August 12, 2017: Bald kidnappe ich Peter und verordne ich mir “Blog-Ruhe”

ja mein Blog ist ja sonst einiges lockerer und gespickt mit witzigen Anekdoten aber die bleiben momentan hier fast gänzlich aus. Mit grosser Anspannung haben wir gestern noch auf das Resultat der Präsidentschaftwahl gewartet – so um halb 11 dann war endlich klar: Uhuru Kenyatta hat gewonnen mit 54% und einer Stimmbeteilung von 78% (immerhin 10% weniger als bei den letzten Wahlen… das hat aber auch damit zu tun, dass die Überprüfung dieses Mal eindeutiger war, d.h. es wurden ja biometrische Daten erfasst, die dann am Tag der Wahl überprüft wurden.

Das hat natürlich an Orten wie Ganze auch enorme Probleme gebracht, denn da haben sie ja nicht einmal überall Strom, gschweige denn ein stabiles Safaricom-Netz. So hat z. B. unsere Putzfrau Linet, die ja extra von Nairobi angereist ist um für Peter zu stimmen, die folgende Erfahrung gemacht: Man sagt ihr “oh, ihre Daten können nicht gelesen werden, versuchen sie es noch einmal”. Auch der zweite und dritte Versuch scheitert. Da wird sie so richtig wütend und sagt lautstark: “glauben Sie eigentlich ich sei von Nairobi nach Ganze gereist nur damit Sie mir sagen können, ich könne nicht abstimmen????”. Der Agent beruhigt sie und sagt ihr, sie solle die Hände abwischen. Zum Glück funktioniert das dann nachher auch. Ich glaube, sie hätte den Agenten verdroschen. Meine Ratten-Heldin!!!

Ein paar Tage nach dem Wahltag wissen wir einiges mehr:
Den ganzen Betrügereien liegt zugrunde, dass die ganze Küste – und somit das Kilifi County eine NASA (Opposition unter Raila Odinga) Hochburg ist.
So hat in Kilifi County die Präsidentenwahl ausgesehen:

Uhuru Kenyatta 49’575
Raila Odinga 274’179

Das ist traditionell so und stell dir vor: die Leute sind ja schon bei ihrem Grundnahrungsmittel Ugali (das auf Mais basiert) so stur und wollen nichts anderes essen, auch wenn sie das einfacher anpflanzen könnten. Wenn es jetzt um die politische Gesinnung geht ist es um ein Vielfachss schlimmer. So wurde ja der Präsident bei der Eröffnung einer Brücke in Mombasa öffentlich vom lokalen Governor Joho Hassan beschimpft und beleidigt obwohl es im Normalfall eine Ehre ist, wenn der Präsident öffentlich etwas einweiht.

Ganze aber müsste sehen, dass es nur dank Peter und der Überzeugungskraft beim Präsidenten ist, dass Dinge wie das NYS (National Youth Service, der über 1000 Gazeaniern Arbeit gegeben hat), der Strassenbau (erste geteerte Strase in Ganze) sowie Wasserlöcher und vieles mehr nie zustande gekommen sind. Schlicht undenkbar ohne die Jubilee Partei. Die Gegner von Peter haben den Leuten aber immer wieder gesagt: das sind eure Rechte – nur haben sie nicht erwähnt, dass diese Rechte in den letzten 50 Jahren nie umgesetzt wurden!

Aber das zählt offensichtlich weniger als kurzfristige Bestechungsgelder bzw. die richtige Partei oder die richtige Ethnie. Und das obwohl Giriama, Chonyi, Rabai, Kauma etc. alle zu dem Volk der Mijikenda gehören! Es ist also die kleinste Zelle, die es der anderen nicht gönnen mag erfolgreich zu sein. Woher dieser tiefe Graben, dieser Hass und dieser Neid kommt ist für mich schwer zu verstehen und noch schwerer zu akzeptieren. So etwas gibt es nicht einmal bei unseren Parteien und da ist das Schweizerische Gärtlidenken eine liebevolle Stichelei dagegen!!

Die grundlegende Bestechung geht also von der Gegenpartei NASA aus und die hat hier an der Küste die zwei Governors Joho Hassan in Mombasa und Amason Kingi in Kilifi County. Die haben Wochen vor der Wahl damit begonnen, Agenten, Sicherheitskräfte bis hin zu Richtern und Polizeibeamten zu bestechen und zwar mit substanziellen Beträgen. Die Bestechung der Bevölkerung kurz vor der Wahl mit Geld und Essen kam dann noch dazu. Woher diese Mengen an Gelder zur Verfügung stehen? Das hat bestimmt auch einen Zusammenhang mit illegalen Machenschaften.

Dass ganze Kisten von Wahlmaterial und Stempel verschwunden sind, das konnte Peter persönlich mit ein paar Kollegen belegen, die die Schuldigen gestellt haben und an die Polizei übergeben haben. Darüber gibt es sogar Videoaufnahmen und ich hoffe, das wird noch ein entsprechendes Nachspiel haben. Das MUSS ein Nachspiel haben sonst fühlen sich die Schuldigen nur allzu sicher. Im Prinzip müssten jetzt sofort alle Sicherheitskräfte und alle Richter ausgetauscht werden, denn sonst kann man sich nicht einmal auf sie verlassen.

Ihr habt bestimmt langsam aber sicher genug von diesen Geschichten und mir geht es ebenso: Peter und ich beginnen jetzt, uns zu überlegen, wie es weitergehen soll. Es gibt ein paar Alternativen und die bespricht er momentan mit seinen Kollegen und am Montag dann mit dem Präsidenten. Danach habe ich ihm angedroht, dass ich ihn entführen werde und ihm ein paar Tage Zwangsruhe verordnen werde. Dr. Barbara hat gesprochen! Falls also auch sonst nichts aussergewöhnliches und weltbewegendes passiert gibt es ein paar Tage Blog-Ruhe!

Peter hätte bestimmt in seinen 4 ½ Jahren einiges anders machen können aber falsch hat er meiner Meinung nach nichts gemacht. Sein grosses Herz und sein unermüdlicher Einsatz – auch mit seinen eigenen finanziellen Mitteln – hat ihn in seinen Entscheidungen geleitet und Pro Ganze konnte ihn mit vielen Projekten unterstützen. Die werden wir weiterführen – alleine schon um zu zeigen, dass es uns um die Bevölkerung und nicht um die Bereicherung geht. Denn reich sind wir schon: an Liebe, an Erfahrung und an vielen sehr spannenden Begegnungen und nicht zuletzt auch an Unterstützung unserer Freunde aus der Schweiz.

Eine unwissende Menge,

die mit eigenen Augen zu sehen versucht,

wird sich leicht täuschen lassen

Nathaniel Hawthorne

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