August 11, 2017 Internationale Beobachter um die Lage zu beruhigen?

Gestern Nachmittag wurde es in Marere dann plötzlich zu viel und wir haben in aller Eile zusammengepackt und ich bin in mein Standard-Hotel umgezogen. So lange Peter in Marere ist kommen die Leute in Massen angeströmt und wir mussten rein aus finanziellen Gründen weg, denn während Tagen mehrere Hundert Leute zu füttern ist schlichtweg nicht möglich.

Peter ist wirklich ein Vorbild für Überlebenskunst. Er ist jetzt mit den verlierenden MCAs und MCs der Jubilee Partei zusammengesessen und die Anwälte setzen das Nötige auf um gegen die Wahlen hier zu protestieren. Es kann kaum sein, dass alle verloren haben, die zur Jubilee Partei gehören in Kilifi County. Da steckt bestimmt der Governor von Kilifi dahinter. Wie kann ein Mann so viel Geld haben für all diese Bestechungen? Aber dazu gehört auch der Governor von Mombasa und der ist offensichtlich in Drogengeschäfte verwickelt.

Ich sitze im Hotel und schaue mir die News an: Wenn ich die internationalen Beobachter anhöre, die jetzt am TV sprechen wird mir fast übel. Ich glaube, sie sitzen in ihrem Glashaus in Nairobi und berichten selbst hier aus der Ferne. Denn alles, was hier vor Ort passiert ist schreit zum Himmel. Wir haben Beweise dafür, dass es grobe Unzulänglichkeiten gab. Es gibt sogar Videos dazu und Fotos. In manchen Gemeinden sind mehr Stimmen abgegeben worden als es registrierte Wähler hat – so etwas ist doch einfach zu offensichtlich. Ich denke sie machen es vor allem, damit es keine Unruhen gibt aber wenn du weisst, wie es wirklich läuft dann wird dir fast schlecht und du siehst einmal mehr, wie Fake die heutigen News sind – nicht nur die von Trump!

Nachdem ich auch in den internationalen News geschnuppert habe ist mir plötzlich etwas mulmig zumute und ich schreibe mir schon mal die Telefonnummer der Botschaft und meines Buchungsbüros auf falls ich dann doch noch früher abreisen will. Es ist nicht so, dass ich Angst habe aber hier ist tatsächlich alles möglich und der Präsident wird ja wahrscheinlich erst heute Nachmittag ausgerufen – was meiner Meinung nach viel zu lange nach der Wahl ist.
Im Facebook und auf den Strassen von Ganze jubeln die Gewinner auf Teddy Mwambinres Seite. Sie fahren sogar absichtlich nach Marere um den Leuten zu zeigen, wer jetzt an der Macht ist. Aber sie werden bald merken, dass sie die echten Verlier sind.

Heute Morgen meint Peter mit einem breiten Lachen: sie werden zu mir kommen, weil jemand gestorben ist oder weil jemand ins Spital muss und sie werden denken, dass ich ihnen wie früher dafür Geld geben werde aber ich werde keinen Rappen rausrücken.
Ich muss dazu natürlich noch schreiben, dass er auch keinen Rappen mehr hat nach diesem Wahlkampf. Wie er damit umgehen wird ist mir noch ein Rätsel und ruft gewisse Ängste hervor.

Es gibt ein paar Zukunftsvarianten aber solange noch nicht einmal der Präsident klar ist weiss man ja gar nicht, was man denken soll…
Einer der Aktivisten, die hier tätig sind hat mir geschrieben, dass ich gefälligst zu akzeptieren habe, dass die Leute hier ihre eigenen Entscheidungen treffen und nur weil man mit Europa Kontakt hatte gäbe einem das nicht das Recht arrogant zu sein und Leute von oben herab zu behandeln. Man kann mir viele Fehler vorwerfen und ich habe logischerweise selbst mit meiner Ausbildung in African Affairs eine Sicht mit einer europäischen Brille. Aber arrogant und von oben herab – das lasse ich mir nicht gefallen, dafür habe ich schon zu viel Energie, Geld und Herzblut investiert. Ich habe ihm geantwortet er solle zuerst in den Spiegel schauen und seither keine Antwort mehr erhalten.

Wenn ihr euch erinnert: für Peter war es von Anfang an ein grosses Anliegen, nicht nur “sein Jaribuni” zu entwickeln sondern für alle 4 Wards gleichermassen Entwicklung voranzutreiben. Diese Strategie wurde nicht belohnt, denn das Stammesdenken ist so vorherrschend, dass man lieber kein Wasser und keine Schule hat als das von einem Kauma gebrachte! So wurde ihm manchmal in den anderen Wards gesagt: wer sagte, denn dass wir Wasser oder eine Schule brauchen?

Im Vorstand von Pro Ganze haben wir von Anfang an gesagt, dass wir weitermachen, egal ob Peter gewinnt oder nicht. Jetzt können wir uns auf Projekte konzentrieren, die keine Abhängkigkeit von irgendetwas haben. Vielleicht werden unsere Bemühungen nicht mehr gleich intensiv sein aber das heisst nicht, dass sie nicht weniger wichtig sein werden.

Momentan versuchen wir aber, die Ruhe zu behalten und sie vor allem zuerst zu finden. Es ist etwas wie im Goldenen Käfig sitzen. Die Aussicht ist fantastisch, der Strand ein Traum und trotzdem kann ich mich nicht so richtig daran freuen.

Danke für die vielen Sympathiebekundungen von eurer Seite. Aber wenn man das hier mit der Wahl von Trump vergleicht ist es fast ein verschwindend kleines Problem. Da sich aber das, was hier passiert durchwegs auch in anderen afrikanischen Ländern abspielt und wir direkt betroffen sind ist es für uns im Vordergrund.

Glaubt weiterhin an das Gute, denn ich habe in meinem Leben schon manchmal gesehen, dass etwas zurückkommt von dem was ich gegeben habe. Nur manchmal an einem ganz anderen Ort als dort, wo ich es investiert habe. In diesem Sinn: Kopf hoch und stolz auf das blicken, was wir schon erreicht haben!

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