Donnerstag, 07. April 2017 Plane crazy

Die Reise hat ja bereits gestern begonnen für mich.
Nachdem ich einen ½ Tag noch heftig im Projekt Rainbow gearbeitet habe bin ich
an die Verabschiedung einer Arbeitskollegin eingeladen worden mit Aufenthalt im
Escape Room in St. Gallen (witzige Detektivarbeit in der Gruppe), einem lockeren Apéro im OYA und einem
deliziösen Essen mit feinem Wein im 1. Stock Beizli Alt St. Gallen. Dann hiess
es zuhause Koffer um- und einpacken und nach Kreuzlingen zu Olivia fahren. Die
Nacht ist kurz (wie immer in den letzten Monaten seit ich im Projekt arbeite)
und Olivia‘s leicht gestresster Partner (kein Wunder: Olivia und ich sind schon
um 6 Uhr morgens in Höchstform und planen die nächsten Tagen lautstark und mit
vielen Lachern und Insider-Namen) fährt uns durch den üblichen Morgenstau
sicher und pünktlich zum Flughafen. Ein genialer Service!!! Der Check-in ist
eine Sache von Minuten und wir amüsieren uns bereits über die extrem künstlich
lächelnde (ohne Augen…) Groundstaff-Frau, die uns eher von oben herab
behandelt. Das Gepäck ist perfekt mit der Waage gemessen worden und wir
schöpfen die 4×23 kg vollends aus – ich sogar noch mit Bündnerfleisch, Käse,
Ostereier zum Tütschen etc. im Handgepäck.

Umsteigen
in Frankfurt ist null Problem und schon bald sitzen wir Richtung Nairobi im
Lufthansa Flieger auf einem 2-er Platz. Die Umgebung ist schnell abgecheckt:
wenigstens keine lästigen Nachbarn, denn wir beide können auch mal Ellböglen
und uns breit machen ohne dass wir uns daran stören, aber die olfaktorische
Belästigung ist unglaublich: vor uns zwei Knoblauchdufter und rechts von uns
erspähen wir die ausgezogenen Schuhe des Nachbarn der vor sich hin ausdünstet
was das Zeugs hält…. Schal und Wolldecke helfen über das Ärgste hinweg… Zur
Ablenkung  checken wir die Filmliste ab.
Wir könnten auch bis Johannesburg fliegen, es hat so viel Spannendes im
Angebot. Olivia guckt als Erstes Moonlight
und ich heule bei Lion am Ende voll
drauf los – die ganze Schminke ist weg und die letzten Minuten, in denen ich
noch erfahre, dass es eine wahre Geschichte ist und dass in Indien jährlich 80‘000
Kinder verschwinden kann meinen Tränenstrom nicht mehr stoppen. Worauf wir
switchen: Olivia zieht sich das Tränendrama (immerhin mit dem sehr attraktiven
Dev Patel) rein und ich brauche etwas leichtere Kost. LalaLand hat zwar vielen nicht gefallen, aber mich heitert es enorm
auf, erinnert mich an alte Hollywoodfilme und an Kalifornien and das ich immer
noch beste Erinnerungen habe. Ouff…. wir machen nur eine kurze Pause und
steigen dann in die Runde drei: Olivia mit dem Familiendrama Fences mit dem umwerfenden Denzel
Washington und ich ziehe mir den wohl schrägsten Film auf der Liste rein: Toni Erdmann. Die Geschichte ist so
skurril, dass sogar Olivia manchmal auf meinen Bildschirm starren muss, wenn
sich der eine Businesstyp einen runterholt oder alle nackt beim Brunchen sind
mit einem gorillaähnlichen Vater mittendrin. Schaut ihn euch selber an, den
Film kann man nicht erklären. Irgendwie denke ich dauernd: nein, das kann jetzt
nicht sein und doch kann ich nicht aufhören zu gucken und bin ganz fasziniert
von der Tragik-Komödie. Zudem habe ich ja auch einen Arbeitskollegen, der alias
DJ auch immer falsche Zähne montiert, wie es in diesem Film mehrfach
vorkommt…

Wir hätten
so kurz vor Filmschluss ein Hüngerchen und wären bereit für ein kleines
Nachtessen aber jetzt kommt die schlechte Nachricht: „falls sie sich gewundert
haben, warum wir nicht servieren: wir haben ein Problem mit einem Fluggast“ und
etwas später“wir können leider den Essensservice nicht durchführen – hat es
einen Arzt im Flugzeug?“. So in terrorbeliebten Destinationen macht diese
Durchsage schon ziemlich unsicher… Sie lassen immer mehr durchsickern… „Wir
versuchen den Gast in den Griff zu bekommen“…. „Wir mussten den Gast leider
ruhig stellen und im Sitz sichern“…  Kurz vor dem Aussteigen holt dann eine mit
Kabelbindern „gefesselte“ Frau ihr Gepäck weiter hinten – wir können nur
spekulieren ob es sich dabei um die Person gehandelt hat, wegen der einem
ganzen Flugzeug das Essen vergönnt war…

Ist es
nicht immer so: wenn du Food erwartest und keiner kommt dann meldet sich der
Hunger stärker als notwendig. Plötzlich fällt mir ein, dass ich noch eine
Ostercolomba im Handgepäck mitschleppe, die wir am Osteressen mit der Familie
nicht verspeist haben. Wir machen uns fast schon über das arme Ostertäubchen
her und stillen unseren Hunger damit. Brosmen hin oder her, darauf kommt es
jetzt auch nicht mehr an…

Die Passkontrolle
verläuft problemlos und schnell, die Koffer sind alle da, wir müssen nichts
aufmachen und zeigen – Gottseidank ich hätte den einen Koffer nie und nimmer
wieder zugebracht – und wir werden schon von einem smarten Ishmael (Personal
Assistant von Peter) und Mike dem Chauffeur erwartet. Downtown machen wir noch
einen Einkaufsstopp damit wir genügend Verpflegung haben für den nächsten
Morgen. Wir sind uns wirklich schon an Kenia gewohnt, denn es ist ein Gehepe
und Gedränge vor dem Laden. Wir ignorieren alle Avancen,  wehren jegliche Annäherungsversuche ab, bzw.
lassen sie schon gar nicht entstehen und gehen wie Einheimische gezielt
einkaufen. Die Kenia-Handys sind in Betrieb, bzw. das von Olivia ist
deaktivert, weil sie es mehr als 6 Monate nicht gebraucht hat und die SIM Karte
daher deaktiviert ist.  Erste SMS und
Whatsapp Meldungen haben wir schon geschrieben, mit Peter telefoniert und
erfahren, dass gerade noch 4 Minister in Ganze zu Besuch sind und er jetzt
trotzdem nicht morgen wie geplant am Flughafen sein kann (what else is new?). Bald
kommen wir wirklich zuhause an und freuen uns über die von Linet frisch
geputzte Wohnung. Mist, einzig den Rotwein haben wir vergessen und es hat
leider auch keinen Vorrat mehr. Ich muss mir mal noch ein Geheimversteck
ausdenken…

Ishmael
wird noch mit kleinen Geschenken überhäuft, das WLAN funktioniert (mein Mann
ist wirklich lernfähig) und wir sortieren noch die T-Shirts, die wir mitnehmen
an die Küste und beginnen uns nach einem feinen Kaffee und einem Zigarettli auf
dem Balkon langsam aber sicher für die Nacht zu installieren.  Aber eben: langsam, denn wir erleiden noch
zwei kleine Schocks: einerseits haben die letzten Besucher hinter der Türe noch
Spuren von ihrem intensiven Liebesleben hinterlassen – igitt etwas Gruusigeres
gibt es für uns Frauen echt nicht… und zweitens muss Olivia noch ein
Haustierchen (ihr erinnert euch an die pelzigen Mitbewohner???) die Toilette
runterspülen. Aber jetzt sind alle Deckel geschlossen, die Betten frisch
angezogen und wir erholen uns von einem extrem ereignisreichen ersten Tag! Wenn
es so weiter geht dann habe ich wieder Stoff um Bücher zu füllen…

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