Januar 3, 2017 – Tot oder lebendig?

Seit ich hier angekommen bin habe ich nicht einmal die
Energie im Blog zu schreiben. Ich muss mich zuerst einmal erholen von der
ganzen P(l)ackerei der letzten 4 Monate. Seit ich aus Kenia retour bin gab es
nur räumen, packen, zügeln, einräumen, packen, zügeln…

Ich bin dann aber einigermassen beruhigt abgereist:
meine Wohnung ist der Hit, ich habe temporär einen Lagerraum gemietet für den
Überschuss aus meinem Haus. Die Wohnung meiner Mutter ist aufgelöst und
verteilt auf 4 verschiedene Orte, Max und Mamush sind zusammen im gleichen
Zimmer im Pflegeheim in Arbon wo es ihnen gut geht. So dachte ich…

Am 31. Dezember erreicht mich die Nachricht von meiner
Mutter: Max lebt noch…Ruf mich an. Also mache ich mal eine Ausnahme und rufe
vom Schweizer Handy aus an. Dummerweise hat meine Mutter den Übergang in die
Smartphone-Welt nicht geschafft. Sie hat sich immer auf ihren Lebenspartner Max
verlassen, was mich immer etwas genervt hat. Daher kann ich ihr jetzt auch
keine Fotos schicken oder mit Whatsapp telefonieren, was die Kommunikation
ziemlich erschwert   vor allem wenn ich
nicht in Nairobi bin. Natürlich hat sie auch versucht, mir vor der Abreise noch
ein schlechtes Gewissen zu machen, denn sie mag es einfach nie, wenn ich nach
Kenia reise.

Aber ich lasse mich da nicht beirren… Mütter können manchmal echt versuchen, das Leben zu manipulieren… aber nach
dieser Nachricht rufe ich sie also doch an – sie meinte, jemand im Pflegeheim
habe gesagt, Max sei gestorben aber das stimme gar nicht. Er sei im Spital und
verwirrt aber er lebe noch. Oufff…

Peter und ich feiern dann eine ganz friedliche
Sylvester-Nacht. Noch nie zuvor waren wir beide alleine zum Jahresende und wir
haben es enorm genossen. Keine Telefone, Dinner for One auf dem Laptop, ein
feines Raclette mit afrikanischem Wein, Dessert und genügend Prosecco zum
Anstossen. Tanzend beschwingt sind wir ins neue Jahr gestartet.

Nach einem richtig langen Ausschlafen schaue ich
sofort aufs Telefon und dieses Mal schreibt mir meine Nichte Colombe, sie müsse
mir mitteilen, dass Max letzte Nacht von uns gegangen sei. Die Trauer ist
gross, ich weine und denke aber plötzlich ob es wohl wirklich wahr sei nur um
herauszufinden, dass sie jetzt meine Mutter am Telefon falsch verstanden hat.
Viele Tränen für nichts, auch wenn Max mit einer Lungenentzündung und einem
Herzinfarkt sicher nicht grad auf dem besten Weg ist. Aber er lebt und ich kann
aufhören mir Überlegungen zu machen, ob ich retour reisen soll nachdem ich doch
gerade erst angekommen bin. Ich finde es noch spannend, sich Überlegungen zu
machen: was ist in einem Todesfall das Wichtigste: mit dem Herzen oder physisch
present zu sein? Ich glaube wir begleiten die Zurückgebliebenen und geben ihnen
Trost. Also ist es wichtig, dass wir ihnen die notwendige Nähe bringen. Ich
sage sowieso immer, dass der Tod für die Verstorbenen kein Problem sei, nur für
die Zurückgebliebenen. Ich bin jetzt aber froh, dass es eine Falschmeldung war
und ich meine Erholphase fortsetzen kann.

Da ich keine konkreten Pläne habe für diese Reise
frage ich mich, was mich in Kenia (ausser meinem Mann) richtig glücklich macht:
und das was mich am meisten fasziniert sind die Safaris, wobei das Wort ja
falsch gebraucht wird, denn Safari ist einfach das Wort für eine Reise. Daher
heisst ja auch mein Peter mit dem Mittelnamen Safari weil er auf einer Reise
zur Welt gekommen ist. Er muss so bald als möglich nach Ganze, denn die Jugendlichen (siehe letzter Blog-Eintrag im August) beginnen jetzt ihre Arbeit und es ist gut, wenn er ihnen ein bisschen Feuer unterm Hintern macht. 

Und so strecke ich die Fühler aus für eine „Tier-Safari“.
Dass Peter nicht mitkommt ist mir klar aber ich habe den Fahrer Salim und den
Bodyguard Nelson zur freien Verfügung. Und so mache ich mit Hilfe von guten
Hotelconnections meinen Plan für die nächsten 3 Tage: 1 Nacht im Amboseli Park
(hoffentlich mit Sicht auf den Kilimanjaro) und 2 Tage in der Salt Lick Lodge
in Taita Hills, das an den Tsavo West angrenzt. Ich beginne mich wie ein Kind
zu freuen – das wird spannend und ein erholsames Erlebnis und natürlich schön
feudal im eigenen Auto. Salim war früher bei Kuoni Safari-Fahrer und er sieht
die Tiere immer bevor alle andere sie sehen können. Zu blöd, dass ich jetzt
keine gute Kamera mitgenommen habe auf diese Reise aber die Bilder bleiben ja
auch in der Erinnerung – es muss gar nicht immer die grosse Bilderjagd sein.

Ich freue mich auf spannende drei Tage und
verabschiede mich ziemlich sicher vom Netz…

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