August 08, 2017: This is the day (or maybe the night)

Die Nacht fühlte
sich kurz an denn draussen wurde Mnazi getrunken (fermentierter
Palmwein) und die Männer wurden richtig laut. Plötzlich erinnere
ich mich an meinen Noise-Cancelling Kopfhörer vom Flugzeug und ich
setze ihn auf und höre keine Stimmen mehr nur noch Otmar Liebert und
so schlafe ich doch noch ein paar Stunden.

Um 5 Uhr morgens
sind alle auf den Beinen und der Wahltag beginnt. Der Chauffeur Salim
will schon als Erster im Wahlbüro sein und schafft es auch.

Die Schlange ist bei der Marere Primary School lang, die Prozedur langsam und leider tritt wieder ein “Bschiss””auf: gewisse Leute wurden von ihrer normal Wahlstation an andere Orte
verlegt. Weil sie das vorher nicht verifiziert haben gibt es einen
Aufschrei. Eine alte Frau ist in Nairobi registriert und dorthin
schafft sie es besitmmt nicht mehr heute. Andere können noch mit
Piki-Piki an die Orte transferiert werden aber Peter muss aufpassen,
denn er selber darf sich da nicht einmischen und so senden wir die
beiden PAs, die dann irgendwo einfach rumhängen um den Leuten vor
Ort zu helfen. 

Ich tippe die Namen und Telefonnummern der Agenten bei den Wahlbüros ein in die Excelliste und jetzt harren
wir der Dinge. Ab 14.00 Uhr sollten erste Resultate eintreffen.

Alle sind am
Anschlag mit den Finanzen und dann passiert das: Peter gibt einer
seiner engsten Helferinnen sehr viel Bargeld (im Wert von etwa 2000
CHF). Sie transferiert ihm den Betrag auf sein mPesa Konto. Sie ist
durch den Wind und platziert ihre Tasche AUF dem Autodach und fährt
los. Wer immer das gefunden hat denkt wohl, er hätte den Jackpot
geknackt. Das Geld wird nie mehr gesehen. Das sind die Dinge, die
sehr sehr nerven und unnötig sind und bei dem bereits existierenden
Geldverschleiss nur ärgern.

Von einigen Polling Stations kommt die Nachricht, dass die biometrische Erkennung nicht
funktioniert hat. Die Leute müssen sich mit ihren Fingern
registrieren. Danach nehmen sie die Wahlzettel entgegen und gehen
dann in ein Kabäuschen um zu wählen. Dann werfen sie die Zettel in
die Urnen für alle verschiedenen Ãmter: Präsident, Vizepräsident,
Governor, Senator, Member of  the National Assembly (hoffentlich
Peter), Member of County Assembly und Women Representative. Am
Schluss erhalten sie mit einem wasserfesten Filzstift eine Zeichnung
auf dem Finger, damit sie nicht aus Versehen (bzw. absichtlich)
zweimal wählen können.

Dabei schauen pro
Partei je 1 Agent zu damit alles mit rechten Dingen zu und her geht.
Dumm ist nur, dass die zum Teil schon vorher bestochen wurden bzw.
eben andere Tricks angewendet werden, wie die Leute an andere
Stationen umzuteilen oder zu schauen, dass die Agenten nicht zu ihren
Papieren kommen. Es wird mit allen Mitteln gekämpft . Hier in Marere
Headquarter sind alle überzeugt, dass Peter wieder gewinnt aber das
ist ja klar: sie sind mit ihrem MP zufrieden und er ist einer von
ihnen.

Wir hängen in grossen Massen und alle mit Jubilee Hüten oder Schutzwesten ausgestattet mehr
oder weniger den ganzen Tag rum. Ich will kurz zu Peter’s
Schwester Nelly rein, denn sie hat nach mir gerufen aber das ist ein
Fehler: ich trampe grad in die Kuh-Zerstückelungs-Szene rein. Zuerst
sehe ich nur, dass ein grosser Knochen von der Decke runterhängt
aber als ich einen Schritt in den Raum mache liegen auch die
Einzelteile wie Kopf, Schwanz, Fell etc. am Boden. Keine Ahnung, wie
ich den Anblick wieder aus meinem System bringen soll. Ich passe denn
auch bei den köstlichen Innereien, die aus dem Wasser gezogen
serviert werden (yeiiks!!!) und ernähre mich bis zum zNacht mit den
feinen Mahamris und mache zwischendurch für Peter und mich mal ein
Paket Bündnerfleisch auf. Den Käse muss ich wahrscheinlich
wegschmeissen, denn für einen Kühlschrank hat es bei den grossen
Investitionen gestern nicht mehr gereicht¦

Kurz nach dem
Nachtessen  – die Bilder sind schon wieder verdrängt und das
Tierchen schmeckt erstaunlich zart (sorry an alle Vegetarier) –
entscheidet Peter, dass wir in das Tallying Centre nach Ganze fahren,
wo alle Stimmen zusammenkommen. Um Aufruhr zu vermeiden hat Joshua
ein anderes Auto gemietet, damit wir quasi inkognito reisen können. Woran man nicht alles denken muss…

Im Vergleich zu 2013
sieht hier schon alles etwas professioneller aus und wir sind auch
voll parat, denn wir haben die Excelliste von Aaron, einen guten
Compi, alle möglichen Ladegeräte und wir positionieren uns
zuvorderst, damit wir auch Strom haben. Von uns aus könnten wir
loslegen aber ich schreibe diese Zeilen jetzt um 21.58 und wir haben
noch nicht einmal begonnen.

Vorne werden Zahlen
aufgeschaltet, die aber keinesfalls ü50 tauglich sind. Die Stühle
sind aus Metall und tun am Hintern weh und es hat Mücken ohne Ende.
Ein paar Zahlen haben wir schon direkt von den Stationen gekriegt
aber nicht genügend um Aussagen zu machen. Mindestens bin ich so
weit eingerichtet, dass ich ab und zu mal was auf Facebook posten
kann und so in Kontakt mit der Welt bin.

Es heisst zwar, dass
nur die Personen, die gewählt und deren Frauen drin bleiben
dürfen aber wir schmieden für heute Abend den Plan, dass auch
Christine die Frau von Peter ist und Joyce, meine Helferin,
verkuppeln wir virtuell mit einem MCA. So hat Polygamie auch wieder
mal einen Nutzen. Bis jetzt lassen sie uns aber in Ruhe drinnen
sitzen aber von mir aus könnte es jetzt jederzeit losgehen. Peter
ruht sich nämlich schon im Auto aus und hofft, dass seine Haupt-Frau
aufmerksam genug bleibt um alles zu notieren!

Ich sage es ja: das
Leben mit einem Member of Parliament kann ganz schön hart sein.
Ich würde es ihm aber soooo gönnen, dass er gewinnt mit allem was er eingesetzt hat (und alle seine Frauen natürlich auch…)

Sorry also, wenn ich noch mehr berichten kann aber hier ist
wenigstens schon mal Abendlektüre für euch! Haltet also die Daumen
noch gedrückt und betet weiter… Das einzig sinnvolle, was jetzt noch gemacht werden kann.

Teilen