2016: August 4: Schulen der Zukunft (in Ganze?)

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In puncto Blog war ich ein bisschen lasch in den
letzten Tagen. Aber meine Tage waren so ausgefüllt, ich habe nicht einmal die
Zeit gefunden zu schreiben was ich gemacht habe.

Eine Freundin aus der Schweiz hat mir eine Bestellung
für 2 Kleider aufgegeben, weil sie ihr auf den Fotos so gefallen hat. Dann habe
ich mich daran gemacht, den Businessplan für die Solartechniker von Light Up
Ganze zu schreiben, bzw. den Plan, den sie selber schon geschrieben haben
aufzupeppen. Wir sind immer noch dabei, Investoren für die Solarpanele zu
suchen und da braucht es etwas Hintergrundinformation. Dann werde ich noch den
strategischen Plan von Pro Ganze Kenia revidieren und ebenfalls ein paar tolle
Grafiken zu gestalten. Sie wollen eine Art 360 Grad Betreuung von Kindern
aufsetzen, d.h. mit ein paar ausgewählten Kindern, die sie nach Hause
begleiten, mit den Eltern und den Lehrern und anderen Bezugspersonen sprechen
um wirklich zu analysieren, wo überall eine Veränderung herbeigebracht werden
kann.

Durch eine wunderbare Familie, die ich hier im Hotel
Kilifi Bay kennengelernt habe wurde ich jetzt noch mehr auf die Vonwald Schule
hier in Kilifi aufmerksam. Sie sponsoren mehrere Kinder über die Vereinigung
Harambee (mehr Infos und ein absolut hörenswertes Hörbuch gibt es auf www.harambee.at – schaut es euch an, hört es
euch an, es zeigt ähnliche Probleme auf, mit denen ich auch zu kämpfen hatte
aber auch viele Lösungen, die ich auch erleben durfte). Sie haben mich
eingeladen, die Schule und ein zweites Projekt: eine Vocational School (eine
Ausbildungsstätte für diverse Berufe) anzusehen und da mein Mann wieder mal
nach Nairobi beordert wurde vom höchsten Boss nahm ich diese Einladung gerne
an.

Zuerst fahren wir also zum Kilifi Saida College und
ich darf den Vater des Leiters kennenlernen: Richard Karani, von dem ich ja
schon so viel auf dem Hörbuch gehört habe. Er ist mir auf Anhieb
sympathisch  – ganz ähnlich wie der
Kazungu vom Tea Room. Ein bescheidener, aufgeweckter und warmer Mensch. Ich
stelle mich kurz vor und ich sage natürlich immer: Mimi bibi wa Bunge Ganze,
Peter Shehe – ich bin die Frau vom Parlamentarier von Ganze, Peter Shehe.
Darauf bricht er in ein Freudengeschrei aus: er ist mein Onkel, irgendetwas von
Mütter und verwandt und das sei ein ganz wunderbarer Mensch. Hätte es je Eis
zwischen uns gegeben: es wäre jetzt gebrochen und ich gehöre natürlich dazu. Da
es kein Eis gibt fällt dieser Schritt weg und das Ambiente ist sofort sehr
wohlwollend und ich bin willkommen. Wir lernen seinen Sohn Simon kennen. Er hat
eine Ausblldung als Schreiner und ist genau so bescheiden wie sein Vater und
führt hier eine wunderbare Institution und ich bin sicher, er verlangt fast
kein Geld für die Ausbildung. Er bildet, Näher/Näherinnen, Schreiner,
Elektriker und IT Spezialisten aus. Wir gehen in jedes Klassenzimmer. Natürlich
müssen wir uns immer vorstellen: I am Elena, 14 years old, I am Mia (was auf
Kisuaheli Hundert heisst) and I am 11 years years old, I am A.J. and I am 13
years old. Und die Eltern Sandra und Rolf. Dann komme ich dran und beim Wort
Peter Shehe geht immer ein Raunen durch die Reihen und dieses Raunen ist
durchwegs positiv untermalt. Eine beispielhafte Schule kriegen wir zu sehen.
Die Computer sind aus dem letzten Jahrhundert aber sie lehren hier Adobe und
Webseiten Design und einiges dazu. Ich überlege mir schon, wie wir in Zukunft
zusammen arbeiten können – da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Meine
Hirnwindungen sind aktiviert.

Danach geht es jetzt zu der berühmten Vonwald Schule.
Ihr wisst ja, ich habe so meine Probleme mit dem sponsoren von einzelnen
Kindern, denn in Ganze wäre es mir nicht möglich auszuwählen, wer alles in
Frage kommt, denn dort sind wirklich alle Einwohner arm. Aber Gabi Vonwald, die
diese Schule gegründet hat und immer noch leitet hat ihr eigenes Verfahren und
das „verhebt“ für mich. Es sind die Ärmsten der Ärmsten aus Kilifi, die
ausgewählt werden. Sie geht selber bei allen zuhause zu Besuch und stellt
sicher, dass sich nicht auch noch Kinder von etwas weniger armen Familien
einschleichen. Im Gegenzug wird aber Disziplin gefordert. Die Kinder müssen
püntklich erscheinen und in der Schule eine gute Leistung bringen, die Eltern
müssen mitwirken und die Kinder nicht zuhause zurückbehalten wenn grad mal ein
Problem ansteht und auch ab und zu das Holz zum Anfeuern liefern. Es gibt einen
Elternrat, der mitwirkt.

Bei so einer Schule kommen mir fast die Tränen (und
Olivia und Onkel Peter kämen sie auch). Allerdings vor lauter Freude, dass so
etwas hier möglich ist. Alles ist sauber, gut unterhalten, in hoher Qualität
gebaut mit genügend Platz und einer super bestückten Bibliothek. Es geht
diszipliniert zu und her und die Kinder sind offen und fröhlich (und etwa so
laut wie die von Nairobi in der Pause). Solche Dinge sind also tatsächlich
möglich aber auch nur Dank dem Einsatz der lokalen Menschen und der
Zusammenarbeit mit vielen Europäern, die hier Kinder unterstützen. Ich sage
nicht, dass so etwas in Ganze auch möglich ist aber ich bin einfach glücklich,
dass Gabi Vonwald es geschafft hat, alle Hürden zu überwinden und so etwas
Tolles zu kreieren. Nelly, die mich ganz stolz
rumführt ist auch mit meinem Peter verwandt – wen wundert’s – und ich
habe so das Gefühl, ich hätte sie nicht zum letzten Mal gesehen. Die
Inspiration ist auf jeden Fall angekurbelt bei mir…

Weil Peter in Nairobi ist habe ich am Abend sogar noch
Zeit, meine Kollegin Sandra zu treffen, die hier für Comundo im Einsatz ist.
Wir verbringen einen schönen Abend im Makuti Villas, wo das Essen lecker ist
und wir tauschen unsere Kenia und Schweiz/Kenia-Erfahrungen aus und können
wieder richtig updaten und einen Frauenabend verbringen. Ihr gehört ein Tuk Tuk
und das bringt mich dann auch für KES 200 (CHF 2) sicher ins Kilifi Bay. Ein
Piki-Piki (Töfftaxi) zu nehmen hat mir Peter „verboten“, weil es sich nicht
gehört für eine First Lady! Ich glaube, es geht ihm mehr darum, dass es ihm
peinlich wäre, weil er mir kein Auto zur Verfügung stellen kann… kann ich
sogar noch ein bisschen verstehen.

Ihr seht schon: Langeweile ist auch hier kein Thema!
Einmal schaffe ich es sogar noch kurz im Pool zu schwimmen und mir eine Massage
zu gönnen. Ich freue mich immer, dass ich auch selbstständig hier etwas
unternehmen und bewirken kann – schöner wäre es noch mit Peter zusammen aber
ich habe mich schon seit einiger Zeit entschlossen: ich lebe mein Leben so,
dass ich es immer selbstständig leben kann. Wenn ein Mann dazu kommt, dann muss
er einfach gesagt einen „Zusatznutzen“ bringen. Das meine ich auch mehr
emotional als finanziell. Aber es muss mit ihm zusammen noch besser, noch
schöner, noch angenehmer sein als das Leben an sich schon ist!

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