März 20, 2018 Von einer Baustelle zur anderen

Zwei Tage vergingen wie im Flug. Mein Mann ist einfach ein
Wahnsinnstyp. Ich denke, dass er durch die allerschwierigste Zeit seines Lebens
gegangen ist – auch wenn er schon sehr schwierige Zeiten durchlebt hat. Aber
die Enttäuschung darüber, dass er seinen Traum für ein besseres Ganze nicht
weiterverfolgen konnte war riesengross und ich bin erstaunt darüber, dass er
nicht in eine Depression gefallen ist. Es kommt ja dazu, dass es kaum die Leute
aus Ganze sind, die ihn betrogen haben sondern seine politischen Gegner, die
ihn beschissen und beklaut haben.

Ich habe ihn mit „Fernunterstützung“ so gut wie möglich
gecoacht und ihn in den ersten Monaten fast jeden Tag angerufen aber
phasenweise habe ich auch gelitten und nicht mehr ein und aus gewusst. Dass er
an Weihnachten nicht in die Schweiz kommen konnte habe ich irgendwie noch
verstanden, denn es bestand ja immer die Möglichkeit, dass der Präsident noch
einen Job für ihn im Köcher hat. Als er dann aber durchleben musste, wie seine
Tochter fast durchgedreht hat während ihrem Besuch an Weihnachten mochte ich
ihm echt nicht gönnen. Und die Details darüber erspare ich meinen Blog-Lesern
jetzt aus Persönlichkeitsgründen auch – aber schwarze Magie ist halt auf dem
afrikanischen Kontinent auch noch stark verbreitet und ebenso der Glaube
daran… Aber diese Zeit hat Nerven und schlussendlich auch wieder viel Geld gekostet.

Ich hatte mich ja auch schon damit auseinandergesetzt, ob es
vielleicht möglich wäre, einen Job für ihn in der Schweiz zu finden aber mit 62
und nachdem er eine wichtige Position inne hatte mit Bodyguards und einer
ganzen Entourage stellte ich mir das auch ganz schwierig vor. Nicht dass er auf
dem Hohen Ross ist und sich für irgendetwas zu schade wäre – aber es wäre doch
eine sehr grosse Umstellung.  Und wie
wäre es für mich, wenn ich einen Mann 24-Std um mich herum hätte? Ich habe ja
kaum Zeit für mich selber – geschweige denn für eine andere Person… und vor
allem nicht für eine, die wie ein Hündchen auf mich wartet und mich damit noch
unter Druck setzt. Dafür sind wir beide zu starke Persönlichkeiten.

Dann ist natürlich auch die Geldfrage und die hat mich auch
gestresst, denn es kann ja nicht sein, dass ich jemanden einfach für die
längste Zeit unterstütze, wenn ich quasi nichts davon habe. Ich möchte ja auch
nicht zu den doofen Frauen gehören, die sich ausnehmen lassen wie eine
Weihnachtsgans. Irgendwie ging diese Schweiz-Idee einfach nicht auf für uns
beide und unsere Diskussionen sollten aufzeigen warum…

Zum Glück treffe ich hier aber einen starken Mann an. Er hat
sich wirklich durch die letzten Monate gekämpft. Phasenweise sass er einfach
zuhause, einmal während 14 aufeinanderfolgenden Tagen. Zum Glück ist er nicht
interessiert in Trinken und Herumhängen. So hat er seine Zeit aufgewendet zum
Lesen und um die Wohnung in Schuss zu halten. Irgendwie haben sich verschiedene
Dinge aufgetan – so gibt es immer noch eine echte Möglichkeit, dass er vom
Präsidenten von Kenia oder vom Vize in ein Amt eingesetzt wird, das für ihn
interessant ist und das er auch ausführen könnte. Da sind noch verschiedene
Möglichkeiten offen. Ich habe ihm schon mal empfohlen ein bisschen Lobbying zu
betreiben und Kollegen aufzusuchen, die ihn da auch weiterempfehlen können.
Nicht dass sie noch das Gefühl haben, er sei in die Schweiz geflüchtet während
er in Nairobi sitzt.

Und etwas, das sich mit grösster Wahrscheinlichkeit materialisiert
ist ein grosses Bauvorhaben bei seinem Haus in Kiwandani in Kilifi. Chinesische
Contractors werden dort 612!!! Studios bauen, denn Pwani University in Kilifi
und andere grosse Institutionen haben viel zu wenig Unterkunftsmöglichkeiten
für ihre Studenten und Arbeiter und so hat die Universtät 400 Units gesichert. Über
die Bank kann das alles finanziert werden – inshallah. Um mich den Bauherren
vorzustellen und alles zu zeigen waren wir heute in Nairobi auf Baustellenbesichtigung.
Unglaublich, was diese Chinesen auf die Reihe bringen: sie stellen einfach
alles selber her: sie bringen alles aus China und haben Maschinen auf der
Baustelle, mit denen sie die Küchen, die Einbauschränke etc. erstellen und in
no time Bauten auf die Beine stellen, die Kenianer nie hinkriegen würden. Und
irgendwie hat sich Peter jetzt versöhnt mit den Chinesen, denn sie bieten ihm
eine aussergewöhnliche  Möglichkeit, Geld
aus seinem Land zu machen und am Schluss erst noch ein renoviertes Haus in
Kilifi zu haben. Auch hier ist zu sagen: never say never!

Ich gebe zu: die Typen haben sich sehr integer und
kultiviert angehört und da ihnen auch noch mehrere Restaurants gehören haben
wir uns von ihnen grad auch noch beim chinesischen Mittagessen verwöhnen lassen
– inkl. Paravent damit die beiden Rauchen konnten! Es gelten halt auch hier
nicht dieselben Regeln für alle…

Diese Angelegenheit beschäftigt Peter jetzt und das ist gut
so. Am Sonntag fliegen sie nach Kilifi um sich alle vor Ort anzusehen. Die
Baupläne sind schon gemacht – für diese Baumogule quasi „ein Klacks“ und Peter
wird mit seinem Lastwagen und seiner Maschine, die Bausteine herstellt
beschäftigt sein. Ein bisschen vorsichtig bin ich noch mit meiner „Euphorie“
aber sie ist schon in den Startlöchern…

Es gibt also immer wieder Türen, die sich öffnen –  man muss sie einfach aufstossen. Dran bleiben,
Geduld haben und an seine Träume glauben – das sind die Schlüsselerkenntnisse
daraus und sie gelten auch für mein Leben…

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