Januar 10, 2017 – Kleine Dinge machen glücklich

Die Arbeit beginnt wieder. Nach einer Massage im Hotel beginnt der erste Roadtrip nach Ganze: der erste Stop ist in Marere. Peter hat durch das CDF eine neue Frau eingestellt: sie heisst Mary und scheint ein toughe Lady zu sein! Sie macht ein zackiges Briefing mit Peter und übergibt alle Anträge für Stipendien und klärt eine ganze Menge Dinge mit ihm ab. Ihre Ausbildung hat sie als Sanitär gemacht und sie erklärt mir, dass sie alles erreichen kann und nicht auf andere angewiesen sei. Solche Personen faszinieren mich hier immer wieder. Mit den ganzen widrigen Umständen hat sie sich entschlossen das Leben in die eigenen Hände zu nehmen und nicht auf andere zu warten die helfen könnten.

Wenn Peter in seiner Heimat ist dann funktioniert die Buschtrommel: innerhalb von wenigen Minuten kommen sie hinter jeglichen Büschen hervor. Zu Fuss, mit Piki-Piki mit dem Auto. Und sie wollen alle etwas: Unterstützung, Ratschläge, etwas zu Essen, einen Job und natürlich Geld. Dieses Mal sind wir aber recht effizient im Abwimmeln und wir gehen mit einem ganzen Umschlag an Anträgen für Schulgelder weg. Ende Jahr sind die grossen Prüfungen. Die guten Primarschüler, die mind. 300 Punkte (von max 500) erreicht haben werden für die Sekundarschulen eingeteilt. Alles gut und recht – bei Peter’s Ganze sind es dieses Jahr 1093! Einige werden in Schulen eingeteilt, die sehr weit weg sind. Jetzt können sich viele Eltern aber nicht einmal Schuhe für die Kinder leisten. Geschweige denn die notwendige Uniform oder gar den Transport zur Schule! Peter sieht es nun als seine Aufgabe, allen Principals der Schulen anzurufen um ihnen zu sagen, dass die Kinder vorerst einfach einmal aufgenommen werden müssen, selbst wenn noch nicht klar ist, wer das alles finanziert. Dazu müssen die Kinder aber umgeteilt werden, denn ausserhalb von Ganze hat Peter den Einfluss nicht bzw. diese anderen Schulen würden diese Kids gar nicht akzeptieren! Ein ganz schwieriges Kapitel.

Auf dem Weg nach Mbonga sehen wir eine Gruppe der NYS (National Youth Service) und ich bin so happy, dass es hier endlich etwas Positives zu berichten gibt. Im August (siehe letzter Blogeintrag vom letzten Trip) wurde bestätigt, dass in Ganze über 1000!!! Leute angestellt würden vom NYS. Das war jetzt ein langer Prozess aber jetzt ist das Resultat hier. In verschiedenen Gruppen und in jedem Ward wurden die angestellt, die über 23 sind und normalerweise nicht mehr für den “normalen NYS” in Frage kommen. Sie beschäftigen sich mit Umweltthemen, säubern den Busch und die Strassen und machen allerlei sinnvolle Dinge. Sie tragen grüne T-Shirts wo vorne draufsteht: True to self – true to country und hinten: prepared for greatness – Ganze cohorts. Sie kriegen pro Tag KES 300 und es werden noch KES 124 für sie gespart, damit sie nach dem 6-monatigen Einsatz etwas auf der Seite haben. Ein tolles Konzept! Es herrscht natürlich eine grosse Aufregung, weil der MP vorbei kommt und ihnen den Respekt entgegen bringt! Ich kämpfe mit meinen Freudentränen. Freude für das Erreichte und Freude für all diese Leute, die so einen Lebenssinn haben. Ich gratuliere meinem Mann und er sagt ich könne jetzt allen eine Soda kaufen beim Araber in Jaribuni. Voller Vorfreude gehen wir zu seinem Laden aber leider gab es keine Sodalieferung und wir müssen uns mit kühlem Wasser begnügen.
Vor dem Laden werde ich von Kindern belagert, die Fotos möchten. Der kleine Kassim möchte mir sogar seine Tanzkünste vorführen.

Dann besichtige ich Mbonga, wo wir das nächste Geld einsetzen werden für die Fertigstellung der Schule. Unser Projekt hat die Aufmerksamkeit des Red Cross gewonnen und dieses hat einen grossen Wassertank und wunderschöne Toiletten mit je 1 Toilette für Handicapped gesponsert. Das einzige aber grosse Problem: es hat weder für das eine noch das andere Wasser, was bedeutet, dass die 450 Schüler und alle Lehrer weiterhin 2 alte Plumpsklos benutzen. Die Leute sind hier sehr glücklich für alles was wir ihnen bisher ermöglichen konnten. Im April planen Olivia und ich die grosse Eröffnung der Schule. Dafür werden wir bestimmt noch einmal eine Spendenaktion lancieren.

Als letzte Etappe steht noch ein Besuch im Busch bevor. Hier ist Peter dran eine weitere Schule zu bauen. Während er mit dem Baumeister alles besichtigt frage ich mich, warum sich alle so neugierig um mich scharen. Das Rätsel ist schnell gelöst: sie haben alle noch nie eine Muzungu live gesehen und so machen wir eine Fotosesssion und sie versuchen, ihre spärlichen Englischkenntnisse an mir auszuprobieren.

Das Tagesende besteht darin, mit Liliane bei der Schneiderin vorbeizuschauen und dann bei Peter’s Schwester Nelly ein traumhaftes Nachtessen unter Sternen zu geniessen! Sie ist einfach grossartig und zaubert immer mit wenigen Mitteln ein Gaumenfest für die Sinne!

Auch am Tag 2 besuchen wir Peter’s Projekte und das CDF Büro, das in einem desolaten Zustand ist. Es hat keine Gestelle für die Dokumente. Diese liegen wild zusammengewürfelt am Boden und als Lucy sich daran macht ein bisschen aufzuräumen kriechen Würmer und Lizard draus hervor. Es hat zwar einen Computer mit Ubuntu und Libre Office drauf aber man kann nichts speichern und Internet ist sowieso nicht vorhanden. Wasser und Schreibzeug müssen die Angestellten sogar selber mitbringen. Lucy sagt sogar, dass sie ab und zu Wasser von zuhause mitnimmt um das Büro zu putzen! Solche Erfahrungen sind fast unglaublich aber offensichtlich wahr!

Im Büro sortieren sie die grossen Stapel von Anträgen und beginnen dann, die anzurufen,die die Formulare nicht korrekt ausgefüllt haben oder bei denen noch etwas fehlt. Dann brauchen sie zuerst noch Geld auf ihren Handies damit sie überhaupt anrufen können! Das kleine Highlight sind die ultrafeinen Mangos, die wir mitgebracht haben und jetzt verspeisen… Es sind die kleinen Dinge, die dich hier glücklich machen!

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