Januar 8, 2017: Nicht nur paradiesisch

Nach der Rückfahrt auf der neuen Strasse, die es ermöglicht Mombasa zu umfahren und direkt von Mariakani nach Ganze zu fahren (Peter sei Dank!) haben wir den Bodyguard in seinem kleinen Hüttchen abgeladen. Was mich immer wieder erstaunt ist, dass die Leute kein Gefühl für Sauberkeit haben – oder mindestens die meisten. Um die Hütte liegt Abfall bis zum Gehtnichtmehr. Sogar vollgeschissene Windeln und alles mögliche an Abfall liegt da wohl schon seit Monaten rum. Ich frage mich echt, ob die Schweizer da einfach andere Gene haben… Aber ich muss die Antwort erst noch finden und jetzt halt trotzdem das Stehklo benutzen…

Auf dem Rückweg will ich Liliane treffen, meine Schweizer Freundin, die ursprünglich für Pro Ganze einen Einsatz leisten wollte. Ich habe sie dann an die Vonwald Schule vermitteln können, da wir ja nicht eingerichtet sind um Volontäre zu beherbergen. Sie haDie t im Vorfeld Gaby Vonwald, die Gründerin, getroffen in Wien und ist voller Enthusiasmus um 4h morgens in deren Wohnung angekommen. Sie zu finden ist gar nicht so einfach, denn alles was sie sagen kann ist, dass sie in den Hilltop Apartments ist und in der Nähe ein Spital ist auf der Karte. Aber wir machen die Person ausfindig, die sie hingebracht hat und so können wir sie bald abholen und eine Kilifi-Rundfahrt mit ihr machen. Wo ist die Bank, der Markt, die Schneiderin (sie darf bei der Arbeit keine Hosen tragen – Kleider sind ein “must”), ein paar Restaurants, das Cybercafé und natürlich der Supermarkt Tuskys? Dort decken wir uns mit den überlebenswichtigen Dingen ein. Nachher nehme ich sie ins Hotel mit, das ihr super gefällt. Als wir ins Pool-Restaurant gehen winkt uns schon Christiane aus der Poolliege! Christiane habe ich letztes Jahr kurz getroffen weil sie ihren Geburi im Kilifi Bay gefeiert hat. Seither verfolgen wir unsere Leben auf FB und es ist einfach herrlich, wie nahe man sich so kommen kann. Zusammen mit ihrem Lebenspartner tauschen wir unsere Lebensgeschichten aus. Es ist so spannend und amüsant und wir verbringen einen spannenden Nachmittag voller interessanter Informationen und mit viel Gelächter! Wir finden auch raus, dass wir gemeinsame Bekannte haben und Hobbies teilen. Wenn alles klappt – Inshallah – werden wir uns am nächsten Sonntag zum gemeinsamen Barbecue treffen. Liliane scheint sich schon sichtlich wohl zu fühlen auch wenn sie tropft und klebrig ist wie ich. Aber das gehört hier halt dazu.

Unsere Diskussion über Malariaprophylaxe gibt mir zu denken. Markus kommt seit 20 Jahren nach Kenia und er sagt, dass die Nebenwirkungen der Prophylaxe viel schlimmer seien als wenn man Malaria kriegt und sich sofort behandeln lässt! Ich habe mir das auch schon überlegt aber während meinem CAS in African Affairs hatten wir Besuch vom Tropischen Institut in Basel und die zeigten auf, wie gefährlich diese Krankheit ist. Ich bin hin- und hergerissen aber wahrscheinlich hat Markus Recht. Was noch dazu kommt ist, dass die Medikamente unglaublich teuer sind. Fast zeitgleich fragt eine Freundin aus der Schweiz, ob sie für Zanzibar wirklich eine Malariaprophylaxe machen soll… Guter Rat ist wohl ebenfalls teuer…

Der Sonntag ist wieder voller Meetings zu den verschiedensten Themen: phasenweise sitzen 5 verschiedene Interessengruppen rund um den Tisch: wir planen mit dem Architekten das neue Spital in Mbudzi weil der andere Architekt nicht vorwärts mach mit den Zeichnungrn. Ich insistiere, dass es unbedingt eine Abteilung für Alternative Medizin geben muss, denn die lokalen Kenntnisse müssen unbedingt auch Platz haben. Das löst eine riesige Diskussion aus und ich werde meinem Namen Mama Kaya gerecht indem ich mich für die lokalen Interessen einsetze. Dann sind da noch diverse andere Diskussionen angesagt: mit Richard Karani spreche ich über eine Zusammenarbeit mit seiner Berufsschule Saidia College um unsere Computer sinnvoll einzusetzen, da ich nach meinem euphorischen Enthusiasmus das letzte Mal einen Rückschlag erlitten habe. Es ist und bleibt schwierig den Menschen hier zu trauen. Mittendrin kommt noch die Nachricht, dass ein deutscher Tourist das Zeitliche gesegnet hat. Polizei, die Botschaft und alle sind auf der Matte um herauszufinden, was wirklich passiert ist. Natürlich gibt es Gerüchte, dass er umgebracht wurde aber es sieht eher so aus, dass er Schwimmen ging und wohl einen Herzinfarkt dabei hatte. Wir werden die Wahrheit vielleicht noch erfahren.

Das Hotel hat zwar ein bisschen renoviert aber dafür verlangen sie jetzt auch CHF 12 für einen Burger was fast doppelt so viel ist wie im August. Wahrscheinlich haben sie Angst weil der Bau eines Luxushotels ganz in der Nähe angekündigt wurde. Aber bis das steht wird auch noch viel Zeit vergehen und ob Preise erhöhen die richtige Strategie ist bleibt fraglich. Für eine Tag am Pool haben sie bisher CHF 3 verlangt – jetzt haben sie auf 15 erhöht! Das grenzt ja schon fast an Wucher!

Zwischendurch lese ich die Zeitungen und die zwei Governors von Kilifi und Mombasa haben dem Präsidenten den Kampf angesagt und ihn öffentlich beleidigt, was zur Folge hatte, dass ihnen alle Bodyguards (jeder hatte 20 Sicherheitsleute!!!) entzogen wurden. Der Governor von Mombasa hat aber so viel Geld aus Drogengeschäften, dass es ihn nicht kümmert und der kleine Amason Kingi führt sich auf, als ob er selbst der Präsident sei. Ach ja und noch zwischendurch muss Peter den Transport eines toten Kindes von Nairobi nach Ganze bezahlen und organisieren. Die Mutter ist vollkommen mittellos und hat sich an ihn gewendet in ihrer Verzweiflung. Als MP konnte er wenigstens erreichen, das die Spital- und die Aufbahrungskosten reduziert wurden aber für den Transport kommt er einfach aus purem Mitleid auf. Schade, dass sich die Leute hier nicht zu einer Kremation durchringen können aber Peter erklärt mir einmal mehr, dass die Leute hier 700 Jahre hinter unserer Kultur sind und es nie in Frage käme jemanden zu kremieren, weil das die grösste Schande wäre. Natürlich liebe ich meinen Peter für solche Aktionen und sein grosses Herz auf der anderen Seite muss ich mich auch damit abfinden, dass er nie ein reicher Mann sein wird. Reich an Gefühlen und Empathie aber nicht an Finanzen…

Zwischendurch haben wir auch noch Zeit uns unsere Zukunft nach der Pension auszumalen. Winter in Kenia und Sommer in der Schweiz… Die Zukunft wird zeigen, ob wir das umsetzen können aber wir nennen es jetzt mal unsere Vision 2022!

Das zelebrieren wir dann mit einem übertrieben üppigen Essen im Kilifi Club… Es hat sogar noch für den PA etwas übrig! Zeig mir den MP, der seinem Assistenten noch das Nachtessen vorbei bringt! Er ist unschlagbar gütig!

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