April 14, 2017: Nachbarschaftsliebe

Unsere neuen Helfer bereiten viel Freude und stellen uns immer wieder Fragen, mit denen wir auch Pro Ganze immer überdenken müssen, was gut tut! Sie freuen sich sehr hier zu sein und schätzen so viele Dinge wie das feine Essen, das uns von vielen zubereitet wird und die Freundlichkeit mit der sie empfangen werden. Es sind manchmal die kleinen Dinge, die es ausmachen.
Wir nehmen sie überall hin mit und so kommen sie auch in den Genuss einer grossen Veranstaltung bei Mugomoni Primary School, wo Peter 5 Klassenzimmer baut. Zum Glück sind sie geduldig, z.B. beim Bonbon verteilen ist, wo uns die kleinen Kinder fast über den Haufen rennen beim Zauberwort “Peremende” (Süssigkeiten)!!! Die Lehrerin ist streng und massregelt die Kinder mit einem Stock was mir bei aller Hitze den kalten Schauer über den Rücken rinnen lässt… so werden sie zuerst alle ins alte Klassenzimmer bzw. den Lehmraum gepfercht und dürfen ihn dann eins nach dem anderen verlassen… draussen hat es aber noch mehr Kinder (they are the neighbors – was für die Lehrerin bedeutet: die haben kein Anrecht…) und das löst bei meinem Gerechtigkeitssinn (der mich hier in Kenia immer wieder vor neue Herausforderungen stellt) aus, dass auch die Nachbarn etwas abkriegen können… und so verteilen wir ziemlich unkontrolliert die Süssigkeiten in die Hände der Kinder, die erst zum zweiten Mal in ihrem Leben Muzungus sehen. Ein paar Schlitzohren ergattern mehrere aber sie teilen sie dann wiederum auch mit anderen was sehr rührend ist. In Kenia sind die Kinder sowieso extrem selbstständig. Sie spielen bis spät in die Nacht, sie kümmern sich um die Geschwister und sie schreien kaum oder wälzen sich am Boden wie der verzogene Bengel der indischen Hotelierbesitzerfamilie… so oft kommt bei mir der Wunsch einer “Schule der Zukunft” nach Gerald Hüther, nach SBW Vorbild, nach Vera F. Birkenbihl auf. Wer weiss – eines Tages kann es möglich sein!!! Aber zurück in die Gegenwart: Spass haben unsere Freunde auch bei den diversen Tänzen zu denen wir aufgefordert werden. Als wir dann bald 4 Std auf unseren Stühlen sitze und durch den extremen Wind und roten Staub aussehen als ob wir zuviel Bräunungscreme verwendet hätten wünschen sie sich doch ein baldiges feines Nachtessen herbei…
 

Nach dem 40-Minüter meines Mannes (darunter gibt es keinen Speech von ihm) heisst es dann: los wir gehen und wir verlassen fast fluchtartig den Ort unseres Sitzens. Die Vorstellung eines feinen Kachumbari (Tomatensalat) oder eines frischen Fruchtsaftes beflügelt uns. Aber die Flügel werden bald gestutzt. Wir werden “abgefangen” von Frauen, die für uns einen Teil der Kuh zubereitet haben… Na ja so läuft es hier: nichts ist planbar, nichts ohne Ünerraschungen… den Rückweg können wir nicht im komfortablen Landcruiser von Peter machen, denn der muss – denkt dran: es ist Samstag – noch an eine Beerdigung… sondern mit Christine’s Probox – einem kleinen PW in Bodennähe… sie fährt fast im Schritttempo weil sie das gar nicht gerne macht (ein altes Trauma) und daher immer einen Chauffeur hat. Eine Konversation ist fast nicht möglich und so fangen wir halt mit Singen an. Da Olivia und ich bei Sister Act zusammen auf der Bühne standen trällern wir lautstark “I will follow him”… Roadtrip könnten richtig Spass machen wenn die beinahehirnerschütterungsauslösenden Bodenschläge nicht wären!!!

Kurz nachdem wir den Ganze Staub abgeduscht haben (in jeglicher Ritze verstecken sich diese Sandkörner…)und für einen Gin&Tonic Abend einrichten kommt auch schon Peter daher. Mit seinem Landcruiser war er so viel schneller, dass er sogar noch zwischendurch an eine Beerdigung und eine Besprechung mit den Ältesten gehen konnte. Unser Aufenthalt geht dem Ende entgegen und wir lassen nochmals Revue passieren, planen den Einsatz von Ramona und Aaron (sie wird eine Broschüre für Volontäre schreiben und er für Light Up Ganze als “Auditor” bei den nicht zahlenden Kunden unterwegs sein!!!) und freuen uns gemeinsam, dass wir neue Freundschaften geschlossen haben!

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