbeit bereits begonnen.

Aber Olivia ist für mich auch immer eine Stütze, wenn
ich an den Anschlag komme in der Schweiz, weil wieder mal alles trüb und düster
aussieht und sich mein engagierter Mann schon wieder lange nicht mehr gemeldet
hat. Ich rufe sie an und sie ist wieder ein Aufsteller mit ihrer klaren und
direkten Art. Wenn sie in Kenia ist dann können wir über alle Situationskomik
herzlich lachen, wir tauschen unsere Erfahrungen aus und sind froh, dass wir
ähnlich denken und ähnlich schnell (und manchmal auch ungeduldig) reagieren.
Nebst dem vielen vielen Geld, das sie gesammelt hat ist sie immer noch von
einer unglaublichen Grosszügigkeit aus eigener Tasche. Sie wohnt ganz einfach
bei einer Kenianerin, die in der Schweiz gelebt hat um auch sie zu
unterstützen.

Sie wird ungeduldig wenn sie zwei Tage lang nur am
Pool liegen sollte: sie will Action und sie will selber etwas tun. So geht sie
am liebsten direkt zu den Menschen in Ganze, bringt Ziegen und Essen und liebt
die Interaktion. Nicht zuletzt hat sie uns auch ihren lieben Onkel Peter nach
Kenia gebracht, der jetzt Computerkurse hält für verschiedene Gruppen.

Am Ende des Tages mit ihr einen Gin Tonic zu trinken,
eine Feierabendzigarette zu paffen und über den Tag und alles Erlebte (und
natürlich auch immer wieder über Männer…) zu sinnieren – es ist ein pures
Vergnügen. Nebst allem finde ich auch, dass sie eine echte Schönheit ist und
die kommt von innen.Auch wenn sie sich schon hundert Mal hätte mit einem
Kenianer einlassen können: sie liebt ihren Martin in der Schweiz und nutzt
daher diese Anmache auch nicht aus. Sie liebt zwar meinen Peter auch aber ich
bin sicher, das würde nie weiter gehen und so kann sie ihn noch so lange
umarmen – bei mir kommt auch keinerlei Eifersucht auf.  Aussen ist ihre Schönheit eh schon vorhanden,
aber trotzdem hält sie nie die Nase hoch, sie macht nie die anderen runter
sondern akzeptiert die Menschen so wie sie sind. Olivia: du bist eine
supergeniale Hammerfrau und ich schätze mich extrem glücklich, dass du in unser
Leben und in das Leben der Menschen in Ganze gekommen bist. Deine Bescheidenheit (auch wenn besserwisserische ehemalige Lehrerkollegen dir was anderes unterschieben wollen…) und dein selbstloser Einsatz sowie dein Power ist ein Segen für Ganze und du
bist mein Shining Light in Kenia. Wunderschön, dass es dich gibt und ich bin
sicher, wir werden zusammen noch Grosses erreichen in Peter’s Constituency.
Mwelekea mpya wa Ganze –  let’s make a
new Ganze!

Du fehlst mir hier und ich freue mich auf unsere
nächste Sitzung – heute habe ich eine Schule besucht, die dir gefallen würde.
Die Vonwald Schule – wer weiss, vielleicht wird auch unser Traum von einer
Vorzeigeschule einst Realität – ich hoffe es für alle Beteiligten. Ninakupenda
sana!

Q
(ѹhg�j

Teilen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert