August 09, 2017: Die Qual-Nacht

Diese Wahl ist eine absolute Qual. Nachdem ich so Freude hatte über unsere Installation nimmt sie zusehends ab. Zuerst sitzen wir von 18.00 – 21.30 h im Lokal, wo die Stimmen zusammenkommen und nichts passiert. Harte Metallstühle, Fliegen und ein grässlich undeutlicher Beamer machen es nicht besser.

Dann heisst es plötzlich, es gäbe ein Problem mit einer Station, weil dort keine Stimmen für die Wahl des Senators vorhanden sind. Das tritt jetzt eine riesige Diskussion los. Jeder hat etwas zu sagen und das in einer ohrenbetäubenden Lautstärke. Obwohl es zuerst mal hiess, nur die Personen die sich zur Wahl stellen und deren Frauen dürfen anwesend sein, ist jetzt plötzlich die ganze Meute, die vorher draussen stand ebenfalls drinnen und richtet sich gegen den IEBC Officer (Wahlbüro). Dieser scheint komplett die Kontrolle zu verlieren und der DCC (District County Commissioner = quasi die oberste Polizei) muss einschreiten.

Nach riesigen Diskussionen wird immer wieder auf Peter gezeigt. Weil dieses Problem in seinem Ward aufgetreten ist beschuldigen sie ihn, dass er die Wahl gefälscht habe. Er begibt sich vernünftigerweise bald ins Auto und harrt der Dinge. Dann behaupten sie, dass er jetzt in Jaribuni sei und die Stimmen dort verfälsche. Da platzt dann aber auch dem DCC der Kragen und er bietet die Störenfriede (die sind sogar dafür angestellt… sogenannte Brokers, die nichts tun, als Stimmen eintreiben) auf zur Ruhe zu kommen. Es gelingt ihm so halbwegs und für einen Moment sieht es sogar so aus, als ob er jetzt weggehen würde.

Als wir kurz auf die urinüberschwemmte Toilette gehen und retour kommen sagt Christine zu mir, dass wir das Wasser in unseren Petflaschen nicht mehr trinken dürfen, weil wir es aus den Augen gelassen haben und es jemand vergiften könnte. Ich finde das jetzt ein bisschen überreagiert aber man weiss ja nie. Peter hatte ja auch schon einmal eine ähnliche Geschichte erlebt…Jetzt heizen sich die Gemüter richtig. Irgendwann kehrt wieder Ruhe ein aber es war grad recht kritisch und für Schweizer Nerven an der Limite. Für mich als Superlärmempfindliche sowieso…

Die Gegner haben einfach Angst, weil Peter so viele Leute mobilisieren konnte in allen Wards, denn es war ja immer sein Anliegen, nicht nur in seinem Ward Jaribuni Projekte zu machen sondern in der ganzen Constituency. Das könnte ihm jetzt zum Verhängnis werden. Also haben die Gegene angefangen dreckige Spiele zu spielen und jetzt gibt es Probleme bei den Zahlen aus dem Jaribuni Ward (wo Peter herkommt) und in den anderen Wards haben sie die Agenten daran gehindert anzutreten.

Und wie gestern schon beschrieben haben sie Leute bestochen, damit alle am falschen Ort wählen mussten und deshalb schon den ganzen Tag ein Chaos herrschte. Wiederum andere Leute wurden daran gehindert überhaupt wählen zu gehen. Und wer immer mich gefragt hat vor meinem Abflug hat dieselbe Antwort erhalten: Wenn die Menschen sehen, was Peter alles gemacht hat, dann müssen sie ihn wählen. Wenn aber einer am Vorabend kommt und Geld verteilt, dann wählen sie ihn weil sie nur ein kurzfristiges Denken haben. Das ist anscheinend mit dem grössten Gegner passier: während wir friedlich zuhause waren, hat er KESH 9’000’000 verteil (CHF 90’000): jedem KESH 1’000 und einen Sack Mehl für Ugali. Das ergibt eine ganze Menge (Stimmen)

Es ist unglaublich, wieviel Hass hier vorhanden ist. So sieht man wozu sie hier fähig sind. Es gibt einen Anführer vom ODM (Partei des Verlierers Raila), der sich in den Kopf gesetzt hat, dass alles Peter’s Fehler ist (Blogleser erinnern sich daran: er ist der, der Olivia und mich fotografiert hat bei der Ankunft im April und gefragt hat, ob das CDF (Constituency Development Fund) Auto jetzt auch ein Tourisbus sei…).

Wir verlassen das Gelände um etwa 05.30 morgens mit erst einigen wenigen notierten Resultaten und wollen nach ein paar Stunden Schlaf später nochmals retour kommen aber Peter ruft uns an und sagt, dass es zu Ausschreitungen kommen wird und dass wir sofort umkehren sollen. Er ist in der Zwischenzeit bei einer Regierungssondersitzung, da sämtliche MPs und MCAs, die bei der Jubilee Partei von Uhuru Kenyatta sind nicht mehr gewählt wurde, was sehr unrealistisch ist.

Später erhalten wir die News, dass ganze Schachteln mit Stimmzetteln abtransportiert wurden und man die Leute gefunden hat, die das gemacht haben.

Wenn ich gestern gesagt habe, es kann noch Stunden dauern bis das Resultat sicher ist, so sage ich heute: es kann noch Wochen wenn nicht Monate gehen bis das alles wieder im Lot ist.

Darüber was ich denken soll, wenn Peter wirklich verliert will ich hier gar noch nicht schreiben, aber mein Kopf ist voll von Gedanken und sie sind nicht besonders erfreulich. Schön ist aber, dass ich hier mit guten Freunden bin. Wir haben gegessen, Tee getrunken und in dieser absurden Situation trotzdem noch viel Lachen können – halt schon aus einer Art Galgenhumor raus. Die Töchter von Christine sind voll digital und füttern uns mit den neusten Informationen und Videos und Zahlen zur Wahl.

Der “Kater” soll dann kommen wenn er kommt.

Ich danke euch allen für euren Support und ihr müsst einfach wissen: Peter ist unfassbar positiv und energiegeladen, ich bin in Sicherheit und werde euch auf dem Laufenden halten. Der Krimi geht weiter und die Amerikaner haben einen coolen Spruch: “it ain’t over until the fat lady sings”… https://en.wikipedia.org/wiki/It_ain%27t_over_till_the_fat_lady_sings wir bleiben dran und ich hoffe, ihr auch! Tuko pamoja (wir halten
zusammen –  Wahlspruch der siegenden Präsidentenpartei.

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