Januar 13, 2017: Wellenbewegungen

Meine Blogleserinnen und – leser wissen: eine Krise
pro Aufenthalt kommt bestimmt! Und sie ist gekommen, wie das Amen in der
Kirche! Das ist natürlich immer eine Kombination von Dingen. Frust,
Rückschläge, wiederholtes Scheitern, Enttäuschungen, Verletzungen, fehlende
Finanzen, die ganze materielle und psychologische Palette… Da klingen die
schönen FB Sprüche nicht mehr so rosig wie wenn ich sie inder Schweiz bei
Freunden lese oder sie sogar selber post! Hier ist die brutale Realität und
alles was ich mir erhofft habe trifft nicht immer ein.

Die Geldprobleme liegen überall, die Abmachungen
werden nicht eingehalten und wenn ich die Dinge nicht vor Ort voran treibe,
dann läuft relativ wenig. Das ist zeit- und energieraubend und ich kann es
manchmal ja schon voraussehen.

So muss ich z.B. für meinen Mann nach Jila in die
hinterste Ecke des hintersten Ganze. Es werden 2000 Leute auf dich und
Christine warten- ihr müsst ihnen erklären, wie sie Gruppen formen und dann zu
Geldern kommen, die an verschiedenen Orten versprochen wurden. Durch gewisse
Umstände kommen wir erst um 11.00 Uhr, d.h. 2 Stunden verspätet an. Ich bin mir
aber auch nicht sicher, ob um 09.00 Uhr alle da gewesen wären – sorry, ich bin
mir sicher, dass sie es nicht gewesen wären, aber das darf ich ja so nicht
sagen. Wir kommen also in dieser hintersten und staubigsten Ecke an – sie sind
gerade am Wasser ausliefern, denn hier herrscht echte Dürre und der Staat lässt
jetzt mindestens einmal in der Woche den Wasserwagen vorbei kommen und es wird
auch ein Bohrloch gedrillt für die Zukunft. Das ist vor allem passiert, weil
beim letzten Besuch von Ministern und dem General Matete dieser sich selber
geschämt hat für den desolaten Zustand in der Gegend, in der er selber
aufgewachsen ist. Aber egal Hauptsache
es passiert endlich etwas. Also in dieser hinterletzten Ecke von Ganze
warten ein paar vereinzelte Personen – aber nicht auf die
ganzeinbisschensuahelisprechende First Lady sondern auf den MP Peter Shehe. Ist
schon mal nicht so angenehm, die Enttäuschung zu spüren. Aber dass dieses
kleine Grüppchen jetzt auch noch zuerst Tänze aufführen wird, darauf habe ich
gar keine Lust. Doch sie haben 5 Lieder eigens für Peter Shehe einstudiert und
jetzt wird getanzt, gehauen oder gestochen. Und so schwinge ich halt meinen
afrikanischen Hintern und mache eine Füdlischüttelparade, damit alle zufrieden
sind, etwas zu lachen haben und merken: aha , die meint es doch ernst…

Nachher bemühe ich ich mit Hilfe von Christine noch
ein paar Worte an die Leute zu richten. Die Frauen kriege ich am Schluss dann
doch noch auf meine Seite, weil ich ihnen sage, sie sollen nicht enttäuchst
sein, dass mein Mann nicht aufgetaucht sei, denn es seien ja wir Frauen, die
die Entscheidungen treffen. Das löst dann doch noch Geklatsche und ein heftiges
ririririri aus und mit den guten Erklärungen von Christine über die Gründen von
Interessengruppen sind sie dann doch noch einigermassen zufrieden.

Obwohl die Sache mit dem NYS genial ist so kommen von
Peter’s Gegnern doch schon wieder Stimmen auf, dass das alles doch gar nicht
wahr ist, dass die Jugend nur ausgenützt wird für die Politik und dass das Geld
wohl ganz ausbleiben wird. Die werden aber auch wieder verstummen, denn bereits
in der ersten Woche ist das Geld eingetroffen und es wird alle Schwätzer wieder
Lügen strafen. Zum ersten Mal erhält Peter sogar Dankesnachrichten von Leuten,
die nicht mehr daran geglaubt haben.

Dann kommt das Pro Ganze Meeting, vor dem ich mich
fast ein bisschen gefürchtet habe. Ich habe so wenig gehört von den
Mitgliedern, dass ich ahne, dass nicht so viel Gutes passiert ist. Ich verteile
Höftlichkeitsgeschenke und wir machen uns dann ans gegenseitige berichten über
das, was in den letzten 4 Monaten passiert ist. Der Frust ist gross über die
Dürre, die einige von unseren Träumen zerstört hat. Die Pflanzen, für die wir
gespendet haben sind alle verdorrt und somit ist unsere ganze Investition
vertrocknet.

Immerhin sind ein paar Anfragen bei NGOs noch
ausstehend und können eventuell noch positiv beantwortet retour kommen. Aber
nach dem Bericht von Christine steht die Auseinandersetzung mit Moses, dem IT
Studierten an. Ich hatte in der Schweiz schon ein über 2-stündiges Skype
Streitgespräch, weil er sich nicht an unsere Abmachungen gehalten hat. Anstatt
wöchentlich in Marere Computerschulungen durchzuführen hat er mir ein
vollkommen hochgestochenes Konzept unterbreiten, das nicht umzusetzen ist und
das auch bedingen würde, dass unsere Computer an andere Orte ausgeliehen
werden, was mir absolut nicht zusagt.

Er ist also an der Reihe und er lässt seinen ganzen
Frust, den er in den letzten 10 Jahren! It Peter geführt hat los. Das wurde ihm
versprochen, das sei nicht eingehalten worden, er sei nur enttäuscht worden und
er glaube nicht mehr an Peter. Dieser habe ihm nie jemanden vorgestellt, für
den er arbeiten könnte etc. etc. Dann laden die anderen auch noch ihren Frust
ab über Dinge, die nicht passiert seien usw.

Es wird ganz klar: Peter muss zur Klärung her, sonst
können wir nicht vernünftig weiter arbeiten. Eine „Reconciliation“ und eine
Mediation werden verlangt und wer soll die Vermittlerin sein: ja genau:
Barbara!

Ich will das gar nicht hinauszögern und rufe Peter auf
die Matte. Glücklicherweise sagt er schnell zu und kommt bald von seinem
Fieldtrip retour. Wir setzen uns alle um einen Tisch und legen alles auf
denselben, was sich angestaut hat. Ich versuche meine Vermittlerrolle
wahrzunehmen ohne eine Beziehungskrise hinaufzubeschwören.

Ich glaube, ich steige mal in den diplomatischen
Dienst ein – es gelingt mir keine Partei zu ergreifen und die Fakten aus den
Beteiligten rauszukitzeln. Peter bleibt zum Glück sehr ruhig, gibt auch gewisse
Schwächen, was die Kommunikation anbelangt zu und erklärt diesem jungen Mann
aber auch einmal klar und deutlich, was er so durchmacht. Dass es nicht einfach
ist, Unterstützung zu erhalten, wenn man selber – wenn auch fälschlicherweise –
angeklagt ist und sein Geld für solche Dinge einsetzen muss. Er zeigt auch die
Orte auf, an denen die Namen der Professionell Studierten aus Ganze platziert
wurden. Aus unerfindlichen Gründen werden dann aber manchmal doch andere
bevorzugt. Aber Peter, Ishmael in Nairobi und viele andere Leute versuchen
wirklich rund um die Uhr eine Besserung heranzuzaubern – aber eben es ist ein
zaubern und manchmal misslingen die Zaubertricks auch.

Nach einigen Stunden ist die Luft wieder sauber, die
Punkte sind geklärt und wir hoffen, dass wir wie geplant wieder miteinander
arbeiten können ohne dass es wieder eine solche Krise gibt.

Das Pro Ganze Team besucht dann das Saidia College in
Kilifi. Wir möchten eine Zusammenarbeit mit ihnen beginnen und 2 Volontäre nach
Marere holen, die in IT und Kleiderschneiderei die Jugendlichen unterrichten.
Wie wir das genau machen müssen wir noch genau ausdeutschen bzw.
ausswahilien… Alles, was wir hier auf die Beine stellen möchten bedingt
einfach grosse Investitionen.

In der Schweiz sind die Leute manchmal schon etwas
spendenmüde und ich kann es ihnen nicht verübeln.

Aber in der ganzen Krise spüre ich immer wieder, mit
welcher Energie sich Peter für sein Volk einsetzt. Er lässt nicht lugg, er
bleibt dran, er macht Telefon um Telefon, sieht sich schon vor dem Frühstück
Baupläne an und bleibt unermüdlich dran: er will Ganze verändern. Und so komme
ich trotz allem auch immer wieder zur gleichen Quintessenz: dranbleiben, nicht
aufgeben, sich nicht beirren lassen und die kleinen Erfolge anschauen und nicht
die grossen Gräben, die noch offen liegen.

Also wie heisst z.B. einer der schönen FB Sprüche:
hinfallen, aufstehen, Krone richten und weitergehen – selbst wenn ein paar
Zacken fehlen.

 

Und ich weiss, es wird wieder Menschen geben, die uns
in dem, was wir hier erreichen unterstützen und wieder investieren, damit auch
wir wieder Energie haben aufzutanken. Darauf freue ich mich jetzt schon und
merke, wie sich meine Batterien wieder aufladen.

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