April 16, 2017: Au nei: mir wönd nöd hei!!!

In den sozialen Medien haben sich ja die Schneebilder wieder
gehäuft und dieses Mal hatte ich nicht die Möglichkeit via Nairobi zu fliegen
sondern musste mir alles einpacken, was ich in die Schweiz nehmen wollte. Da
wir noch ein Meeting in Mtwapa abgemacht hatten nehme ich denn auch meine
Kenia-Montur und ein zusätzliches Kleid und wärmere Schuhe mit ins Auto.

Ramona und Aaron begleiten uns, denn die Person, die wir
trafen organisiert auch Safaris. Mtwapa ist wirklich ein kleines Drecksstädtchen
auf dem Weg nach Mombasa und ich sage immer, das einzig Gute daran ist, dass
ich, wenn ich Mtwapa lese, froh bin, weil Nairobi nicht mehr weit entfernt ist…

Aber oha: jetzt sehen wir im hübschen Schiffsrestaurant
Moorings einen neuen Aspekt von Mtwapa, der sehr idyllisch ist. Eine
Flusslandschaft und ein ganz cooles Restaurant. Beim Eingang die originelle
Info: wir haben kein WIFI – pretend it is 1995 and talk to each other.

Wir treffen Julius, der für eine Schweizerin schon bei
unserem Waisenhaus im Einsatz war und einen super Job gemacht hat. Ich bin sehr
beruhigt: er scheint ein kleines Schlitzohr zu sein aber durchaus sympathisch.
Wir verstehen uns super mit ihm und er verspricht, bald Offerten für die
geplante Safari von Ramona und Aaron zu unterbreiten.

Auch für Gosheni wird er sich weiterhin einsetzen. Selbst
als Kenianer war er sehr berührt, wie primitiv die Leute und natürlich vor
allem die Kinder leben.

Nach diesem feinen Lunch bringt uns Salim zum Flughafen –
Peter ist in Kilifi geblieben, denn er hasst Abschiede und war daher auch gar
nicht besonders gut gelaunt. Ich finde auch, wenn man nicht der
“IchliebeAbschiede-Typ” ist dann lässt man es besser sein. Wir sind
für einmal viel zu früh am Flughafen und wir amüsieren uns indem wir Leute
beobachten und mit den Sicherheitskräften über ihren Auslandaufenthalt sprechen
(I was in Switzerland but it was not good for me… too cold…)

Wir steigen wieder in das Bob Marley Flugzeug ein mit einem
Bugs Bunny Aufkleber – dieses Mal ist aber wenigstens die Türe korrekt
eingesetzt (nicht wie letztes Mal!!!). In Nairobi machen wir die
Wohnungs-Schlüsselübergabe an Ishmael und da wir noch genügend Zeit haben
beginnen wir mit politischen Diskussionen. Ishmael hat eine sehr gute
Einschätzung der Lage was die Wahlen anbelangt und ich weiss gar nicht, ob es
so gut ist, dass wir diese Konversation jetzt noch halten… Je mehr man dahinter
sieht, je mehr merkt man wie sehr alles gesteuert wird von den Mächtigen. Also
bitte fragt mich nicht mehr, ob Peter eine Chance hat in den Wahlen. Wären es
nur die Wähler, die sagen könnten, ob er für sie genügend gemacht hat: ich
hätte keinen Zweifel daran, dass sie ihn haushoch wählen würden.

Mit all den Kräften, die aber gegen ihn wirken weil es ihn
dermassen nicht passt, dass er so viel erreicht hat ist es schwierig
abzuschätzen, was bis am 8. August noch passieren wird… Peter ist einfach auch
zu lieb, sei es mit seinen Parteikollegen oder sei es mit seinen
Mitarbeitenden. Und somit wird er halt immer wieder ausgenutzt und ist dann oft
“aussen vor” und muss Dinge aus der eigenen Tasche zahlen. Weil er
beliebt ist beim Präsidenten wird er auch von “Kollegen” schlecht
gemacht, nicht dass er noch bessere Chancen hätte als sie… Mein Vater hat schon
immer gesagt, Politik sei ein Drecksgeschäft und hier ist es noch um Welten
schlimmer. Sehr unberechenbar, unfair und ich habe plötzlich ein flaues Gefühl
im Magen… Ich entscheide jetzt, dass ich nach Kenia reisen werde für die Wahlen
– aber erst kurz vorher, denn das ganze Hick-Hack davor könnte ich nicht
erdulden, da bin ich zu sensibel und habe noch keine Elefantenhaut entwickelt…

Wir verabschieden uns von Kenia und Ishmael und nach dem
schnellen Check-in fällt mir plötzlich auf, dass ich einen ganz doofen
Reservierungsfehler gemacht habe: Sitzplätze E und F… mir schwant Schlimmes!!!
Und genau so schlimm ist es: wir haben in der 4-er Reihe die mittleren Plätze.
Und wem gehört jetzt diese verd… Sitzlehne? Mein Nachbar ist zwar freundlich
aber die Sitzlehne hat er erobert und gibt sie auch nicht her…

Filme, Essen, Schlafen – der Flug geht trotz allem schnell
vorbei… das Wetter ist katastrophal und es schiffet wie aus Kübeln. Ich will am
Flughafen mein Kleid und die Schuhe wechseln aber jetzt hoppla: die Schuhe sind
entweder noch im Landcruiser oder aber im Flugzeug rausgerutscht… Ich komme
jetzt also daher wie eine Vollpfostentouristin, die ich immer belächle am
Flughafen. Ok, ich schwöre: ich mache das nie nie mehr… oder vielleicht nur
noch ganz selten… Einen Schuhladen finde ich in diesem Wing nicht und es wäre
ja auch vollkommen übertrieben, wenn meine xxx Schuhe nochmals ein Gspänli
erhalten würden! Aber wirklich: ich sehe so etwas von doof auf mit den
Zebra-Flip-Flops und den vom Flug geschwollenen Füssen. Aber der sichtlich
besser als vor der Abreise gelaunte Martin holt uns ab und schleust uns gleich
zum Auto mit den wunderbar geheizten Sitzen hinten!!! Luxus ist auch wieder angenehm
und ich habe eine Riesenfreude wieder in meiner schönen Wohnung zu sein. Am
liebsten würde ich hier noch einen Monat verbringen und nachdem ich jede Nacht
vom Geschäft geträumt habe sollte mir das jetzt auch zustehen…

Wow – was haben wir wieder alles zusammen angestossen,
ausgeführt, angedacht! 10 intensive und spannende Tage sind hinter uns und via
Ramona und Aaron wird unsere Reise bestimmt noch etwas ausgedehnt! Mit solchen
kreativen und unkomplizierten Helfern macht es richtig Spass! Für alle, die
mehr über Pro Ganze erfahren möchten: am Samstag, 17. Juni haben wir am Markt
einen Stand und ab 14.00 Uhr machen wir eine Infoveranstaltung im ZuK in Arbon.
Wir haben viel Material und Informationen mit dabei! Es wird sich lohnen…

Meinen echten Abschluss mache ich dann noch am Sonntagabend
und besuche das Ehepaar Stieger. Sie fliegen beide am Dienstag nach Kenia und
wir tauschen uns aus mit Möglichkeiten, wie wir in Kenia noch besser helfen
können. Dabei erfahren wir gegenseitig auch einige schräge Stories über
Menschen und deren gemeinsame Connections. Kenia ist das Land der
Storyteller!!! Meine Story geht auch weiter… danke fürs Dranbleiben!

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