Januar 07, 2017 – You are very lucky Madam

Die Safari beginnt etwas verspätet, denn der Nairobi
Verkehr ist grässlich wie immer und wir müssen noch ein Dokument hinterlegen,
das mein lieber Honorable vergessen hat. Aber dann kann der Roadtrip losgehen.
Zielstrebig fährt Salim, der Fahrer, in Richtung Amboseli Park. Salim ist ein
witziger Driver, d.h. wenn er genau weiss, wohin er muss, dann ist es kein
Problem. Macht er etwas aber zum ersten Mal oder ist die Situation leicht
verändert dann kommt er vollkommen aus dem Konzept. Dieses Mal ist es das
Hotel, das er nicht mit 100%iger Sicherheit kennt. Ich merke es ihm schon an,
er fragt hundert Mal nach, wie es denn jetzt genau heisse.

Plötzlich unterwegs schreie ich auf: der Kilimanjaro!
Salim kann es selber kaum glauben: er betont immer wieder, dass unzählige Leute
unzählige Mal hierher kommen und den Kili dann doch nicht sehen. Und heute hat
es unten ein paar Wolken aber man sieht ihn ganz gut und deutlich. Ich weiss
nicht, wieviele Male es mich noch wurmen wird, dass ich keine richtige Kamera
und kein Fernglas dabei habe. Das kommt jetzt sofort auf meine Packliste, die
schon ziemlich lang ist!

Nach x-maligem Nachfragen kommen wir im Hotel Kilima
an. Es gehört zur selben Hotelkette wie das Kilifi Bay, das in Kilifi ja schon
fast meine Heimat ist. Ich habe einen guten Deal durch den Hoteldirektor dort
gekriegt. KES 12‘000 (ca. CHF 120) mit Vollpension und Fahrer wie Bodyguard
zahlen je KES 1‘000 (ca. CHF 10) , d.h. ich bezahle es natürlich für sie. Das
Zimmer begeistert mich vollends: eine riesige Badewanne und eine Art Kombi Zelt
/ Häuschen und natürlich: Blick auf den Kilimanjaro. Einfach total imposant und
zum Ausflippen cool. Es scheint kaum andere Gäste zu haben und wir lassen uns
mit einem feinen Lunch verwöhnen. Dann beginnt nach der Siesta die erste Game
Drive. Die Formalitäten sind lange – ich habe das Gefühl ihnen passt es nicht,
wenn man mit einem eigenen Driver kommt aber Salim meint, es sei kein Problem
sie hätten es nur nicht gerne, wenn man mit einem kleinen Auto kommt – das ist
aber bei unserem Toyota Landcruiser kein Problem. Der Eintritt kostet USD 60
für eine Muzungu und ca. USD 8 für den Fahrer und noch was für das Auto. Ich
finde es fair und es gilt auch noch am nächsten Morgen für einen Game Drive.

Was am Amboseli wirklich beeindruckend ist, das ist
die Landschaft. Es ist wirklich furztrocken und daher sieht man die Tiere gut.
Und im Hintergrund immer die Silhouette des Kilimanjaro, den ich jetzt nach dem
Matterhorn zu meinem Zweitlieblingsberg deklariere!  Wir sehen ganze Herden von Zebras, Elefanten,
Gnus, Dik Diks – alle möglichen Arten von Antilopen, Büffel, Kenya-Express –
das Warzenschwein, das aus dem Lion King bekannt wurde als Pumba und wahnsinnig
viele Vögel. Diesbezüglich habe ich ja keinen blassen Dunst aber der ehemalige
Botschafter der Schweiz, Jacques Pitteloud, ist ja in etwa der beste
Vogelfotograf den ich kenne und so weiss ich um die Vielfalt an Vögeln in
Kenia. Also wenn dir bei einer solchen Safari, auf der wir dann sogar noch 2
Löwen gesehen haben nicht die Spucke wegbleibt, dann kann ich dir nicht helfen.
Es ist ein so eindrückliches Erlebnis. Und das sage ich als
Nichtwahnsinnigtiervernarrte. Es ist so etwas von anders als in  einem Zoo, es ist irgendwie wie umgekehrt.
Einfach ein riesengrosses Wow-Erlebnis. Im Hotel hat es auch noch einen
Aussichtspunkt, wo das Panorama unglaublich ist.

Ich hätte es nie gedacht, aber da ich ja in Nairobi
kein Bad nehmen konnte, weil der blöde Stöpsel nicht vorhanden ist (die
chinesische Bauweise zeigt immer mehr ihre Mängel: bei den Kästen wellt sich
der Plastik – der eigentlich Holz sein sollte, es hat überall Risse und zieht
durch alle Ritzen rein… wirklich made in China…) reizt mich diese „Out of Africa
Badewanne“ dermassen, dass ich den Versuch starte ein heisses Bad einlaufen zu
lassen. Ich fühle mich fürstlich und geniesse das Baderitual wie selten! Die
Nacht hat dann ihre Tücken, weil irgendein rebhunähnliches Ding gegen meinen
Zelt-Teil klatscht und ich immer noch das Bild von der Python vor Augen habe,
die ich am Nachmittag mit einem ausgeliehenen Fernglas ansehen konnte. Aber
irgendwann kommt der Tiefschlaf mit ganz komischen Träumen, die ich hier in
Kenia meistens habe – sie sind aber meistens auch erleuchtend und zeigen
gewisse Themen auf, die halt am besten nachts verarbeitet werden.

Ich gehöre jetzt weiss Gott nicht zu den
Frühaufsteherinnen aber für eine Safari muss ich fast nicht den Wecker stellen.
Vor dem Sonnenaufgang bin ich bereit. Im Zimmer hat es zwar einen Teekocher,
aber das Kabel daran ist so kurz, dass ich zuerst noch ein bisschen umbauen
muss bis ich eine Tasse heissen Kenia-Tee geniessen kann – etwas, das ich hier
wieder schätzen gelernt habe. In meiner Zeit in England habe ich mir das schon
mal angewöhnt, denn dort wird zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit
(z.B. wenn du morgens um 02.00 noch ein Problem besprechen möchtest „Let’s have
a cup of tea my love“…) Tee getrunken als Ritual. Hier liebe ich am besten
den Tee (Chai), der mit diversen Kräutern gebraut wird und dann mit Milch
aufgekocht wird: Mixed Tea. Meine Tasse ist zwar eher konventionell aber sie
bringt mir doch einen Kickstart für den bevorstehenden Game Drive. Wir sind
sogar die ersten im Park – einfach herrlich. Noch keine anderen
Motorengeräusche – es ist wie das Eintauchen in eine andere Welt. Der
Kilimanjaro ist schon wieder wolkenlos (you are very lucky Madam meint mein
Driver) und das ganze Tier-Universum ist am Aufwachen. Da hat sich das
Aufstehen mehrfach gelohnt. Fotos kann ich nicht viel gescheite machen, denn es
ist zu „hazy“ aber die Fotos, die mit dem Herzen gemacht sind bleiben auf der
Festplatte. Ein Erlebnis, das ich allen Menschen einmal gönnen möge. Ich komme
wieder in Kontakt mit der Natur – etwas, das mir als „City-Girl“ sonst eher
fehlt.

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Das Frühstück hat selten so gut geschmeckt und danach
folgt eine sehr sehr holprige und stundenlange Fahrt entlang der Grenze zu
Tansania. Phasenweise habe ich schon das Gefühl, dass der Fahrer die
Orientierung verloren hat aber peng: plötzlich taucht eine grosse
Elefantenherde auf und wir sind an unserer neuen Destination angekommen: Sarova
Salt Lick Lodge in Taita Hills. Es ist schon halb drei aber wir kriegen doch
noch einen superfeinen Lunch vom Buffet. Nelson, der Bodyguard ist sehr happy –
so kann er endlich wieder seinen Teller füllen – und er macht es: Vorspeise,
Hauptspeise und Dessert werden auf einen enormen Teller aufgefüllt, dann ein
Arm auf den Tisch und jetzt wird geschaufelt, was das Zeugs hält – so geht das
dann die nächsten 2 Tage und er ist (noch) begeistert vom Hotel.

Da ich vor ein paar Jahrenmit Eva Maron schon mal hier
war und wir eine extrem gute Zeit hatten ist es ein bisschen wie nach Hause
kommen. Teilweise erkennen mich die Waiters wieder und überall wird „Barbra“
gerufen – ein sehr herzlicher Empfang – für mich. Der Bodyguard ruft mich vor
dem Nachtessen an: sie hätten noch kein Zimmer erhalten. Ich spreche mit der
Reception und will mich grad entsetzen darüber, da erklären sie mir, dass die
Fahrer-Zimmer halt einfach ein grosser Raum mit Betten seien und dass die
beiden ein separates Zimmer möchten was sie aber nicht anbieten können… Hier
kommt die Hierarchie wieder ins Spiel. Die beiden sehen sich natürlich deutlich
höher in der Pyramide als die normalen Safari-Fahrer, die Touristen rumfugen.
Schliesslich sind sie die Angestellten vom Honorable Peter Shehe und jetzt
unterwegs mit der First Lady von Ganze. Zudem ist der Bodyguard noch bewaffnet
und kann doch nicht mit dem Pöbel schlafen! Ich bin etwas entnervt, da ich
finde, sie müssten die Situation selber lösen und vor allem waren wir ja schon
mal in diesem Hotel und der Fahrer kannte die Situation. Mit ihm spreche ich
dann auch etwas „zackig“ und erkläre ihm, dass sie eine Lösung finden müssen,
da ich ganz bestimmt nicht KES 20‘000 für sie bezahlen werde pro Nacht. Sonst
müssten sie halt nach Voi retour fahren und dort ein billiges Zimmer suchen.
Der überaus unterwürfige Salim sagt dann, dass er das versteht und er werde
eine Lösung finden, was dann – wie auch immer – geschieht. Es ist immer eine
Gratwanderung, wie viel Nähe man zulässt zwischen den „Angestellten“ und sich
selber. Weil es so wenige Touristen hat und ich alleine unterwegs bin habe ich
jetzt z.B. immer mit ihnen zusammen gegessen. Das ist aber schon nicht der
Normalfall und so bemerkt sogar die Frau im kleinen Laden Salim gegenüber, dass
er doch ein unglaubliches Glück habe, so gut mit seinem „Boss“ (damit bin jetzt
ich gemeint) auskomme…

In Kenia ist es ja z.B. auch üblich zum Essen einen
Saft zu trinken und so bestellen die beiden jeweils einen Saft und ein Wasser.
Diese Rechnung kommt dann also immer auf etwa 12 Franken pro Essen. Als Salim
dann jeweils ganz ohne Nachfragen noch einen zusätzlichen Saft bestellt frage
ich ihn einfach mal so per Äxgüsi ob er wisse wie viel ein Saft hier koste…
Er meint natürlich  der Preis sei wie in
Kilifi und merkt dann aber auch, dass er es in Zukunft wohl besser bei einem
Saft belassen sollte… Es sind Details aber am Schluss mache es dann eben doch
einen grossen Unterschied, denn an das Gute gewöhnt sich jeder Mensch sehr
schnell.

Es folgen zwei unglaubliche Safari-Tage: Leoparden,
Löwen, riesige Herden von Büffeln, Zebras, Elefanten und ein paar Giraffen,
normale Affen etc. etc. und eine fantastische Landschaft. Dazu kommt natürlich
der „Trick“ mti dem Wasserloch beim Hotel und ich sitze in meinem Zimmer auf
meinem Bett– das mit einem Herz und Happy New Year aus Blumen dekoriert wurde –
und schaue einfach durch mein Fenster auf den Tierfilm, der hier abläuft. Für „Anfänger“
ist dieses Hotel einfach ein geniales Erlebnis und soooo ruhig, da die Kinder
nicht alleine unbeaufsichtigt rumspringen dürfen und es sowieso keinen Lärm hat
(keine Elevator Musik beim Abendessen, keine Shows). Das Einzige was mein Ohr
stört ist ein Deutscher, der permanent auf seine 2 Begleiter einlabert. Er ist
selbst schon eine Erscheinung wie aus einem alten Film aber ich höre nur
Brocken seiner „Lecture“: er spricht vom Bösen und Guten, vom Verzeihen und
davon, dass das jüngste Gericht irgendwann kommt und blablabla – aber nicht nur
stundenlang sondern tagelang. Ich frage mich, ob seine beiden Kumpanen (beides
Kenianer) etwas verstehen, denn ich sehe sie nur nicken und nie etwas sagen.
Aber irgendwann höre ich, dass mindestens der eine etwas Deutsch kann. Es kommt
mir aber vor, wie wenn sich der Mann ein Tummelfeld für seine Theorien gekauft
hätte. Es hat sowieso ziemlich schräge Figuren aus allen Herren Ländern im
Hotel undn ich amüsiere mich köstlich.. Es ist also gewissermassen nicht nur
eine Tier- sondern auch eine Menschensafari.

Wow – was für ein Erlebnis: wir fahren los Richtung
Kilifi, wo das Abenteuer in einer anderen Form weitergehen wird. Ich fange an
Kenia wirklich zu lieben!!!

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