August 19, 2017: Fast den Überblick

Mein Ziel war es ja meinen Mann zu entführen und ich hatte von meiner Freundin und mittlerweile Kenia-Kennerin Tatjana den genialen Tipp vom Treehouse in Watamu erhalten. Sie ist ein Treehouse-Fan und ist so beim googeln darauf gestossen. Niemand in meinem Umfeld hat je davon gehört. Schon noch spannend – manchmal braucht es einfach wieder Aussenstehende um etwas Neues im engsten Umfeld zu sehen!

Ich war mir noch nicht ganz sicher, ob mir die Entführung gelingen würde aber Tatjana half massiv nach: sie beschenkte uns mit 2 Nächten für 2 Personen! Was für eine unglaubliche Grosszügigkeit! Ich eröffnete Peter einfach dass es gar keine Widerrede gäbe und er fügte sich. Mit dem Gerichtstermin und der Reparatur des Autos in Malindi liess sich sogar alles ganz gut kombinieren.

Mit einem Auto voll Angeklagten, Bodyguards und anderen, die sich noch reinquetschen konnten kommen wir also im besagten Treehouse an. Joshua benimmt sich nicht besser als Salim bei der Suche nach einem neuen Ort: “willst du nicht Google Maps einschalten?”, “ also wie weit ist es noch?” – er bringt mich fast auf die Palme! Oder noch besser: am Schluss dann doch ins Treehouse, denn ich hatte ganz genaue Instruktionen, bis hin zur Plotnummer 31… aber es ging wirklich durch den Bush und die Einfahrt war nur mit einem OM Zeichen angedeutet. Da kam aber schon Ellen die Treppe runtergetänzelt zur Begrüssung… oh you brought the gang! (Oh du hast grad die ganze Truppe mitgebracht)…Von der Gang blieb dann aber nur mein Schatz zurück. Wir hatten einen Heidenhunger und bestellen uns das besagt fantastische Essen auf das traumhafte Zimmer. Das Hotel ist tatsächlich einzigartig gebaut. Ich dachte zuerst da läge eine antroposophische Philiosophie dahinter, weil alles rund war. Der Besitzer Paul wollte das Gebäude aber ursprünglich für sich konzipieren und es wurde einfach immer grösser und grösser bis er es zum Hotel umfunktionierte. Kein Zimmer gleicht dem anderen aber alle haben OpenAir Elemente. Bei uns war z.B. die Dusche halb im Freien-beim Wind vom Meer allerdings eher unpraktisch weil du dem Wasser förmlich hinterherrennen musst… und die einmaligste WC Aussicht die ich je gesehen und erlebt habe: Sonnenuntergang über dem Bush!!! Das ganze Haus hat lauschige Ecken und ist gespickt mit Glaseinlagen von kitengela glass in Nairobi, notabene die “neue” deutsche Frau des Vaters von Paul dem Besitzer…
Wir machen einen kurzen Abstecher zum nahe gelegenen Strand. Nicht so gepflegt wie in Kilifi aber schön lang!
Dann gibt es endlich Food. Uns wurde ja schon so vorgeschwärmt dass wir es kaum erwarten können. Wir geniessen die schmackhafte Vegi&Fischküche und gehen früh unter das Moskitonetz. Dafür dass Peter oft simpel übernachtet ist er eine totale Memme was die Mücken anbelangt. Er schlägt sich mit ihnen rum obwohl die Zimmerfrau eine geniale Konstruktion mit Sandsäcken und Chlüperli ausgedacht hat. Er sprayt sich um 3 Uhr morgens mit Antimückenspray ein und träumt auch von Schlangen, die allenfalls ins Zimmer kommen könnten-ein richtiger Abenteurer ist er nicht!
Am Morgen eröffnet er mir, dass er nach Kilifi müsse um einiges zu erledigen und die Zeugen zu organisieren, die für die Petition notwendig sind. Ich nehme es gelassen und gehe in die Yogaklasse mit Engländerinnen und Europäerinnen. Ganz entspannt geniesse ich nachher das verboten gute Frühstück-ein bisschen sogar noch mit Peter, der noch gar nicht weg ist… Angeregt durch verschiedene Personen beschliesse ich, das Exposé für mein Buch zu schreiben. Es scheint mir hier genau der richtige Ort dafür zu sein! Viel mehr verrate ich an dieser Stelle noch nicht.
Der Tag geht total schnell vorbei und bald ist Peter tatsächlich wieder zurück… Ich freue mich und drohe ihm an, ihn am nächsten Tag wirklich anzubinden. Er sagt das sei kein Problem aber er müsse mir etwas sagen, das mich gar nicht freuen werde… Danke für alle, die mir geschrieben haben, dass ich Nerven aus Stahl habe – ich glaube es langsam aber sicher selber!!! Er muss HEUTE!!! nochmals nach Kilifi. Uhuru schickt seine Anwälte aus Nairobi und jeder der Verlierer kriegt 4 zugeteilt für die Aufnahme der Fakten!!! Gell, unglaublich! Ich füge mich, denn ich bin ja im Paradies. Ich schreibe, ich schlafe, ich träume und lese und diskutiere mit Ellen aus California: richtig Ferien. Tatjana beginnt mich schon fast zu nerven: gefällt es euch, wie lange bleibt ihr, wann reist du retour ? Schreibt sie alle paar Stunden… Aber da sie uns ja schon das grosszügige Geschenk gemacht hat gebe ich bereitwillig Auskunft…

Peter kommt sehr spät an, geniesst aber trotzdem noch seinen zNacht, der liebevoll in kleinen Tuppergefässen aufbewahrt wurde und wir verbringen eine mückenfreie Nacht, dummerweise ohne heisses oder gar warmes Wasser… Auch das Paradies ist nicht ganz perfekt!

Wow Freitag wird ein echter Ferientag: die Hunde des Hotels belagern uns schon während dem Frühstück, das wieder deliziös ist… dann kommen sie mit uns zum Strand wo wir Zukunftspläne schmieden und einen richtig langen Spaziergang machen. Wir werden allerdings von einem geriatrischen Mann überholt, der meinte das sei sehr selten, dass er jemanden überhole!!! Wir begründen es mit unserer ungebrochenen Verliebtheit und das findet sogar der alte Mann richtig romantisch!

Später gibt es eine Paarmassage im Zimmer-einfach traumhaft. Ich werde mehrmals gefragt, ob wir wirklich im Hotel essen, es gäbe nämlich noch eine kleine Überraschung…

Die Überraschung ist dann doch eher grösserer Art. Nachdem der Abfluss repariert wurde und darauf die Putzfrau klopfte (dass das Umdrehen des Zimmerschilds “bitte nicht stören” bedeutet ist wohl noch nicht überall durchgedrungen-denke ich: ich gehe jetzt in den Yoga-Raum: dort ist der WLAN Empfang am besten. Zusammen mit Peter habe ich nämlich vorher noch die Kauma-Constituency auf der Karte geplant. Sie soll 2022 Wirklichkeit werden, da Ganze zu gross ist für 1 MP! (Wem sagst du das!!!).

Ich bin also ganz in der Planung des vielleicht neuen Wirkungskreises vertieft da kommt ein Rotschopf die Treppe rauf!!! Ich schmeiss mich weg: DARUM wollte sie alles so genau wissen: Tatjana steht in der Türe und wir hüpfen rauf und runter vor Freude!!! Ich bringe sie zu Peter runter der sich ebenfalls freut und grad noch aus der Pediküre aufspringt!!!

Jetzt ist aber updaten angesagt: wie zwei Teenies fläzen wir auf einer bequemen Liege und geben und gegenseitig die neusten Stories über wie und warum und mit wem und überhaupt!!! Sie musste einfach nochmal zurückkommen und etwas herausfinden! Da ihr Haus auf Mallorca eh noch ausgemietet ist bis Ende Monat und ihr die Schicki-Micki High-Society mächtig auf den Keks gegangen ist (geht mir ja manchmal nur schon in der Normal Society so) ist sie kurzerhand nochmals eine Woche ins Paradies zurückgekehrt.

Sie hat Käse und Wein mitgebracht und zusammen mit dem Besitzer Paul Krystall verbringen wir einen romantischen Pärchenabend mit vielen Erzählungen aus den Männerleben. Die beiden haben viele Ähnlichkeiten und sogar gemeinsame Bekannte, denn Paul hat 30 Jahre in der Regierung als Consultant gearbeitet. Auch Peter’s Anfangsjob als “Programmierer”, der beim Systemausfall mit den Lochkarten nach Nairobi zu Olivetti fliegen musste damit die Leute in der Cashew Nut Factory ihre Löhne erhielten bringt uns zum Lachen. Tatjana und ich brauchen ja nichts aufzurollen – wir wissen bereits sehr viel voneinander!!!

Ansonsten ist Peter nicht so nach Lachen zumute und er wirkt nicht so, dass er verloren hat sondern dass er auch etwas verloren ist. Er macht ja meistens fast eine Krise wenn ich wegfliege und normalerweise kommt er gar nicht mit zum Flughafen weil ich ja auch keine Abschiedsliebhaberin bin. Jetzt findet er aber, dass er mitkommen müsse. Zudem hat es ja keinen Bodyguard mehr und darum sagt er dann auch scherzend, dass er das Sackmesser behalten möchte um sich verteidigen zu können!!! Aber schon krass: alle haben alles abgeben müssen-sogar der Kleber am Auto, der für einige Spezialverkehrsregeln sorgte war abgekratzt…

Ja und dieses Mal gab es Tränen am Flughafen: so unsicher ist die Zukunft und so unsicher ist es wann wir uns das nächste Mal sehen. Aber im Normalfall geht der Flug ruckzuck zackzack. Nur dieses Mal hatte ich mich vom billigen Flug bei Travelgenio verleiten lassen. Für den Rückflug bedeutet es dieses Mal einen krassen Layover von 8 Stunden-da bin ich noch fast froh, dass der Mombasa-Nairobi Flug 2 Stunden Verspätung hat!!!

In Nairobi treffe ich 2 coole Irinnen und wir schwärmen gemeinsam von Dublin, von Safaris und von Kenia! Sie sind unterwegs nach Sansibar und versprechen mir: sie werden nach meinem Buch Ausschau halten!

Auch wenn die Zukunft unklar ist: sie wird geschehen und der 2.Teil meines Blogs kann beginnen: Mein Leben mit einem kenianischen EX Parlamentarier!

Von jeder Stufe des Lebens
ist die Aussicht eine andere.
Je höher man steigt,
desto besser der Überblick.
Gerlinde Nyncke

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