2016: August 7 – Kann der Präsident von Kenia schwimmen?

Wenn du dich in diesem Blog schon mal gefragt hast: wo
ist denn auch Peter, hat der auch Zeit für Barbara? Ja diese Frage stelle ich
ihm auch immer wieder. Er ist so absorbiert in seiner Arbeit und gleichzeitig
liebt er sie ja auch total. So vergisst er ab und zu, dass er auch für sich
selber schauen sollte (der erste Effort ist, dass ich ihm meine Polar A360 Uhr
hier lassen soll…)oder halt auch ein paar Stunden für seine Frau reservieren
sollte, die ja durchaus Verständnis hat für die Situation und auch grosszügig
denkt. Aber wenn dann während dem Frühstück noch dauernd das Telefon läutet
oder irgend einer sich einfach hinstellt und zu quatschen beginnt, dann kann
ich schon etwas säuerlich werden. Ihr erinnert euch an den letzten Blog
Eintrag: ein Mann muss mein Leben verschönern und nicht verschlechtern… Also
lieber frühstücke ich alleine als mit jemandem, der dauernd am Telefon
schwafelt.

Oder dann diese ganz besondere Episode: da kommt ein
wirklich massiv übergewichtiger Typ, grüsst mich kaum und nimmt meinen Peter
vollkommen in Beschlag. Er sei mit Daniel (Peter’s Sohn) zur Schule gegangen
und früher hätte Daniel ihn immer geschlagen, aber heute bringe er ihm sogar
Schuhe aus der Schweiz mit und bla bla bla…. Mir gibt er grad so beiläufig und
ganz pfluderig die Hand und bleibt stehen und babbelt vor sich hin.

Am Abend gibt es beim Pool ein richtig schönes Dinner –
auch wenn es grad an diesem Abend etwas windig ist – so freuen wir uns auf
einen Abend an einem Zweiertisch und ohne irgendwelche Bodyguards, Fahrer,
Politiker etc. Doch da kommt der schwabbelige Typ vom Morgen wieder im
Anmarsch: er meint: Oh Dad (so schnell geht das…) I have to introduce you to some
people, we are starting projects in Ganze… So ganz beiläufig will er auch
mich wieder begrüssen doch ich fange ihn ab: Tonight my husband belongs to me –
you can talk about the projects tomorrow. Aber er will
sich nicht einfach so abwimmeln lassen. Die Projekte seien wirklich wichtig und
er soll jetzt schnell rüberkommen. Ich sage ihm, wenn die Projekte so wichtig
sind, dann sind sie es auch noch Morgen… Das verscheucht ihn temporär. Aber
schon ist er wieder im Anmarsch mit seinen Kollegen und stellt sie vor: ich
betone einmal mehr, dass wir jetzt gerne in Frieden und alleine unser
Nachtessen fortsetzen möchten. Die Freunde verstehen das sofort und gehen
wieder an ihren Platz aber der Schwabbel-Babbel-Mann insistiert und will auch
noch eine Foto mit Mheshimiwa machen. Jetzt treibt er es echt auf die Spitze:
ich frage ihn, ob er schwimmen kann. Er bejaht und sagt, er könne von hier bis
zur Kilifi Brücke schwimmen, warum? Meine Antwort: weil ich dich jetzt gleich
in den Pool schmeissen werde, wenn du uns nicht endlich in Ruhe lässt!!! Jetzt
beginnt er sich des langen und breiten zu entschuldigen: er hätte zuviel
getrunken und jetzt sei er halt aufgeregt, uns hier wieder zu sehen. Wir wimmeln
ihn jetzt gemeinsam ab und nach einem kurzen Dinner flüchten wir durch die
Büsche damit er uns bloss nicht mehr sehen kann.

Am nächsten Tag entschuldigt er sich dann und ist
ruhig wie ein Lamm (keine Ahnung, ob die Viecher auch ruhig sind aber sie
gehorchen meistens ziemlich… nicht so wie die Ziege, die wir am Abend von
Ganze nach Kilifi transportiert haben.Määähääää..) Unglaublich, wie hartnäckig
der Typ war.

Dann ist auch noch einer, der wegen einem speziellen
Projekt mit Peter sprechen möchte. Weil Peter sagt, er habe keine Zeit reist er
den ganzen Weg von Nairobi nach Kilifi (mindestens 6 Stunden Fahrt!!) und
wartet am Abend auf uns im Hotel. Er hat eine Businessidee aber kein Geld. Mama
mia – am Schluss muss ich ihm noch Geld geben für das Benzin retour nach
Nairobi.

Weil ich ja weiss, dass ich gewisse „Pflichten“ zu
erfüllen habe begleite ich Peter an zwei verschiedenen Tagen an für ihn
wichtige Veranstaltungen. Einmal an die Preisverteilung am Ausbildungstag. Die
Tänze, die Sprüche, die Witze und der Gesang – das ist für mich noch pures
Vergnügen. Auch wenn ich schon sehr gut im „Hintern wackeln“ bin und die
Einheimischen damit immer sehr amüsiere so muss ich noch einiges lernen, wenn
ich den jungen Leuten zusehe. Der zweite Teil: die endlosen Ansprachen
langweilen mich aber zu Tode. Ich spüre meinen Hintern schon gar nicht mehr und
würde ihn lieber wackeln als einfach auf dem Ehrenstühlchen zu sitzen. Zum
Glück ist aber Christine, die Präsidentin von Pro Ganze Kenia, noch dabei und
so können wir ein paar Pläne schmieden und unsere Dinge planen.

Am 2. Event, einem Fundraiser für die Waisen in einer
Schule werde ich aber ganz offiziell vorgestellt, muss auch meine Tanzeinlage
geben und kann es somit auch nicht vermeiden, auch noch eine Ansprache zu halten.
Ich sage aber immer, dass ich mich kurz fasse, weil ich weiss, dass mein Mann
es nicht unter 40 Minuten schafft. Das amüsiert die Leute immer und ich kann
auch in kurzer Zeit eine eindrückliche Rede halten. Ich habe mir ein paar
Giriama Ausdrücke (Lokalsprache, noch lokaler als Swahili) für die Begrüssung
angeeignet und das gewinnt immer die Herzen der Leute. Heute habe ich den Faden
von einem Vorredner aufgegriffen, der meinte, ein PHD (Doktortitel) heisst
nicht: Permanent Head Damage, denn das dürften die Leute
in der Schule nicht haben…

Ich mache meinen Speech aber mit P=Peace (Frieden),
H=Hope  (Hoffnung) und D= Dignity (Würde)
und mache den Menschen Mut, dass sie, wenn sie zusammen arbeiten Frieden in
ihrer Constituency haben werden und somit auch eine berechtigte Hoffnung auf
Hilfe haben dürfen – aber nur wenn sie zusammen arbeiten. Und dass sie nichts
dafür können, dass sie in dieser armen Gegend der Welt geboren sind und ich in
einer reicheren. Das haben wir uns nicht so ausgesucht. Auch wenn sie fast
nichts haben: ihr Würde dürfen sie nie aufgeben. Ich erhalte begeistertes
Klatschen und Zurufe und wir können den Ort nicht verlassen, ohne dass alle
noch eine Foto mit mir gemacht haben – na ja einfach die Mutigen, die sich zu
fragen trauten, denn sonst wäre ich jetzt noch dort – es waren ja mehrere
Hundert Menschen an der Veranstaltung.

Ja wenn ich solche Events erlebe verstehe ich, wie
Peter’s Zeit einfach dahin rinnt. Und ich bin dann auch ein bisschen
nachsichtiger, wenn er halt wieder mal keine Zeit für mich hat, obwohl er es
sicher mit bestem Wissen und Gewissen so geplant hat… Lass dich nie mit einem
(kenianischen) Politiker ein, wenn du nach Aufmerksamkeit suchst. Meine Zeit
ist die von 05.30h wenn er aufwacht bis zum Frühstück, denn dort ist bestimmt
wieder der nächste Bittsteller, der etwas von ihm will. Und wenn wir dann mal
wirklich Zeit hätten, dann kommt noch der Oberboss (Uhuru Kenyatta) und
beordert Peter nach Nairobi, wo etwas noch Wichtigeres ansteht. Ihn habe ich
noch nie persönlich getroffen und ich weiss auch nicht, ob ich ihn fragen
würde, ob er schwimmen kann…

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